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07.03.2016

07:31 Uhr

Der Medien-Kommissar

Pro Sieben Sat.1 im Börsenhimmel

VonHans-Peter Siebenhaar

Erstmals steigt ein Medienkonzern in den Dax auf. Die Entscheidung zeigt wie quicklebendig die immer wieder totgesagte Fernsehbranche tatsächlich ist. Pro Sieben Sat.1 kann sogar den Abgang einer Ikone leicht verkraften.

Mit einer Marktkapitalisierung von über zehn Milliarden Euro übertrifft der einst von Leo Kirch gegründete TV-Sendergruppe stolze Konzerne wie Thyssen-Krupp oder die Lufthansa. dpa

ProSiebenSat.1 in Unterföhring

Mit einer Marktkapitalisierung von über zehn Milliarden Euro übertrifft der einst von Leo Kirch gegründete TV-Sendergruppe stolze Konzerne wie Thyssen-Krupp oder die Lufthansa.

Thomas Ebeling ist am Ziel seiner Träume. Der selbstbewusste CEO hat den einst darnieder liegenden Fernsehkonzern Pro Sieben Sat.1 in den Dax gehievt. Ab 21. März wird die in Unterföhring bei München ansässige Sendergruppe dem deutschen Leitindex angehören. Damit spielt erstmals in der Geschichte des Dax ein klassisches Medienunternehmen in der Königsklasse von Siemens, Volkswagen und Allianz mit.

Mit der Aufnahme in den Dax wurde nicht nur Ebeling und seine Vorstandsmannschaft von der Börse ein imaginärer Lorbeerkranz geflochten. Der Aufstieg zeigt vielmehr wie quicklebendig die von manchen Internetauguren totgesagten klassischen Medienunternehmen tatsächlich sind. Mit einer Marktkapitalisierung von über zehn Milliarden Euro übertrifft die einst von Leo Kirch gegründete TV-Sendergruppe stolze Konzerne wie Thyssen-Krupp oder die Lufthansa.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Untergangsszenarien haben in Deutschland immer Hochkonjunktur. Wie oft sind schon Zeitungen oder Fernsehen totgesagt worden. Vielleicht hat deshalb das sehr lesenswerte Buch „Television is the new television. The unexpected triumph of old media in the digital age“ (Penguin, 2015) des amerikanischen Medienpolemikers Michael Wolff hierzulande so wenig beachtet worden. Darin seziert der New Yorker Autor an konkreten Beispielen, dass die sozialen Netzwerke und mobilen Plattformen nicht das neue Fernsehen sind. Vielmehr ist das alte Fernsehen auch das neue Fernsehen. Denn es lernt laufend digital dazu und erreicht mit seinen Inhalten auf allen Wegen seine Zielgruppen.

Ebelings Konzernstrategie ist sozusagen ein Lackmustest wie klassische Medienunternehmen vom digitalen Umbruch profitieren können. Geschickt hat der Niedersachse das Geschäft diversifiziert, also in die internationale Produktion investiert, das Kerngeschäft auf digitalen Plattformen gebracht, ein wachstumsstarkes Internetfirmen-Portfolio aufgebracht und sich als Venture-Unternehmen in der Start-up-Szene verankert. Sogar einen Abgang der Pro-Sieben-Ikone Stefan Raab kann der Konzern so leicht verkraften. Denn längst hat er mit neuen TV-Zugpferden in der jungen Zielgruppe wie Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf einen Ersatz aufgebaut.

Immer montags schreibt Handelsblatt-Korrespondent und Buchautor Hans-Peter Siebenhaar seine Sicht auf die Kommunikationswelt auf.

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