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01.06.2015

17:15 Uhr

Der Medien-Kommissar

Warum finanzieren ARD und ZDF das Fifa-System?

VonHans-Peter Siebenhaar

Die Rundfunkgebühren aus Deutschland finanzieren das offenbar korrupte System des Weltfußballverbandes. Doch die Anstalten wollen aus ihrer Mitverantwortung keine Konsequenzen ziehen.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

WienWenn Günther Jauch im Ersten zur Diskussion über die schweren Korruptionsvorwürfe gegen die Fifa einlädt, darf die Eigendarstellung der ARD als investigativer, unabhängiger Sender im Kampf für eine bessere Fußballwelt nicht fehlen. Tatsächlich haben die Reporter des Ersten Beachtliches geleistet, um die unmenschlichen Arbeitsbedingungen von ausländischen Bauarbeiten in Katar aufzuklären. Der Golfstaat wurde von der Fifa zum Austragungsort der Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2022 gewählt.

Was jedoch Jauch und auch die ARD in der Talksendung unter den Tisch fallen lassen: Das öffentlich-rechtliche Fernsehen ist einer der Hauptfinanziers der Fifa. Die Hunderte von Millionen Euro an deutschen Rundfunkgebühren halten seit vielen Jahren das korrupte System unter der Ägide von Fifa-Präsidenten Joseph Blatter am Leben.

Sowohl für die Fußball-WM in Russland im Jahr 2018 und auch vier Jahre später in Katar haben ARD und ZDF einen dreistelligen Millionenbetrag auf das Konto der Fifa in Zürich überwiesen. Insider gehen davon aus, dass die Fernsehrechte an der Fußball-WM an die 200 Millionen kosten. Genaue Zahlen verraten weder ARD und ZDF, schon gar nicht die Fifa. Dabei gibt es ein Recht der zahlenden Bürger und Unternehmen zu erfahren, wohin ihre per Zwangsabgabe gezahlten Gebühren hinfließen. Doch das ist den Granden der Rundfunkanstalten schon immer egal gewesen.

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Angesichts des größten Fifa-Korruptionsskandals in der Geschichte des steuerfreien Verbandes ist es dringend an der Zeit, dass ARD und ZDF die Zusammenarbeit mit der offenbar immer tiefer in illegalen Aktivitäten verstrickten Organisation gründlich zu überdenken. So lange der Weltfußballverband unter dem gerade wieder gewählten Patron Joseph Blatter keine fundamentalen Reformanstrengungen macht, kommen die Vertragspartner nicht herum, über ernste Konsequenzen nachzudenken.

Das Beste wäre es, der Fifa den Geldhahn zuzudrehen. Ohne die Millionen von ARD und ZDF kommt der Weltfußballverband nämlich mächtig unter Druck. Schließlich finanziert sich die Fifa knapp zur Hälfte aus dem Verkauf von Fernsehrechten bei Fußball-Weltmeisterschaften. Gerade vor dem Anspruch des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit Unabhängigkeit und Unbestechlichkeit würde eine solche Waffe gegen das selbstherrliche System des ewigen Präsidenten Blatter medienpolitisch Sinn machen.

Kommentare (5)

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Herr Manfred Zimmer

01.06.2015, 18:05 Uhr

Man kann es einfach zusammenfassen:

ARD und ZDF leben mit und von dem System.

Herr Horst Meiller

01.06.2015, 18:11 Uhr

Pa.rasitäre korrupte Strukturen unterstützen sich eben gegenseitig.

Herr Klaus Hartmann

01.06.2015, 18:18 Uhr

Warum finanzieren ARD und ZDF das Fifa-System ? - Diese Frage beschäftigt mich schon lange, da ich als inländischer Bürger auch von der "Zangsabgabe" Rundfunk-
und Fernseh-Gebühr betroffen bin. Die Grundlage der öffentlich-rechtlichen Anstalten, Bürger zeitnah und umfassend zu informieren, ist für mich ein wesentliches Element unserer Demokratie und daran möchte ich nicht "rütteln"! - Was ist aber mit dem so-
genannten "Unterhaltungssektor" ? - In diesem Fall die Fifa ? - Es müsste umgekehrt sein: Unsere Rundfunkanstalten erhalten Werbeprämien von der Fifa, da sie ja aus Stadien und sonstigen Plätzen der Welt viele Bilder in die Wohnzimmer übertragen auf denen die Sponsoren ihre Produkte darstellen! -

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