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14.12.2015

14:17 Uhr

Der Medien-Kommissar

Traumjob Intendant

VonHans-Peter Siebenhaar

Während bei der ARD reihenweise Intendanten das Handtuch werfen, ist in Österreich der ORF-Chefsessel heiß begeht. Alexander Wrabetz kämpft um seine dritte Amtszeit. Doch das Intrigenspiel hat erst begonnen.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Anfang nächsten Jahres wirft Helmut Reitze das Handtuch. Der Intendant des Hessischen Rundfunks (HR) startet ins neue Jahr als Rentner, auch wenn er sein Ziel eines ausgeglichenen Haushalts nicht erreicht hat. Offizielle Begründung für das vorzeitige Ausscheiden des Nordhessen: „Seit einiger Zeit spüre ich, dass meine Energie nicht mehr ausreicht, um mit voller Kraft mein Amt als Intendant auszufüllen“. Mit seinem Entschluss, der zerrissenen ARD den Rücken zu kehren, steht Reitze längst nicht allein dar.

Auch seine Intendantenkolleginnen Dagmar Reim vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) und Monika Piel vom Westdeutschen Rundfunk (WDR) gaben vor Ablauf ihrer Amtszeit auf. Beim RBB wird derzeit händeringend ein Nachfolger für Reim gesucht, die im Frühsommer ihren Schreibtisch räumt. Offizielle Begründung sind private oder gesundheitliche Gründe. Offenbar zehren die internen Machtkämpfe, die jahrlangen Grabenkriege auf der Chefebene und die administrative Erstarrung an den Nerven der Intendanten.

In Österreich hingegen ist der Intendantenberuf noch immer ein Traumjob. Denn Alexander Wrabetz, seit August 2006 bereits Chef des Österreichischen Rundfunks (ORF), denkt noch lange nicht ans Aufhören. Im Gegenteil, der Wiener Generaldirektor will um eine weitere Amtszeit kämpfen. Dann würde er mindestens bis zum Jahr 2021 die Rundfunkanstalt führen. „Der ORF ist eine bedeutende und faszinierende Aufgabe. Deshalb trete ich zur Wiederwahl an“, vertraute mir der Rundfunkmanager bei einem gemeinsamen Frühstück in einem Wiener Café an. Das ist keine Überraschung: Nach dem Bundeskanzler und den Bundespräsidenten gilt der ORF-Chefsessel als die einflussreichste Position in der Alpenrepublik. Seine offizielle Bewerbung um das Amt über das Handelsblatt kommt früh, denn erst Mitte nächsten Jahres wird vom Stiftungsrat, dem Aufsichtsgremium des ORF, darüber entschieden.

Doch Wrabetz, ein medienpolitischer Überlebenskünstler, steht unter Druck. Denn der Sozialdemokrat könnte auf einen konservativen Gegenkandidaten treffen. Im Hintergrund läuft sich Richard Grasl, kaufmännischer Direktor des ORF, bereits warm. Auch Wrabetz hatte vor seinem Wechsel diese mächtige Position. Grasl kann auf die Unterstützung der konservativen ÖVP zählen, die zusammen mit der SPÖ Österreich seit Jahren regiert.

Was den Traumjob Intendant so mühevoll macht, sind die politischen Abhängigkeiten. Denn der Anstaltschef ist sowohl in Deutschland als auch in Österreich ein Dienstleister der Parteien. Beim ORF ist die Lage besonders heikel und kompliziert: Die beiden politischen Lager, die sozialdemokratische SPÖ und die konservative ÖVP, befinden sich im Patt. Sie verfügen nach Insiderangaben über jeweils 14 der insgesamt 35 Stimmen im Aufsichtsgremium. Ob der 55-jährige Wrabetz wiedergewählt wird, hängt also am seidenen Faden.

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