Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.11.2013

12:11 Uhr

Der Medien-Kommissar

Olympia-Gegner schocken ARD und ZDF

VonHans-Peter Siebenhaar

Mit ihrem Votum gegen die Olympischen Winterspiele 2022 in Deutschland haben die Bürger ein mediales Großereignis gestoppt. Dabei hätten ARD und ZDF das Ringe-Spektakel im eigenen Land dringend brauchen können.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Es war ein Faustschlag ins Gesicht der Politik, des Sports und der Medien. Mit einem völlig unerwarteten Votum haben die Bürger die Olympischen Winterspiele 2022 in München und Oberbayern ins Abseits geschossen. Trotz eines medialen Trommelfeuers haben die Macher eine Abstimmungspleite mit Folgen kassiert. Denn die Bürger wollen kein Ringe-Spektakel, bei dem Sponsoren und Werbetreibende zunehmend wichtiger werden als die Sportler selbst, bei dem selbstherrliche IOC-Funktionäre auftreten wie diktatorische Potentaten.

Der Bürgerentscheid ist bitter für ARD und ZDF. Denn sie hätten die Abfahrtsläufer, Skispringer, Schlittschuhläufer und Eishockeyspieler gut gebrauchen können. Die Fernsehrechte der Olympischen Spiele sind stets eine Verjüngungskur für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk – vor allem wenn die Wettkämpfe im eigenen Land stattfinden.

Die Kanäle leiden seit Jahren über eine Überalterung. Sowohl beim Ersten als auch das Zweiten sowie bei allen Dritten Programmen liegt das Durchschnittsalter der Zuschauer bei 60 Jahren und darüber. Ohne Sportgroßereignisse muss das Gebührenfernsehen längst auf einen Großteil der Bürger verzichten.

Die Überalterung wird zunehmend ein Problem. Denn mit der Einführung der neuen Rundfunkgebühr werden auch die jungen Singe-Haushalte zur Kasse gebeten, selbst wenn sie bereits seit Jahren die Angebote der Öffentlich-Rechtlichen gar nicht nutzen. Um die Zwangsgebühren politisch rechtfertigen zu können, brauchen ARD und ZDF mehr denn je, die Zuschauer außerhalb des Seniorenalters – sonst sinkt die Akzeptanz für ihre Art von Bezahlfernsehen noch weiter.

Kommentare (31)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

bellami

11.11.2013, 11:16 Uhr

Ich hätte es nicht besser schreiben können.
Vielen Dank.

Vielleicht sollte noch hinzugefügt werden, dass von ARD und ZDF nach London mehr Journalisten entsendet wurden als deutsche Sportler!

Uwe13

11.11.2013, 11:22 Uhr

Die öffentlich-rechtlichen Sender malen sich die Welt, wie sie es gerade brauchen:

Dr. Hermann Eicher, Justiziar des SWR/Vorsitzender der Juristischen Kommission von ARD/ZDF, ist einer der beiden Autoren des Artikels „Die Rundfunkgebührenpflicht in Zeiten der Medienkonvergenz”, veröffentlicht in „Neue Zeitschrift für Verwaltungsrecht” 12/2009. Dort kann man folgendes lesen:

„Verfassungsrechtlich bedenklich ist schließlich die Reformvariante einer geräteunabhängigen Haushalts- und Betriebsstättenabgabe. Insofern ist fraglich, ob eine solche Abgabe den vom BVerfG(Vgl. BVerfGE 55 274(303 f.) = NJW 1981, 329) entwickelten Anforderungen an eine Sonderabgabe genügt und eine Inanspruchnahme auch derjenigen, die kein Empfangsgerät bereithalten, vor Art. 3 I GG Bestand hätte.”

„Dass der Gesetzgeber nicht an den Umsatz oder die Mitarbeiterzahl angeknüpft hat, ist gerechtfertigt, da diese Kriterien schwanken und schwer zu verifizieren sind (Vgl. VGH Mannheim, Urt. v. 10.7. 1990 - 14 S 1419/89).”

Account gelöscht!

11.11.2013, 11:24 Uhr

Respekt an die Verantwortlichen, diese Frage im Rahmen einer Volksabstimmung zu genehmigen und durchzuführen.
Noch viel viel mehr Respekt aber zum Ergebnis. Und das spricht Bände und zeigt um so mehr einen nüchternen Sachverstand der Mehrheit der Bürger.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×