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27.01.2014

13:20 Uhr

Der Medien-Kommissar

Mehr TV-Demokratie wagen

VonHans-Peter Siebenhaar

Die Petition gegen den unpopulären ZDF-Moderator Markus Lanz zeigt: Der Gebührenzahler will das Diktat der Sender nicht mehr hinnehmen. Doch mehr Mitsprache ist im öffentlich-rechtlichen System nicht vorgesehen.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Dieter Nuhr hat Recht, wenn er sich gegen digitales Mobbing und binäre Erregung stark macht. Tatsächlich trägt die in der vergangenen Woche gestartete Online-Petition gegen den Moderator und Fernsehproduzenten Markus Lanz groteske Züge. Dem rheinländischen Kabarettisten ist der „Online-Petitionswahn“ ein Dorn im Auge. Mittlerweile haben fast schon eine Viertel Million Menschen gegen die rüden Interviewmethoden des Italieners in seiner ZDF-Talksendung virtuell unterschrieben. Stündlich werden es mehr.

Was der ansonsten schlaue Dieter Nuhr aber nicht gemerkt hat: Die Online-Petition gegen den ZDF-Großverdiener Lanz ist nichts anderes als der Ausdruck einer großen Hilflosigkeit des Gebührenzahlers. Der Zuschauer muss seit über einem Jahr Zwangsgebühren an ARD und ZDF entrichten, unabhängig davon, ob er die Inhalte überhaupt will.

Der Gebührenzahler ist der entmündigte Bürger. Im System von ARD und ZDF ist für ihn keine Mitsprachemöglichkeit vorgesehen. Dabei ist eigentlich der Gebührenzahler der eigentliche Eigentümer des größten öffentlich-rechtlichen Rundfunks weit und breit. Mit seinem jährlichen Obolus von über 7,5 Milliarden Euro finanziert er den opulenten Apparat, der Moderatoren wie Markus Lanz in wenigen Jahren zu Millionären macht.

Politiker wie die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht haben natürlich ein Anrecht auf eine faire Behandlung vor laufender Kamera, gerade im öffentlich-rechtlichen Fernsehen mit seinem besonderen Qualitätsanspruch. Das gilt auch für Markus Lanz, der die streitbare Dame unhöflich und unprofessionell in seiner ZDF-Talksendung behandelte. Darüber besteht kein Zweifel.

Doch Politiker können sich im Gegensatz zum Gebührenzahler sehr gut wehren. Sie sitzen in den Rundfunk- und Fernsehräten, entscheiden in den Hinterzimmer der Macht über Aufstieg und Fall im Hofstaat namens ARD und ZDF. Deshalb ist der „Online-Petitionswahn“ zugunsten einer Politikerin auch ein Stück absurd.

Was wir brauchen ist weniger eine Debatte um Markus Lanz, sondern um mehr Demokratie bei ARD und ZDF.

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

27.01.2014, 13:32 Uhr

"Doch mehr Mitsprache ist im öffentlich-rechtlichen System nicht vorgesehen"
Und bei den Privaten? Verblödungsfernsehen pur! Kritische Stimmen zu Wirtschaft und Reichen kommen dort überhaupt nicht vor.

Es ist eben einfacher über dumme Menschen zu herrschen, als über ein gebildetes Volk.

R.Rath

27.01.2014, 13:43 Uhr

Entweder müssen ARD und ZDF Aktiengesellschaften werden mit Stimmrecht der Aktionäre oder Vereine, die vereinsrechtlich aufgestellt sein sollten, ebenfalls mit Stimmrechten der Vereinsmitglieder.

Mehr Demokratie einfordern ist das Gebot der Stunde. Paternalistische Strukturen sind Schnee von gestern und in keiner Weise mehr zeitgemäß.

Numismatiker

27.01.2014, 13:52 Uhr

@ R.Rath


Es würde schon viel bringen, wenn in den Aufsichtsgremien der öffentlich-rechtlichen Sender keine aktiven Politiker säßen und ehemalige Politiker erst nach fünf Jahren nach Beendigung ihrer Politiker-Karriere dorthin wechseln dürften.

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