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29.02.2016

17:48 Uhr

Der Medien-Kommissar

Kommunizieren wir uns dumm?

VonHans-Peter Siebenhaar

Peter Handke am Wiener Burgtheater ist noch immer ein Medienereignis. In der Uraufführung des neuen Stücks des Dramatikers rechnet Regisseur Claus Peymann mit der Kommunikations-Unkultur ab.

Die Uraufführung des neuen Stücks von Peter Handke ist in Wien ein Medienereignis. Reuters

Szene aus „Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße“

Die Uraufführung des neuen Stücks von Peter Handke ist in Wien ein Medienereignis.

Noch nie waren so viele Informationen und Scheininformation per Smartphone und Tablet-PC überall und zu jederzeit verfügbar. Ein Fortschritt? Der große Zweifler, Peter Handke, nährt in seinem neuen Stück „Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße“ daran starke Zweifel. „Es ist eine Zeit, als wisse man, als wüsstet ihr alles vom anderen. Als sei lückenlos alles zu wissen. Und zugleich ist es eine Zeit, da man nichts mehr, gar nichts mehr weiß vom anderen, auch gar nichts mehr wissen will“, formuliert der im freiwilligen französischen Exil lebende Österreicher.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Claus Peymann –wer sonst – brachte das sprachgewaltige Werk des 73-jährigen Handke nun auf die Bühne – im Burgtheater, wo sonst? Handke, Peymann, Burgtheater, das ist ein Mythos. Es ist das mittlerweile fünfte Stück von Handke, das Peymann in Szene setzt. Er leitete 13 Jahre das Burgtheater und spaltete Österreich wie seitdem nicht mehr. Handke, der vor 50 Jahren mit seinem von Peymann inszenierten Provokationsstück „Publikumsbeschimpfung“ Theatergeschichte schrieb, blieb bei der Uraufführung unsichtbar.

Die hohen Erwartungen an das deutsch-österreichische Duo wurden dennoch nicht enttäuscht. In dem wunderbar abstrakten Bühnenraum, der eine imaginäre Straße nur andeutet, prasseln auf den Zuschauer gewaltige Wort-Wasserfälle herab. Eine poetische Abrechnung mit dem Hier und Jetzt. Das ist keine gefällige Gutmenschen-Show, sondern eine destruktive Hasstirade auf die Ignoranz.

Peymann zaubert viel Theater in den komplizierten, imposanten Text von Handke. Da zwitschern Vogelstimmen aus dem Off, da wirbeln Staub und Blätterwolken über die Bühne, da wird gesprungen, getanzt, gefochten. Die „Unschuldigen“ mit ihren beiden Wortführern (Martin Schwab/Maria Happel) telefonieren sich in einer Szene über die imaginäre Landstraße ins informatorische Nichts. Mit dem Handy in der Hand sind sie unfähig, mit dem „Ich“ (Christopher Nell) überhaupt zu kommunizieren. Kommunikation = Nichtkommunikation?

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