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08.06.2015

12:33 Uhr

Der Medien-Kommissar

Paul Sahner, König der Aufmerksamkeit

VonHans-Peter Siebenhaar

Mit dem Tod des Gesellschaftsreporters Paul Sahner verliert die deutsche Publizistik einen Solitär. Sein Verlust markiert das Ende einer großen Epoche des Glamourjournalismus.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Am Eingang der berühmten Privatschule des österreichischen Klosters Admont sind für die Pennäler die wichtigsten Tugenden für das spätere Leben eingelassen. In großen Lettern steht dort geschrieben: Aufmerksamkeit. Einer der diese Eigenschaft gar nicht lernen musste, sondern qua Geburt besaß, war Paul Sahner.

Der langjährige Chefreporter der führenden deutschen People-Zeitschrift „Bunte“ starb kurz vor seinem 71. Geburtsburg in Lanzing im Chiemgau an einen Herzinfarkt. Seit 1994 schrieb er für die Illustrierte aus dem Münchner Medienkonzern Burda. Bis zum Schluss war er unermüdlich. Zum Tod des österreichischen Sängers Udo Jürgens, den er über Jahrzehnte journalistisch begleitete, schrieb er die Biographie „Merci Udo!“. Mit dem Buchtitel sprach er Millionen von Menschen im deutschsprachigen Raum aus dem Herzen.

Sahner war ein König der Aufmerksamkeit. Die Fähigkeit, seinen prominenten Gesprächspartnern zuzuhören, dadurch ihr Vertrauen zu gewinnen und daraus für die Leserschaft das Wichtige zu destillieren, besaß der Chefreporter der „Bunten“ wie kein Zweiter im deutschen Glamourjournalismus.

Die Tugend und das Talent der Aufmerksamkeit verhalfen ihm auch zu seinem vielleicht größten journalistischen Erfolg: der Rücktritt des damaligen Verteidigungsminister Rudolf Scharping. Das launige Interview auf der Ferieninsel Mallorca im Sommer 2001 mit dem planschenden SPD-Politiker mit seiner neuen adeligen Liebe besaß angesichts des Einsatzes der Bundeswehr zur Friedenssicherung auf den Balkan eine derartige Sprengkraft, dass Scharping am Ende sein Amt verlor. Die Karriere des einstigen sozialdemokratischen Kanzlerkandidaten war mit dem „Bunte“-Gespräch auch gleich beendet.

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