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23.12.2013

17:37 Uhr

Der Medien-Kommissar

Verschlüsselt ARD und ZDF!

VonHans-Peter Siebenhaar

Die vor einem Jahr eingeführte Haushaltsgebühr kann nur eine Zwischenlösung zu einem gerechteren System sein. Warum bieten die Öffentlich-Rechtlichen nicht verschiedene Pakete an, wie es der Bezahlsender Sky tut?

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Es ist wieder Weihnachten. Vor einem Jahr bescherten uns die für den Rundfunk zuständigen Bundesländer die Haushaltsgebühr. Seit Neujahr 2013 zahlen alle Bürger und Unternehmen für ARD, ZDF und Deutschlandradio, unabhängig ob die Angebote im Fernsehen, Radio oder Internet tatsächlich nützen. Ist das fair?

Wie ungerecht das neue Rundfunkgebührensystem ist, bewies erst vor wenigen Tagen die unabhängige Finanzkommission KEF mit ihrer Hiobsbotschaft. Sie bescheinigte ARD und ZDF, dass sie durch die Umstellung von der früheren Gerätegebühr auf die Haushaltgebühr in der laufenden Gebührenperiode über 1,1 Milliarden Euro mehr einnehmen. Dabei hatten die Anstalten seit mehr als einem Jahr gepredigt, die neue Rundfunkgebühr sei „aufkommensneutral“. Bürger und Unternehmen wurden über Monate hinweg getäuscht. Die nun von der KEF empfohlene Gebührensenkung von 73 Cent auf 17,25 Euro ist richtig und erfreulich. Doch sie führt nicht zwangsläufig zu mehr Gerechtigkeit.

Die Haushaltsgebühr, die alle Bürger und Unternehmen pauschal zur Kasse bietet, kann nur eine Zwischenstufe zu einer gerechteren Rundfunkfinanzierung sein. Die Akzeptanz der Gebühr und damit auch der Anstalten wird nur dann steigen, wenn endlich ein faires Modell der Finanzierung von ARD und ZDF gefunden wird.

Mein Vorschlag: Der Kunde kann zwischen verschiedenen Paketen wählen, beispielsweise ein Basispaket mit ARD, ZDF, regionalen Dritten und den jeweiligen regionalen Radiosender samt Internetangeboten. Gegen Aufpreis kann der Nutzer dann beispielsweise Phoenix, 3Sat, Arte oder Kika hinzubuchen. Wer alle 22 Sender und 67 Radios des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nutzen möchte, zahlt den vollen Preis von derzeit 17,98 Euro.

Technisch wären verschiedene Pakete ähnlich wie im privaten Bezahlfernsehen von Sky kein Problem. Im digitalen Zeitalter lassen sich Medienangebote von ARD und ZDF verschlüsseln. Wie das geht, zeigen die Österreicher. Wer beispielsweise den öffentlich-rechtlichen ORF in Deutschland empfangen möchte, schaut nämlich in die Röhre. Denn der öffentlich-rechtliche Rundfunk der Alpenrepublik verschlüsselt seit vielen Jahren hierzulande seine TV-Angebote. So vermeidet die rot-weiß-rote Anstalt eine Menge Probleme: zum einen können die Deutschen nicht gratis die österreichischen Programme nutzen, zum anderen werden dadurch urheberrechtliche Probleme vermieden.

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

23.12.2013, 17:48 Uhr

Sie haben Recht ! 5 GEZ-Sender finanziert vom Finanzminister reichen vollkommen zur staatlichen "Grundversorgung" aus.

Die anderen Programme mit Promies, Köche und co. sollen sich auf dem TV-Markt behaupten (oder versinken).

Fernseher

23.12.2013, 18:08 Uhr

Schöner Gedanke. Bei Ihrem Modell müssten sich ARD, ZDF, etc. auch endlich um Ihre Kunden bemühen und ihr Programm am Bedarf ausrichten. Aber genau das ist sicherlich nicht gewünscht. Die ÖR würden wohl, insbesondere zu Beginn, drastische Einbußen haben. Eigentlich nur korrekt, wenn es halt niemand hören/sehen möchte... aber, so denke ich, politisch nicht durchsetzbar. Interessant wäre auch, wie groß der Zulauf bei SKY und co. wäre, wenn private Haushalt plötzlich selbst entscheiden könnte, welchen Part der Senderlandschaft aktiv finanzieren...

Rechner

23.12.2013, 18:25 Uhr

Systemmedien abschaffen!

[...]

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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