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13.07.2015

15:38 Uhr

Der Medien-Kommissar

Unser „Spiegel“

VonHans-Peter Siebenhaar

Der „Spiegel“ sorgt mit seinem aktuellen Griechenland-Cover für Irritationen: Annäherung an einen seltsamen Zeitschriftentitel, der das Missverständnis zwischen Deutschland und Hellas verstärkt.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

In Brüssel und Luxemburg war vor Jahren ein T-Shirt der Renner, der die angeblichen Eigenschaften der jeweiligen EU-Mitgliedsnationen aufs Korn nahm. „Humorous like a German“ war auf dem tragbaren Souvenir zu lesen. Es war eine Anspielung auf den fehlenden oder auch peinlichen Humor der Deutschen, der uns im europäischen Ausland nachgesagt wird. Selbstironie ist ohnehin keine deutsche Tugend.

Das Klischee des Deutschen mit seinem brachialen Humor bestärkt der „Spiegel“ mit seinem jüngsten Titelbild unfreiwillig. Unter dem Titel „Unsere Griechen. Annährung an ein seltsames Volk“ wird ein dicker Grieche mit überdimensionalen Schnauzbart, das Ouzo-Gläschen in der linken Hand, Sirtaki-tanzend mit einem deutschen Touristen gezeigt, der die Geldbörse mit den 500- und 50-Euro-Scheinen fest an sich hält. Die Karikatur mit dem feiernden Griechen vor der Kulisse der Ägäis-Insel Santorin ist peinlich für ein Qualitätsmedium und verletzend für die Griechen.

Das Klischee des Deutschen mit seinem brachialen Humor bestärkt der „Spiegel“ mit seinem jüngsten Titelbild unfreiwillig.

Aktuelles Spiegel-Cover

Das Klischee des Deutschen mit seinem brachialen Humor bestärkt der „Spiegel“ mit seinem jüngsten Titelbild unfreiwillig.

Ein Nachrichtenmagazin, das in seiner „Hausmitteilung“ verspricht, sich mit der komplexen und umstrittenen Frage des Grexit aus unterschiedlichsten Perspektiven zu befassen, betreibt mit diesem Titelbild schlichtweg Irreführung. Denn es suggeriert auf demagogische Weise die Antwort: Der dumme Deutsche zahlt für tanzenden, alkoholisierten Griechen.

Chefredakteur Klaus Brinkbäumer bittet nach herber Kritik in den sozialen Netzwerken, sich die Karikatur genau anzusehen. Doch umso genauer man die Zeichnung betrachtet, umso deutlicher wird, dass es in der Hamburger Zentrale einen Humor gibt, der seine Pointen aus der Herabsetzung zieht. Der Grieche mit seinem tief aufgeknöpften Hemd, mit der überdimensionierten Nase und die Kippe im lachenden Mund gleicht einer Hassfigur. Warum spricht der „Spiegel“ von „unseren Griechen“? Haben wir Besitzansprüche an das südosteuropäische Land? Zuletzt gehörte „uns“ Griechenland im Zweiten Weltkrieg, als die Hakenkreuz-Fahne auf der Akropolis wehte.

Kommentare (8)

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Herr Jürgen Bertram

13.07.2015, 15:47 Uhr

wer liest noch den Spiegel?

Die meisten deutschen Print-Medien sind das Papier nicht wert, auf dem Sie gedruckt sind....

Herr Horst Meiller

13.07.2015, 15:52 Uhr

"Der dumme Deutsche zahlt für tanzenden, alkoholisierten Griechen."
Es kommt wirklich nicht oft vor, daß ich den Spiegel gut finde oder ihn gar verteidige, aber...... ((:

Herr Rudi S Stock

13.07.2015, 16:56 Uhr

Die einzig richtige Antwort kommt von der Titanic: titanic-magazin.de/fileadmin/content/Postkarten/150712_Spiegel.JPG

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