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01.12.2014

17:33 Uhr

Der Medien-Kommissar

Stühlerücken in Gütersloh

VonHans-Peter Siebenhaar

Bei Bertelsmann stirbt jeder für sich allein. Die Trennung von der Finanzchefin zeigt, wie kurz die Halbwertszeit von Führungskräften mittlerweile ist. Mit dem obersten Controller steht ein möglicher Nachfolger bereit.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Rauswurf von Bertelsmann-Finanzchefin Judith Hartmann war am Schluss keine Überraschung mehr. Die Österreicherin, die vorher beim allseits bewunderten amerikanischen Mischkonzern General Electric arbeitete, war seit langem angezählt.

Im eigenwilligen Familienunternehmen aus Ostwestfalen hat sich die Österreicherin nie richtig verwurzelt und als Vorstandsmitglied kein eigenes Profil entwickelt. Nun stand der Dreijahresvertrag von Hartmann im Aufsichtsrat unter Leitung von Christoph Mohn zur Verlängerung an. Statt einer weiteren Schonfrist geht die Finanzmanagerin nun vorzeitig – nach kaum mehr als zwei Jahren.

Die Personalie wirft ein Licht, wie schlecht es mittlerweile um den Zusammenhalt in der Führungsriege von Europas größtem Medienkonzern bestellt ist. Bei Bertelsmann stirbt eben jeder für sich allein. Konzernchef Thomas Rabe ist kein Menschenfänger. Dafür fehlt dem blitzgescheiten Finanzer nach Meinung von Weggefährten die notwendige Sensibilität und Ausstrahlung, vielleicht sogar das wahrhaftige Interesse an seiner Führungsriege.

Das fehlende Händchen für das Personal auf der Chefetage hatte bereits in er Vergangenheit Folgen. Ein Beispiel ist Thomas Hesse, der ehemalige Schulfreund aus gemeinsamen Jahren in Brüssel. Der frühere Sony-Manager musste als Strategie-Vorstand bereits nach weniger als zwei Jahren Ende 2013 seinen Hut nehmen.

Rabe hat heute keinen ernstzunehmenden Gegenspieler mehr im Vorstand. Das ist gefährlich. Denn eigentlich ist die Aufgabenteilung zwischen CEO und Finanzvorstand klar. Der eine stürmt los, der andere guckt auf die Finanzierbarkeit und tritt – wenn notwendig – auf die Bremse. Das war beim Duo Thomas Middelhoff und Gunter Thielen als CEOs und den langjährigen Finanzchef Siegfried Luther das bewährte Erfolgsrezept.

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