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29.08.2016

16:46 Uhr

Der Medien-Kommissar

RTL langweilt Investoren

VonHans-Peter Siebenhaar

Europas größter Fernsehkonzern RTL hat eine glänzende Halbjahresbilanz vorgelegt. Doch den Aktienkurs der Luxemburger beflügelt das solide Ergebnis nicht. Und das hat eine Vielzahl von Gründen.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Minutiös hatten sich Anke Schäferkordt und Guillaume de Posch auf die Präsentation ihrer durchaus glänzenden Halbjahresbilanz vorbereitet. Mit professioneller Routine trugen sie in der Telefonkonferenz die Highlights des größten Fernseh- und Radiokonzerns in Europa auf Englisch vor.

Weil der Sendergruppe bei der Fußball-Europameisterschaft im Juni Werbeerlöse verlorengingen, stieg der Umsatz in den ersten sechs Monaten nur um 3,2 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Doch der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) kletterte jedoch um 8,8 Prozent auf stolze 580 Millionen Euro. Das ist der beste Wert der langen Geschichte der RTL Group. „Seit sieben Jahren in Folge haben wir das Ebita der RTL Mediengruppe im ersten Halbjahr gesteigert“, jubelte Schäferkordt. Der Konzern bekräftigte seine Prognose von einem Umsatzwachstum für das laufende Jahr von bis zu fünf Prozent. Allerdings hob er das Wachstum des Betriebsergebnisses auf bis zu 2,5 Prozent an.

Als Konzernsprecher Oliver Fahlbusch schließlich die Fragerunde nach einer knappen halben Stunde eröffnete, meldete sich schlichtweg niemand – weder aus Deutschland noch aus Großbritannien oder Frankreich. So gering fiel das Interesse der Journalisten an der RTL Group noch nie aus.

Doch auch Investoren lassen den TV-Riesen links liegen. Vor drei Jahren kratzte die Aktie des im Luxemburger Europaviertel Kirchberg beheimateten Konzerns noch an der 100-Euro-Grenze. Derzeit sind es gerade mal rund 77 Euro. Auch das Handelsvolumen des RTL-Papiers ist im Vergleich zum Konkurrenten wie Pro Sieben Sat 1 überschaubar.

Das nachlassende Interesse hat drei Gründe. Erstens ist die RTL Group mit ihrem starken Schwerpunkt auf das werbefinanzierte Fernsehen kein Wert, der bei Investoren Phantasie auslöst. Auch wenn Schäferkordt geschickt einfließen lässt, dass sich die Erlöse der digitalen Geschäfte in den vergangenen zwei Jahren verdoppelt hätten, bleiben sie am Ende doch auf niedrigem Niveau. Im ersten Halbjahr waren es nicht einmal zehn Prozent des Umsatzes. Das ist für einen internationalen Fernsehkonzern unterdurchschnittlich.

Ein weiterer Grund für die Langweile bei den Investoren ist die Aktionärsstruktur. Mit seinen 75,1 Prozent kann Großaktionär Bertelsmann nach Belieben schalten und walten. Und das tun auch die Gütersloher, wenn es notwendig ist. Schäferkordt kündigte zusammen mit ihrem Co-CEO Guillaume de Posch auch brav eine vorgezogene Zwischendividende von einem Euro je Aktie an, die im 8. September ausgeschüttet wird.

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