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12.05.2014

06:13 Uhr

Der Medien-Kommissar

Wallraffs zweifelhaftes Verhältnis zu McDonald's

VonHans-Peter Siebenhaar

RTL fährt mit den Undercover-Reportagen des Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff Traumquoten ein. Doch wie unabhängig sind die Enthüllungen über die Fastfood-Kette Burger King wirklich?

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Er wurde mit der Carl-von-Ossietzky-Medaille prämiert, mit dem August-Bebel-Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Bereits seit Jahrzehnten ist kein Enthüllungsjournalist geachteter als Günter Wallraff – der Mann, der Deutschland einst lehrte, wie böse die „Bild“-Zeitung sein kann. Der 71-Jährige ist längst zu einer Ikone des investigativen Journalismus weit über die deutschen Grenzen hinaus avanciert.

In einem Alter, in denen sich andere Schriftsteller bereits Lorbeerkränze flechten, ist Wallraff noch immer unermüdlich unterwegs. Einer der es nicht lassen kann, Missstände in der Wirtschaft aufzuklären. Eines seiner jüngsten Ziele: die Fast-Food-Kette Burger King.

Für seinen Auftraggeber RTL ist das „Team Wallraff – Reporter Undercover“ ein Glücksgriff. Mit den Undercover-Recherchen wie bei der Hamburger-Kette poliert die Fernsehtochter des Medienkonzerns nicht nur ihr Image auf, sondern erzielt Traumquoten. Knapp 3,8 Millionen Zuschauer verfolgten die Burger-King-Episode. In der Woche darauf waren es bei den Recherchen über Pflegeheimen sogar 4,4 Millionen.

Besonders bitter für die betroffenen Firmen: vor allem junge Zuschauer verfolgen die TV-Reportagen. Das hat Folgen – und zwar ökonomische. Burger King erlitt Dank Wallraff und RTL tatsächlich Umsatzeinbußen, wie der Deutschland-Chef Andreas Bork öffentlich zugeben musste.

Die wertvollsten Fast-Food-Marken

Methodik

Einmal jährlich berechnet das US-Marktforschungsinstitut Millward Brown den Markenwert der wertvollsten Fast-Food-Ketten der Welt. Handelsblatt Online zeigt, welche Marken besonders gut abschneiden. (Stand: Mai 2013)

Platz 10

Taco Bell - Markenwert: 1,99 Milliarden Dollar

Die berühmte Burrito-Kette verkauft ihre mexikanischen Spezialitäten vor allem in den USA. Zwei Millionen Kunden und 5800 Filialen machen die Möchtegern-Mexikaner zu dem Umsatztreibern des Fast-Food-Riesens Yum!-Brands.

Platz 9

Burger King - Markenwert: 2,44 Milliarden Dollar

Was die Größe betrifft sind die Erfinder des Whoppers der größte McDonalds-Konkurrent. Beim Markenwert spielt die Burgerkette trotz 12.700 Filialen in 73 Ländern weltweit aber in einer anderen Liga.

Platz 8

Panera - Markenwert: 3,03 Milliarden Dollar

Die Backshop-Kette ist neu in den Top 10. Dort gibt es Brötchen, aber auch kleine Speisen wie Suppen. Die Kette hat mehr als 1700 Filialen in den USA und Kanada.

Platz 7

Tim Hortons - Markenwert: 3,38 Milliarden Dollar

Durch rasantes Wachstum hat die kanadische Kette in ihrem Heimatland sogar McDonald's überholt. In den 3300 Filialen werden besonders Kaffee und Donuts verkauft.

Platz 6

Chipotle - Markenwert: 4,97 Milliarden Dollar

Burritos und Tacos sind die Klassiker bei der US-Kette, die mexikanisches Essen serviert. Das Unternehmen wurde vor 20 Jahren gegründet und gehörte zwischendurch ein paar Jahre zu McDonald's.

Platz 5

Pizza Hut - Markenwert: 6,01 Milliarden Dollar

Die 12.000 Filialen der weltgrößten Pizzakette gehören ebenfalls zum Yum!-Imperium. Statt mit der klassischen italienischen Pizza feiert die Kette vor allem mit Pan-Pizzen Erfolge, die in der Pfanne serviert werden.

Platz 4

Kentucky Fried Chicken (KFC) - Markenwert: 9,95 Milliarden Dollar

Noch heute lächelt KFC-Gründer Colonel Harland Sanders von jedem Eimer mit Hähnchenflügeln, der über die Ladentheke geht. Die Kette, die ebenfalls zu Yum! gehört, steht seit mehreren Jahren in der Kritik von Tierschützern.

Platz 3

Subway - Markenwert: 16,69 Milliarden Dollar

Während Subway in den USA als beliebter Franchisepartner gilt, gingen der Sandwich-Kette in Deutschland reihenweise die Franchisenehmer von der Stange. Im Markenwert werden die US-Brötchengeber aber nur von zwei Konzernen geschlagen.

Platz 2

Starbucks - Markenwert: 17,89 Milliarden Dollar

Die Zeit des rasanten Wachstums ist vorbei. Die US-Kaffeekette wächst, aber die Wirtschaftskrise hinterlässt ihre Spuren in der Bilanz. Im Markenwert ist trotzdem keine Kaffeekette besser – und Starbucks hat im Vorjahresvergleich stark zugelegt.

Platz 1

McDonald's - Markenwert: 90,26 Milliarden Dollar

Das goldene M, Heimat von Big Mac und Chicken McNuggets, ist beim Markenwert einsam an der Spitze. Mit 34.000 Filialen in 118 Ländern gibt es kaum einen Winkel der Welt, in dem der Fast-Food-Riese nicht aktiv ist.

„Das gastronomische, gesundheitsgefährdende und Mitarbeiter ausbeutende ‚Böse‘ in Deutschland hat einen Namen: Burger King. Dem Enthüllerkönig Günter Wallraff und RTL sei Dank für ihre erneute objektive und investigative Aufklärungsarbeit“, schrieb kürzlich ein enthusiastischer Leserbriefschreiber an die „Welt“. Doch ist der Enthüllungsjournalismus so objektiv? Gibt es einen Wallraff, der gar vom Geldsegen  eines Burger-King- Konkurrenten profitiert?

Die Recherchen des „Spiegel“ skizzieren einen anderen Wallraff abseits vom altruistischen Investigativ-Reporter von RTL. Demnach arbeitete Wallraff vor ein paar Jahren offenbar mit McDonald’s zusammen. Er ist laut „Spiegel“ bei einem internen Meeting des Konzerns aufgetreten. Die Gegenleistungen: 5000 Euro für seine Stiftung. Außerdem hätte er bei Mitarbeiterbefragungen geholfen und sich für ein internes Schulungsvideo zur Verfügung gestellt.

Auch mit der McDonald’s Agentur Burson-Marsteller sei er verbandelt gewesen. Laut „Spiegel“ erhielt er 3000 Euro für seine Stiftung: Seine Leistung: er sprach für die Agentur in Frankfurt über „PR und investigativen Journalismus“.

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