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09.11.2015

14:04 Uhr

Der Medien-Kommissar

Vorbild für ARD und ZDF?

VonHans-Peter Siebenhaar

Die Deutsche Welle will die Altersbezüge von den Gehaltssteigerungen abkoppeln und stößt auf massivem Widerstand. Über den schwierigen Versuch, das opulente Rentensystem der Rundfunkanstalten zu reformieren.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Wie ein finanzieller Mühlstein hängt die opulente Altersversorgung dem öffentlich-rechtlichen Rundfunksystem um den Hals. Die Deutsche Welle ist keine Ausnahme. Ein Bespiel: Ein „erster Redakteur“ in der Gehaltsgruppe VG II/8 erhält ein monatliches Bruttogehalt von 7878,83 Euro monatlich. Nach 30 versorgungsfähigen Jahren erhält er heute 4925,31 Euro an monatlicher Rente.

Derartige Altverträge, die noch weit über 90 Prozent ausmachen, schnüren dem Auslandsrundfunk die Luft zum Atmen ab. Mittlerweile gibt die Deutsche Welle nach eigenen Angaben bereits 13 Prozent ihres mit Steuergeldern finanzierten Haushaltes für die Altersversorgung ihrer 1530 ehemaligen Mitarbeiter aus.

Daher ist kein Wunder, dass die Deutsche Welle nun die Kehrtwende anstrebt. Sie will die privilegierten Renten der Mitarbeiter an den öffentlichen Dienst angleichen und von den Gehaltsteigerungen künftig entkoppeln. „Wir wollen, dass die nach dem alten Versorgungssystem zugesagten Renten, die wesentlich höher liegen als die heutigen Rentenzusagen, jährlich nur ein Prozent steigen. Das aber verlässlich“, sagte mir Verwaltungschefin Barbara Massing. Die nach den Tarifverträgen gültige Altersversorgung für die 1530 Rentner der Welle bleiben unangetastet.

Die Deutsche Welle steht unter wirtschaftlichem Druck. Denn der von Intendant Peter Limbourg, früher Chefredakteur von Pro Sieben Sat. 1, geführte Sender ist auf die Steuermittel angewiesen. Von der Bundesregierung erhält der Auslandsrundfunk im kommenden Jahr 284 Millionen Euro. Davon fließen 36,7 Millionen Euro in die Rentenzahlungen.

Limbourg, ein politischer Kopf, ist sich des medienpolitischen Drucks zu verstärkten Sparanstrengungen bewusst. Deshalb will er mit der Deutschen Welle, die Teil des Tarifverbundes der ARD ist, mit gutem Beispiel vorangehen und alte Zöpfe abschneiden. „Wir werden von Steuergeldern finanziert und müssen uns selbstverständlich am öffentlichen Dienst orientieren“, sagt mir seine Verwaltungsdirektorin.

Kommentare (2)

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Herr stefan kinlel

09.11.2015, 14:16 Uhr

Die Zwangsbeglückung durch steuerbezahltes Staatsfernsehen ist mittelfristig ohnehin ein Auslaufmodell. Hier sind die EU und ihre Verordnungen ausnahmsweise mal ein Segen. Gespannt, wann der erste sich darauf bezieht und klagt.
Dann sind die selbstherrlichen Kommentare der Kleber und Slomka passe. Eine wohltuende Vorstellung.

Klaus Enderle

10.11.2015, 11:06 Uhr

Lieber Herr Siebenhaar,

dass Sie mal wieder einen Anlass finden, um die "Nimmersatten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk" zu verunglimpfen, ist Ihre Sache. Wenn Sie das tun, sollten allerdings Ihre Fakten stimmen. Dies ist nicht der Fall:

- "Erste Redakteure" - die höchste Vergütungsgruppe bei der DW in diesem Beruf - bekommen nicht 4925,31 Euro Betriebsrente und nur um die geht es. In dieser Summe ist natürlich die gesetzliche Rente eingeschlossen. Tatsächlich dürfte wohl nur eine handvoll Rentner auf diese Summe kommen.
- Diese "Altverträge" machen nicht weit über "90 Prozent der Rentner" aus. Vielmehr sind es knapp über 50 Prozent. Tendenz stark fallend, denn derartige Verträge werden seit 1994 nicht mehr abgeschlossen. Bereits 1994 hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk erhebliche Einschnitte bei der betrieblichen Altersversorgung vollzogen - lange bevor dies im Öffentlichen Dienst thematisiert wurde.
- Das durchschnittliche Rentenniveau der öffentlich-rechtlichen Anstalten entspricht exakt dem des Öffentlicen Dienstes. Dies ist durch ein aufwendiges Gutachten eines Instituts im Auftrag der Arbeitgeber belegt.

Sollten Sie weitere Fakten benötigen, welche Sie selbst nicht recherchieren können, sprechen Sie mich bitte an. Ich werde Ihnen gerne weiterhelfen.

Klaus Enderle, Vorsitzender Personalrat Berlin

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