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03.02.2014

14:37 Uhr

Der Medien-Kommissar

Vom Talkshow-Gast zum Talkshow-Thema

VonHans-Peter Siebenhaar

Die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer wird mit ihrem Steuerbetrug in der Schweiz widerwillig zum Medienthema. Das ist eine neue Erfahrung für die gewiefte Verlegerin, die sonst immer selbst über andere geurteilt hat .

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Selbstgerechtigkeit gehört zu den Tugenden der Frauenrechtlerin und Medienunternehmerin Alice Schwarz. Deshalb kommt der Verlegerin beim Bekenntnis zu ihrem jahrelangen Steuerbetrug in der Schweiz auch kein Wort der Entschuldigung über die Lippen. „Ja, ich hatte ein Konto in der Schweiz. Seit Jahrzehnten, genauer: seit den 1980er-Jahren. Und erst im vergangenen Jahr habe ich es bei meinem Finanzamt angezeigt“, schreibt die heute 71-jährige Herausgeberin der Frauenzeitschrift „Emma“ nüchtern. Rund 200.000 Euro hat Alice Schwarze mittlerweile an die deutschen Finanzbehörden für ihr Schweizer Konto nachgezahlt. Basta!

„Selbstverständlich hätte ich das Schweizer Konto dennoch von Anfang an beim deutschen Finanzamt angeben müssen, um die Zinsen zu versteuern. Doch ganz ehrlich: Auch mein persönliches Unrechtsbewusstsein hat sich an dem Punkt erst in den letzten Jahren geschärft“, bekennt die Medienunternehmerin auf ihrer eigenen Website, nachdem der „Spiegel“ ihren jahrzehntelangen Steuerbetrug öffentlich gemacht hatte. Das ist schon ein jämmerliches Eingeständnis für jemanden, der seit mehr als 40 Jahren in Deutschland als Zeitschriftenverlegerin unternehmerisch aktiv ist.

Doch Schwarzer wäre nicht Schwarzer, wenn sie ihr Schuldeingeständnis nicht gleich für einen Gegenangriff nutzen würde. Indirekt beschuldigt Alice Schwarzer den „Spiegel“, sich von ihren Feinden mit seiner Berichterstattung „illegal“ instrumentalisieren zu lassen. Sie fordert ein „Recht auf Privatsphäre“. Das ist für jemanden ungewöhnlich, der ansonsten in seinem jahrzehntelangen Tun gerne Tabus bricht und Privates zum Gegenstand des öffentlichen Disputs macht.

Die Wuppertalerin inszeniert sich als politisches Opfer. Schwarzer war immer geschickt darin, sich selbst zu vermarkten. Ausgerechnet die ehemalige Linke ließ sich von der CDU zur Wahl des Bundespräsidenten Joachim Gauck in die Bundesversammlung entsenden. Zu diesem Zeitpunkt muss ihr bereits klar gewesen sein, dass sie als Steuerbetrügerin Probleme mit diesem Staat bekommen würde, dessen Staatsoberhaupt sie mitbestimmen wollte.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

03.02.2014, 16:27 Uhr

Wasser predigen, WEIN SAUFEN. Widerlich ist das !

"Klaus Wowereit steckt in der Klemme: Sein Kulturstaatssekretär André Schmitz führte jahrelang ein Schwarzgeldkonto in der Schweiz. Berlins Bürgermeister wusste davon, schwieg aber. Schmitz soll im Amt bleiben, doch Parteichef Gabriel ist alarmiert. ..."

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/wowereits-kultur-staatssekretaer-schmitz-hatte-schwarzgeld-konto-a-950806.html

Der Berliner Party-König schweigt also auch bei Betrug. Abgründe tun sich da auf !!!

Frau Schwarzer regt sich auf, dass sich die Deutschen über ihren Betrug aufregen. Gehts noch ??

Promies und Politiker alle in einen Sack.

gesine.franke

04.02.2014, 12:44 Uhr

Wenn Frau Schwarzer Geld in der Schweiz hatte , war das SchwarzGeld ? Zur fraglichen Zeit , wurden in der Schweiz
fast keine , teilweise sogar NegativZinsen gezahlt . Also muss der angelegte Betrag enorm hoch gewesen sein .
Wie ist das Geld aus dem Verlag geflossen ?
Eine spannende Frage die noch zu klären ist .
Selbstanzeige - Nachzahlung = Alles ist Gut ?
Die Aufklärung fängt erst an .

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