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30.12.2013

16:18 Uhr

Der Medien-Kommissar

Obermanns neuer Schleudersitz

VonHans-Peter Siebenhaar

Der Telekom-Chef René Obermann wechselt Anfang 2014 zum niederländischen Kabelkonzern Ziggo. Doch der neue Chefposten könnte zum Intermezzo werden, wenn Medien-Tycoon John Malone die Firma übernimmt.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Nach 16 Jahren bei der Deutschen Telekom gibt René Obermann zum Jahresende seine Schlüssel in der Bonner Konzernzentrale ab. Das ist kein einfacher Schritt für einen mit Emotionen behafteten Manager wie Obermann. Zu Jahresbeginn startet er beim niederländischen Kabelnetzbetreiber Ziggo als CEO. Diesen Weg hat der Rheinländer aus freien Stücken gewählt. Es gibt nicht so viele Konzernchefs, die noch aus freien Stücken den Chefsessel eines Dax-Unternehmens verlassen können. Das ehrt den 50-Jährigen.

Obermann bewies zeitlebens Mut. Sein Studium brach er nach zwei Semestern ab, weil sich sein in Münster gegründetes Telekom-Handelsunternehmen – heute als The Phone House bekannt – prächtig entwickelte. Obermann ist ein mutiger Unternehmer und das Gegenteil eines kühlen Zahlenmenschen – wie etwa sein Nachfolger Tim Höttges. Obermann hat nach sieben Jahren an der Spitze die Deutsche Telekom mit ihren 250.000 Mitarbeitern aus ihrem einstigen Siechtum geholt. Das ist bei allen Problemen wie die unselige Bespitzelungsaffäre um Journalisten und Gewerkschafter vor Jahren ein großer Verdienst.

Mut braucht Obermann. Nach einem Dickschiff wie der Deutsche Telekom bei einem Mittelständler im überschaubaren Nachbarland Niederlande anzufangen, ist nicht einfach. Doch für Obermann, der bereits fleißig niederländisch lernt, gab es zwei Motive für seinen Wechsel nach Holland.

Zum einen erlebt die Kabelbranche mit ihrem superschnellen Internet und multimedialen Medienangeboten eine Renaissance, die noch vor Jahren niemand gewagt hätte vorauszusagen. Die zehn Milliarden Euro teure Übernahme von Kabel Deutschland durch die Telekomriesen Vodafone spricht Bände. Das ist ein spannender Abenteuerspielplatz für einen wie Obermann. Bei Ziggo kann der bisherige Telekom-Chef endlich wieder unternehmerisch tätig werden, wie er früher so sehr geliebt hatte.

Zum anderen entzieht sich Obermann – in zweiter Ehe mit der ZDF-Moderatorin Maybrit Illner verheiratet – künftig der medialen Öffentlichkeit. Dem gebürtigen Krefelder hat es immer schon genervt, dass als Telekom-Chef sein öffentliches und privates Leben in Bonn und Berlin von den Medien bis in den kleinsten Winkel ausgeleuchtet wurde.

Als Obermann seinen Arbeitsvertrag bei Ziggo im Frühjahr unterschrieb, konnte er noch nicht ahnen, dass der Medien-Tycoon John Malone nach dem niederländischen Breitbandanbieter seine Finger ausstrecken würde. Der Amerikaner ist mit seinem im US-Bundesstaat Colorado beheimateten Kabelkonzern Liberty Global die unbestrittene Nummer eins im europäischen Kabelgeschäft. Zu seinem Portfolio gehört beispielsweise auch der Kölner Konzern Unitymedia, der zuletzt Kabel BW geschluckt hatte.

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