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30.11.2015

09:14 Uhr

Der Medien-Kommissar

Langweiliges Staatsfernsehen mit Jauch

VonHans-Peter Siebenhaar

In seinem letzten ARD-Talk führt Günther Jauch im Gespräch mit Finanzminister Schäuble sein eigenes Scheitern nochmals vor. Selbst auf dem Balkan wird mittlerweile frischeres Fernsehen gemacht.

Der Moderator hat seinen letzten Talk in der ARD abgeliefert. dpa

Günther Jauch

Der Moderator hat seinen letzten Talk in der ARD abgeliefert.

Selbst der geduldige Finanzminister langweilt sich beim letzten Polittalk von Günther Jauch in der ARD. „Immer dieselben Fragen“, stöhnt Wolfgang Schäuble in der Livesendung am Sonntagabend im Ersten. Damit spricht der CDU-Politiker Millionen von Zuschauern aus dem Herzen. Denn brav spult Günther Jauch die von seinen Redakteuren zusammen getragenen Fragen ab – CDU-Spendenaffäre, Verhältnis zu Helmut Kohl, Revolte gegen Angela Merkel, Flüchtlingskrise et cetera.

Da gibt es keine intellektuellen Überraschungen, kein hartes Nachfragen oder gar neue politische Einsichten. Selbst in den von Medienfreiheit nicht verwöhnten Balkan-Länder sind Polit-Talks frecher, frischer und freier als die Sonntagsrunde mit Jauch.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Zum selbst gewählten Ende seiner Talkrunde nach dem „Tatort“ im Ersten führt Jauch sein ganzes Dilemma des TV-Formats vor. Er präsentiert langweiliges Staatsfernsehen. Nicht dem Zuschauer, sondern den Granden der ARD und deren Aufseher in der Politik will er es bis zum Schluss recht machen. Es war es mehr als eine Fußnote, dass beim Videoclip zur Bambi-Verleihung an Schäuble unter den über tausend Gästen der vom Ersten übertragenen Gala des Burda-Konzerns ausgerechnet der ARD-Chef und NDR-Intendant Lutz Marmor eingeblendet wurde.

Gerade mit dem Interviewgast Wolfgang Schäuble hätte Jauch die Möglichkeit gehabt, nochmals einen bemerkenswerten Schlusspunkt zu setzen. Denn der CDU-Politiker ist derzeit Teil der Demontage von Kanzlerin Merkel. Loyalität in herausfordernden Momenten wie der Flüchtlingskrise sieht anders aus. Doch immer, wenn es heikel wird, kneift Jauch bei den Fragen.

Schäuble hat seinen Monolog, unterbrochen von Jauchs vorhersehbarem Fragenkatalog, ohnehin als mediales Heimspiel betrachtet. Die ARD begreift der Politiker aus dem badischen Offenburg als Heimatsender. Schließlich ist seine Tochter seit 2012 Chefin Christine Strobl der mächtigen ARD-Tochter Degeto, die vor Jahren durch Misswirtschaft bundesweit bekannt wurde. Strobl ist wiederum Ehefrau von Thomas Strobl, mächtiger Chef der CDU in Baden-Württemberg.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

30.11.2015, 10:12 Uhr

Ist doch egal, wie der Interviewer heißt...ob Will oder Jauch....solange ARD und ZDF ein Staatsfernsehen ist, solange wird dieses Staatsfernsehen von den etablierten Parteien missbraucht und kontrolliert.
Schäuble durfte sich gestern bei Jauch in Szene setzen....nur wird dieses gekünstliche in Szene setzen durch ARD und ZDF von immer mehr Bürger in der Gesellschaft ernst genommen. Auch bei den Zuschauern im Studio kann der Verdacht aufkommen, dass diese manipuliert sind und nur auf Zuruf der Medienverantwortlichen klatschen oder still sind. Autentisch wirkt diese auf jeden Fall nicht mehr.

Herr Jürgen Bertram

30.11.2015, 10:39 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

Frau Monika Forro

30.11.2015, 10:40 Uhr

Guten Morgen Herr Hofmann,
Klar das Sie so einen Kommentar abgeben würden.
Ersten sind die Sender parteienunabhaengig und zweitens das Publikum ebenso frei, wann es Beifall zollt oder nicht. Es gibt kaum AFDler, die zu Talkshows kommen oder oeffentlich zu Dialogen bereit sind. Klar, dass die dann auch immer sofort solche Verdächtigungen auessern.

Auch Sie waren wahrscheinlich noch nie Zuschauer einer Talkshow. Somit erfüllen Sie genau das Profil eines durch die Medien vermeintlich manipulierten Zuschauers. Mit diesem Halbwissen werden Sie immer mit diesen Ängsten leben müssen. Ein ausgezeichneter Nährboden für Unzufriedenheit. Ob dies erstrebenswert ist, kann man unterschiedlicher Meinung sein. Es sei denn man gefällt sich in dieser Rolle.

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