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02.10.2017

13:58 Uhr

Der Medien-Kommissar

Warum ARD und ZDF fusionieren sollten

VonHans-Peter Siebenhaar

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk verspricht zu sparen, allerdings nur ein bisschen. Die Politik ist gefordert, das anachronistische System zu reformieren – und ARD und ZDF mittelfristig zusammen zu legen.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Das Ritual ist bekannt. ARD und ZDF legen Sparvorschläge vor, die Länder korrigieren ein wenig und winken schließlich die Ideen unter Applaus durch. Nun hat das Tandem seine neuen Ideen dargelegt, wie es zwischen 2018 und 2021 wirtschaften will. Bei den Vorschlägen kommen kumuliert scheinbar imposante Zahlen zustande. Das ZDF verspricht seine Kosten innerhalb von sieben Jahren um 270 Millionen Euro zu senken. Die sehr viel größere ARD will sogar im gleichen Zeitraum die Kosten um 951 Millionen Euro drücken.

Doch die Zahlen, die auf den ersten Blick wie große Einschnitte aussehen, sind tatsächlich nur Korrekturen kosmetischer Art. Denn im gleichen Zeitraum liefert der Gebührenzahler geschätzte sage und schreibe 56 Milliarden Euro an Rundfunkgebühren ab. Seit der Einführung der Haushaltsgebühr im Jahre 2013 müssen schließlich alle zahlen, ganz egal ob sie die Angebote im Fernsehen, Internet oder Radio überhaupt nutzen. Das spült jährlich rund acht Milliarden Euro in die Kassen von ARD, ZDF und Deutschlandradio. Derzeit werden 17,50 Euro pro Haushalt fällig, um das opulente System von TV-Kanälen, Hörfunksendern und Websites zu finanzieren.

Der scheidenden ARD-Vorsitzenden Karola Wille und ihrem ZDF-Kollegen Thomas Bellut ist kein Vorwurf zu machen, dass sie mit ihren Sparvorschlägen der Politik ein wenig Sand in die Augen zu streuen. Das Duo versucht das Beste für seine jeweilige Mannschaft herauszuholen. So gehört es sich für gute und loyale Chefs.

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Mit ihren Vorschlägen erfüllen Wille und Bellut ohnehin nur die gesetzlichen Bestimmungen. Die Intendanten machen den laut Verfassung für den Rundfunk zuständigen Ländern nur Vorschläge. Mehr aber auch nicht. Die politische Verantwortung tragen die Ministerpräsidenten ganz allein. Und genau das ist das Problem. Die Länder müssen endlich den politischen Mut aufbringen, das verkrustetes und ineffektive Rundfunksystem zu reformieren. Die öffentlich-rechtlichen Sender brauchen ein neues Konzept, um dem veränderten Nutzerverhalten und den gesellschaftlichen Erwartungen Rechnung zu tragen.

Im digitalen Zeitalter braucht niemand mehr eine mediale Grundversorgung durch staatsnahe Rundfunkanstalten mit einem beamtenähnlichen Pensionssystem. Noch nie zuvor konnten sich die Bürger, egal ob Text, Zahlen, Foto oder Videos, so umfassend informieren, wie heute. Dass ein solches Angebot, die Menschen nicht schlauer macht, steht auf einem anderen Blatt.

Kommentare (11)

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Herr Holger Narrog

02.10.2017, 14:30 Uhr

Eine grössere Reform der Staatsmedien ist unrealistisch solange das jetzige Politiksystem herrscht.

Das Politiksystem und die staatlichen Medien sind engstens verflochten. Die Staatsmedien gäbe es nicht ohne die Protektion der Politiker und die Politiker wären vermutlich nicht mehr an der Macht wenn es die staatlichen Medien nicht mehr gäbe.

Meine persönliche Vermutung geht eher dahin dass die staatlichen Medien "weiterentwickelt" werden und versuchen das Internet gleichfalls zu kontrollieren um damit der politischen Opposition jegliche Medienpräsenz zu nehmen.

Frau Edelgard Kah

02.10.2017, 16:20 Uhr

Sehr geehrter Herr Siebenhaar,

ich habe nichts gegen Sparvorschläge. Im Gegenteil. Aber von Ihnen kommt nicht die kleinste Idee.

Ihre Vorstellung: Einfach nicht mehr senden. Eine Anstalt macht dicht. Warum gehen Sie nicht einen Schritt weiter? Wie wäre es, wenn beide Anstalten dicht machen? Oder vielleicht ihre Sendezeit auf 1 Stunde täglich beschränken? Oder nur Frösche quaken lassen?

Herr Hans Send

02.10.2017, 16:25 Uhr

Wer schaut denn heute noch in die" Röhre"? Es ist der Bürger, der ausgesaugt wird bis er keinen Tropfen Blut , sprich Cent, mehr hergibt. Dieser Anachronismus gehört längst auf den Misthaufen des letzten Jahrtausends. Aber seit es uns allen in Deutschland, speziell unter Merkel so gut geht, hält jeder das Maul. Deshalb wird nun auch in Berlin alles daran gesetzt, dass nicht noch einmal gewählt werden muss, denn diese Wahl würde das "Pack" mit seinen Protagonisten ein weiteres Mal stärken. Laut Sarasin soll das Potential der AFD an die 30 (sprich dreissig !) Prozent sein.

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