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20.04.2015

16:24 Uhr

Der Medien-Kommissar

Neue Unübersichtlichkeit in Hollywood

VonHans-Peter Siebenhaar

Filmstudios wie Warner Bros. profitieren vom Ende des linearen Fernsehens. Die Zahl der Kunden für ihre Programmware wächst mit den neuen Herausforderern der traditionellen Sender – zum Beispiel Amazon oder Netflix.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Wenn Jeffrey Schlesinger in den Hügeln Hollywoods zum Dinner einlädt, kommen sie alle. Denn die Partys des Warner-Bros.-Managers in seiner Privatvilla im Millionärsparadies Beverly Hills sind legendär. Rund 50 Produzenten, Schauspieler und Einkäufer finden sich an einen solchen Abend ein. In wenigen Wochen ist es wieder so weit. Dann versammeln sich in der Filmmetropole Los Angeles die TV-Manager aus aller Welt zu den „L.A. Screenings“, um neuen Serien und Filme einzukaufen.

Beim Fest von Schlesinger, dem dienstältesten Weltvertriebschef in Hollywood, wird auch eine Abordnung des deutschen Medienkonzerns Pro Sieben Sat1 dabei sein. Die Delegation aus München hat in diesem Jahr gut lachen. Denn die Sendergruppe hat im Wettbewerb um die besten Programme einen Stich gemacht. Vor kurzem hat Pro Sieben Sat1 seinen Liefervertrag mit Warner Bros., dem größten Filmstudio Hollywoods, verlängert. Damit hat sich der MDax-Konzern Zugriff auf Erfolgsserien wie „The Big Bang Theory“, „Two and a Half Men“, aber auch die Trilogie „Fantastic Beasts and where to find them“ sowie Klassiker-Neuerfindungen wie „Batman vs. Superman“ oder „Tarzan“ gesichert.

Die Verlängerung eines mehrjährigen Liefervertrags – in Hollywood Output-Deal genannt – ist keine Selbstverständlichkeit. Für Warner Bros. („Harry Potter“, „Herr der Ringe“) war dies das erste Mal überhaupt. Für die Filmtochter des Medienriesen Time Warner gab es dafür gute Gründe. Denn Pro Sieben Sat1 ist längst kein reiner TV-Konzern mehr. Mit dem Videoportal Maxdome und seinem unternehmerischen Engagement im Spiele-Bereich ist es sozusagen der ideale Partner für Hollywood. Denn es nutzt sämtliche digitale Kanäle, um die Marken zum Zuschauer oder Nutzer zu bringen.

Für Hollywood herrscht eine neue Unübersichtlichkeit. Einst war das Geschäft mit dem Vertrieb von Serien und Firmen einfach. In Zeiten des Monopols der öffentlich-rechtlichen Sender war die Filmmesse in Los Angeles fast ein Privatissimum. Die Zahl der internationalen Kunden war mehr als überschaubar. Selbst durch die Einführung des Privatfernsehens vor rund drei Jahrzehnten ändert sich grundlegend nur wenig.

Heutzutage treten sich hingegen die Einkäufer gegenseitig auf die Füße. Die Zahl der Kunden für ihre Programmware wächst mit neuen Herausforderern des traditionellen Fernsehens wie Amazon oder Netflix. Sowohl der Online-Handelsriese als auch das kalifornische Video-Portal warten längst nicht mehr darauf, die Film- und Serienware zugeteilt zu bekommen, sondern werden als exklusiver Auftraggeber für die Studios immer interessanter.

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