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05.09.2016

10:57 Uhr

Der Medien-Kommissar

Österreich ist einfach zu klein

VonHans-Peter Siebenhaar

Der österreichische Fernsehmarkt kommt angesichts seiner Größe und der Übermacht des ORF um eine Marktbereinigung nicht herum. Der Medienunternehmer Herbert Kloiber macht den Anfang.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der frühere RTL-Chef Gerhard Zeiler liebt sein Heimatland Österreich. Über viele Jahre steuerte der charismatische Medienmanager in Köln und Luxemburg das größte Fernsehimperium in Europa. Als wir uns vor über zehn Jahren über den österreichischen Fernsehmarkt unterhielten, und ich Zeiler fragte, warum RTL keinen eigenen Sender in Österreich aufmacht, winkte er sofort ab. Dafür sei der ORF einfach zu übermächtig und der Markt schlicht zu klein. Ohnehin sind alle RTL-Sender mit eigenen österreichischen Werbefenstern zu empfangen. Zeiler verbrannte sich als TV-Manager nicht die Finger in der geliebten Heimat. Eine kluge Entscheidung.

Einer, der den Sprung in den österreichischen Fernsehmarkt hingegen wagte, ist der gebürtige Wiener Herbert Kloiber. Mit ATV betreibt der seit Jahrzehnten von München aus agierende Fernseh- und Filmunternehmer einen Privatsender in Wien. Doch Kloiber hat nun die Hoffnung aufgegeben, das österreichische TV-Unternehmen doch noch in eine glückliche Zukunft führen zu können. „ATV war mein größter Fehler“, sagte der 68-jährige Chef der Tele-München-Gruppe bei einem Treffen im Augustiner-Chorherrenstift in St. Florian unweit bei Linz.

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Herbert Kloiber übergibt im kommenden Jahr sein Fernseh- und Filmimperium an seinen Sohn. Vorher will der Medienunternehmer noch einen Verlustbringer verkaufen, von dem er sagt: „Das war mein größter Fehler.“

„Zu meinem 70. Geburtstag am 6. Dezember 2017 will ich die Geschäftsführung der Tele-München-Gruppe an meinen Sohn übergeben, der vermutlich andere Akzente setzen wird. Deshalb werde ich mich bis zur Übergabe auch um eine Bereinigung unseres Portfolios kümmern“, erläuterte Kloiber, der einst seine Karriere bei Leo Kirch begonnen hat.

Doch die Bereinigung des Portfolios für seinen ehrgeizigen Sohn Herbert Leopold Kloiber wird alles andere als einfach. Denn ein Sender, der seinem Eigentümer bislang schon Verluste in zweistelliger Millionen-Euro-Höhe beschert hatte, ist nicht gerade ein begehrtes Asset bei Investoren.

Die beiden großen TV-Konzerne RTL und Pro Sieben Sat 1 kommen dafür nicht in Frage. Die alte Zeiler-Doktrin, von einem österreichischen TV-Sender die Finger zu lassen, gilt in Köln und Luxemburg noch immer. Und der Dax-Konzern Pro Sieben ist in Österreich bereits mit seinem Ableger Puls 4 vertreten. Wo ATV am Ende landen wird, ist offen. Vermutlich wird es eine österreichische Lösung für den Verlustbringer in Wien geben.

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