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06.01.2014

16:02 Uhr

Der Medien-Kommissar

Leise bröckelt der Fernsehkonsum

VonHans-Peter Siebenhaar

Noch feiert sich das vor 30 Jahre gestartete Privatfernsehen mit großen Shows. Was bei den Geburtstagsständchen verschwiegen wird: Die TV-Branche hat ihren Zenit überschritten. Die Lust aufs Fernsehen geht zurück.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Das ist bitter für RTL. Die Selbstbeweihräucherung zum 30. Geburtstag wollten sich sehr viel weniger Zuschauer ansehen als erwartet. Den zweiten Teil der von Moderator Thomas Gottschalk noch einigermaßen geschickt präsentierten Pretiosen aus der Fernsehtruhe des Anfang Januar 1984 in Luxemburg gegründeten Privatsenders verfolgten zuletzt nur rund 5,5 Millionen Menschen vor dem Bildschirm. Der alles andere als großartige ZDF-Krimi „Stubbe – von Fall zu Fall“ verwies den Kölner Privatkanal mit knapp acht Millionen Zuschauern klar auf den zweiten Platz. Beim ersten Teil der RTL-Geschichte waren es sogar nur 5,2 Millionen Zuschauer. Eine richtig tolle Geburtstagsparty in Köln sieht anders aus.

Anlässlich der Feierlichkeiten wird gerne so getan, als sei die Fernsehwelt noch in Ordnung. Dabei befindet sich die TV-Branche in einer ausgesprochenen Sinnkrise. Denn die Faszination des Mediums lässt nach. So geht die Sehdauer in Deutschland langsam zurück. Verbrachte jeder Deutsche im Jahr 2012 noch 222 Minuten vor der Mattscheibe, waren es 2013 nach Angaben von Media Control nur noch 220 Minuten (Stand: 26. Dezember). 2011 waren es sogar noch 225 Minuten. Leise bröckelt der Fernsehkonsum.

Besonders dramatisch: Das Fernsehen wird zunehmend ein Medium für die noch im analogen Zeitalter aufgewachsenen Zuschauer. Bei den für die Werbewirtschaft so wichtigen Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen ging im vergangenen Jahr die Nutzungsdauer von 187 auf 182 Minuten zurück. Das ist bitter, denn die verlorene Reichweite kostet bei den Werbeeinnahmen richtig viel Geld.

Immer mehr Menschen sehen Filme und Nachrichten schließlich auf dem Computer, Tablet-PC oder Handy. Das Problem für die Fernsehkonzerne: Sie können die Veränderung des Medienverhaltens bislang noch nicht richtig zu Geld machen. Im Vergleich zu den sprudelnden Gewinnen beim TV ist bei der Werbevermarktung im Internet noch nicht der große Reibach zu machen. Ohnehin besitzt Google, die unbestrittene Nummer Eins im Online-Werbegeschäft mit der Videoplattform Youtube das größte Bewegtbildportal der Welt. Das ist ein uneinholbarer Vorsprung.

Große Teile der Fernsehbranche betreiben eine Vogel-Strauß-Politik. Sie schaffen es im Gegenteil zur selbstanklägerischen Printbranche glänzend, die Herausforderungen in der digitalen Welt zum Nichtthema zu erklären. Hinter vorgehaltener Hand bekennen Manager allerdings, dass die goldenen Zeiten vorüber sind und ziehen daraus erste Konsequenzen. Bertelsmann, Eigner von Europas größtem Fernsehkonzern, sieht sein Heil nicht mehr im Ausbau des Fernsehgeschäfts. Die Gütersloher haben daher ihren Mehrheitsanteil zuletzt deutlich verringert.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

06.01.2014, 16:48 Uhr

Das Fernsehen insgesamt- private wie ö.-r. Sender sorgt doch selbst mit diesem katastrophalen Programm für sinkende Zuschauerzahlen. Genau deshalb wurde doch jetzt als Existenzsicherung diese (m.E. grundgesetzwidrige) Zwangsabgabe für alle eingeführt, auch für Haushalte und Firmen, in denen es überhaupt kein Empfangsgerät gibt.
Fernsehen? ((o:)
Wir decken uns schon länger mit Filmen auf DVD auf Vorrat ein, besonders für die Zeit der Bundesliga-Pause und die Urlaubs- Sauere Gurken-Zeit usw.

Account gelöscht!

06.01.2014, 17:45 Uhr

Im Zeitalter von Youtube und Kinox.to brauch kein Mensch mehr diese völlig unnötigen Fernsehanstalten. Jeder kriegt das was er sehen will auf digitalen Kanälen in seinen favorisierten Channels und sogar ohne Werbung (falls die richtige Blockad installiert ist). Gott sei Dank!

Turing

06.01.2014, 18:00 Uhr

@weichseltiger
Die Anstalten braucht es, denn was schauen sich denn die Leute bei Youtube an? Häufig Produktionen der öffentlich-rechtlichen Anstalten. Das Problem der Anstalten ist, dass sie die intelligenten Zuschauer mit dummen Sendezeiten, dumme Moderationen und bunten Bildchen vergrellen . Ein gutes Beispiel ist Lesch. Bei Bayern Alpha topp, im ZDF langweilige Soße in aufdringlichen Farben.

Es gab vor wenigen Monaten im Ersten eine sehr gute Reportage über Antisemitismus. Bei dieser Reportage habe ich gezielt eingeschaltet und es hat sich gelohnt, denn sie war informativ und qualitativ und die Sendezeit war nicht allzu anstrengend: 22:45. Sendebeginn nach 23 Uhr finde ich persönlich sehr kritisch. Aber es wäre noch besser, wenn man mal sowas um 20:15 brächte.


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