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12.10.2015

15:44 Uhr

Der Medien-Kommissar

RTLs stiller Sieg über Viktor Orbán

VonHans-Peter Siebenhaar

Erstmals führt mit der konfliktfähigen Gabriella Vidus eine Ungarin den Budapester Sender. Die 40-jährige Werbemanagerin soll die Gewinne weiter steigern – und vor allem die Unabhängigkeit des Senders bewahren.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Ein Meister der leisen Töne im lauten Fernsehgeschäft ist Andreas Rudas. Der österreichische Auslandsvorstand der RTL Group mit ungarischen Wurzeln hat einen außergewöhnlichen Sieg über die Budapester Regierung unter ihrem rechtspopulistischen Premier Viktor Orbán errungen – ohne ihn öffentlich auszukosten. Ihm ist es mit großer Unterstützung des Mutterkonzerns Bertelsmann, der EU-Kommission in Brüssel und sogar von Bundeskanzlerin Angela Merkel gelungen, die umstrittene Steuer auf die TV-Werbeeinnahmen auf 5,3 Prozent zu drücken. Ursprünglich wollte Orbán den von ihm kritisch beäugten Unterhaltungssender mit einer Werbesteuer von 50 Prozent in den Schwitzkasten nehmen.

Es kommt nicht alle Tage vor, dass Orbán gerade bei einem ausländischen Investor Entscheidungen zurücknimmt. Doch RTL hat es geschafft. „Wir haben den Eindruck, dass wir von der Regierung als normaler Marktteilnehmer behandelt werden“, sagt der sportliche Manager mit zufriedenem Lächeln. Das ist natürlich eine Untertreibung: RTL hat sich in Ungarn mit seinem geschickten Vorgehen Respekt verschafft und damit für die bedrohte Medienfreiheit in diesem EU-Land Großes geleistet.

Schließlich ist RTL Klub – so der Name der ungarische Tochter – der letzte Sender, der unabhängig und kritisch über die umstrittene Flüchtlingspolitik oder Korruptions- und Finanzskandale berichtet. Das wird trotz des Entgegenkommens bei der Werbesteuer auch in Zukunft so bleiben. „An der redaktionellen Linie von RTL Ungarn, die auf Unabhängigkeit und Fairness setzt, wird sich nichts ändern“, beteuert Rudas, der fließend ungarisch spricht.

Eine Garantin dafür soll die neue RTL-Chefin Gabriella Vidus sein. Erstmals leitet eine Ungarin die Aktivitäten von RTL im Land der Magyaren. „RTL in Ungarn ist und bleibt ein unabhängiger Sender“, beteuert die Managerin in ihrem schlichten Büro am tristen Stadtrand von Budapest und ergänzt: „Wir haben unsere Nachrichten nicht als Waffe gegen die Werbesteuer eingesetzt.“ Ihre Aufgabe ist es, die Unabhängigkeit des Senders auch künftig zu garantieren, aber schnell die Geschäfte – insbesondere die digitalen – auszubauen und auch mehr Geld zu verdienen. „Eines meiner Ziele ist es, die Rendite von RTL in Ungarn weiter zu verbessern“, sagt Vidus in Budapest.

Kommentare (1)

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12.10.2015, 16:31 Uhr

Zitat Artikel: "Schließlich ist RTL Klub – so der Name der ungarische Tochter – der letzte Sender, der unabhängig und kritisch über die umstrittene Flüchtlingspolitik oder Korruptions- und Finanzskandale berichtet. "

Solch kritischen Medien wünschte man sich auch für Deutschland und seine völlig isolierte Zuwanderungspolitik und Politklüngel.

Stattdessen dominiert die links-grüne Lobby mittlerweile den Politik- und Medienbetrieb in diesem Lande, und das Gegen die Meinung des Volkes!

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