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26.10.2015

18:33 Uhr

Der Medien-Kommissar

Wie verführt uns Google?

VonHans-Peter Siebenhaar

Mit einer raffinierten PR-Strategie verhindert der mächtigste Konzern der Welt den wahren Blick hinter die Kulissen des Daten-Molochs.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Vertrauen ist gut, Misstrauen noch besser. Das gilt besonders bei der Nutzung der Produkte des mächtigsten Konzerns der Welt. Mal wieder fordert einen die weltgrößte Suchmaschine auf, den veränderten Datenschutzbedingungen kurzerhand zuzustimmen, wenn man weiterhin den Browser komplett nutzen möchte. Wer sich nun die Mühe macht, die Datenschutzerklärung des Internetgiganten auszudrucken oder sorgfältig durchzulesen, wird unfreiwillig misstrauisch. Denn mit wenigen Blicken wird offenbar, wie Google aus uns allen gläserne Nutzer macht – ohne dass wir eine wirkliche Chance hätten, dem System zu entkommen.

Um zahlreiche Google-Dienste zu nutzen, muss der Mensch erst einmal seinen Namen, E-Mail-Account, Telefon und Kreditkarte hinterlegen. Auch ohne ein eigenes Konto erfährt Google quasi jede digitale Zuckung, welche Inhalte angesehen werden, welche Werbung genutzt, wie wir im Netz interagieren. Sogar unsere Hardware, das Betriebssystem, die Gerätekennung, das Mobilfunknetz und die Nummer werden ständig erfasst. Wo wir uns genau aufhalten, lässt sich ohnehin über IP-Adressen, Wlan, Mobilfunkmasten oder GPS auf den Meter genau ermitteln. Darüber hinaus können persönliche Daten aus einem Dienst mit anderen Informationen aus anderen Google-Diensten verknüpft werden. Privat und selbstbestimmt war gestern.

Einen wahrhaftigen Schutz vor dem kompletten Ausleuchten der eigenen Berufs- und Privatsphäre gibt es nicht. Denn sollte der Nutzer Datenspione wie Cookies verhindern und effektive Datenschutzeinstellungen nutzen, wird er von Google ausgesperrt. „Bedenken Sie jedoch, dass viele unsere Dienste möglicherweise nicht ordnungsgemäß funktionieren“, warnt Google in seiner Datenschutzerklärung. Eine überaus wirkungsvolle Waffe für einen Quasi-Monopolisten.

Was will Google von uns? Die Antwort liegt erst einmal auf der Hand: Daten, Daten, Daten, um noch mehr Werbung zu verkaufen. Doch was sind die weiteren Motive? Wie sieht die Zusammenarbeit mit den kommerziellen Kunden von Google aus? Welche Zugeständnisse macht der Konzern an die Geheimdienste? Welche ökonomischen und politischen Ziele verfolgt der Konzern in Wahrheit?

Vor diesem Hintergrund kommt das Buch „Was Google wirklich will“ (DVA, 19,99 Euro) des Silicon-Valley-Korrespondenten Thomas Schulz wie gerufen. Der frühere Medienjournalist berichtet seit drei Jahren für den „Spiegel“ aus San Francisco. Was Schulz an Informationen zusammengetragen ist, verlangt Respekt ab. Minuziös beschreibt er, an welchen Innovationen der Internetgigant arbeitet: selbstfahrende Autos, künstliche Intelligenz – schlicht am Betriebssystem einer neuen digitalen Welt. Faszinierend, innovativ und auch großartig.

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