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23.11.2015

06:19 Uhr

Der Medien-Kommissar

Zero Points für die ARD

VonHans-Peter Siebenhaar

Xavier Naidoo darf doch nicht zum Eurovision Song Contest. Aber blamiert hat sich nicht der Musiker, sondern die Rundfunkanstalt. Dabei gibt es einen Ausweg: Den Ausstieg aus dem Schlagerwettbewerb.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Mut ist, falsche Entscheidungen schnell zu korrigieren. Die Entscheidung des NDR, den Musiker Xavier Naidoo doch nicht zum Eurovision Song Contest (ESC) wegen seines angeblichen politischen Rechtsdralls zu entsenden, gebührt erst einmal Respekt. Der umstrittene Sänger wäre auf der europäischen Bühne zweifellos kein angemessener musikalischer Botschafter für Deutschland gewesen. Doch offenbar hat sich NDR-Unterhaltungschefs Thomas Schreiber nicht ganz freiwillig umentschieden. Denn innerhalb der ARD war der Druck auf die Hamburger Rundfunkanstalt gewaltig gewachsen. Hinzu kommt, dass Politiker der im NDR-Rundfunkrat vertretenen Parteien an der kontroversen Entscheidung aus Hamburg Kritik geübt hatten. So etwas hat im öffentlich-rechtlichen Rundfunk immer großes Gewicht.

Der NDR hat zwei Kardinalfehler begangen. Obwohl die Bürger und Unternehmen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk jährlich mit über acht Milliarden Euro allein an Gebühren finanzieren, haben sie bei der Nominierung des ESC-Kandidaten keine Mitsprachemöglichkeiten. Denn einen Vorentscheid hatte der NDR gar nicht vorgesehen. Mitbestimmung des Zuschauers gibt es nicht. Außerdem hat der NDR seine (Fehl-)Entscheidung ohne größere Rücksprache mit anderen ARD-Granden gefällt. Das wäre vielleicht sinnvoll gewesen, denn so hätte sich die Blamage für das Gebührenfernsehen verhindern lassen.

ESC: Wie die ARD mit Naidoo plante

Song

Mit welchem Song er am 14. Mai 2016 in Stockholm auf der Bühne steht, entscheiden die Zuschauerinnen und Zuschauer in der Show „Unser Song für Xavier“ am Donnerstag, 18. Februar 2016, um 20.15 Uhr live im Ersten.

Quelle: Informationen vom 19. November 2015

Vorschläge

Einige der renommiertesten deutschen Komponisten und Produzenten werden von Xavier Naidoo und dem deutschen ESC-Team um Song-Vorschläge gebeten. Sechs Lieder schaffen es in die Show. Wenn sie am Ende des Jahres feststehen, werden Film- und Kunsthochschulen aus Deutschland aufgerufen, Inszenierungsideen für die Performance der einzelnen Lieder einzubringen.

Zeitplan

Am 15. Dezember 2015 entscheidet unter Beteiligung von Xavier Naidoo eine Jury aus Musik- und Kompositionsexperten, welche sechs Songs er dem Fernsehpublikum beim deutschen Vorentscheid am 18. Februar 2016 im Ersten präsentiert.

Regeln

Für die Kompositionen gelten die ESC-Regeln: So dürfen die Lieder maximal drei Minuten lang und erst nach dem 1. September 2015 veröffentlicht worden sein. Der Künstler muss live singen. Eine Vorgabe für die Sprache gibt es nicht – Xavier Naidoo könnte ebenso mit einem deutsch- wie z. B. einem englischsprachigen Lied antreten.

Was der Künstler meint

„Ich verspreche, so schön und so gut zu singen wie noch nie in meinem Leben. Ich will in den drei Minuten auf der Bühne zeigen, dass wir auch in Deutschland Musik mit Leidenschaft machen. Und zeigen, wofür ich stehe – für Liebe, Freiheit, Toleranz und Miteinander.“

Karriere

Xavier Naidoo prägt die deutsche Popmusik seit zwei Jahrzehnten wie kaum ein anderer Künstler. Seine Alben wurden in Deutschland millionenfach verkauft, standen wochenlang an der Spitze der Charts und sind durchweg mit Platin oder Gold ausgezeichnet. Auch in Österreich und der Schweiz sind sie äußerst erfolgreich.

Erfolge

Mit „Dieser Weg“ lieferte Xavier Naidoo 2006 den Soundtrack zum Fußball-Sommermärchen. Den ECHO bekam er bisher sechs Mal, zuletzt in diesem Jahr. Auch den Comet, die Goldene Kamera oder den Deutschen Fernsehpreis erhielt er gleich mehrmals – diesen u. a. 2014 für die TV-Show „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“.

Tournee

Derzeit ist Naidoo mit den Söhnen Mannheims anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Band auf Tour. Im vergangenen Sommer füllte er als Solokünstler die Open-Air-Stadien der Republik.

Engagement

Gesellschaftlich engagiert sich Xavier Naidoo seit vielen Jahren mit dem Verein „Aufwind-Mannheim e.V.“ für sozial benachteiligte Kinder. Er unterstützt regelmäßig zahlreiche soziale Projekte für Menschen in Not, Organisationen wie Amnesty International und Initiativen gegen Diskriminierung, Rassismus und Fremdenhass wie Rock gegen Rechts.

Was die ARD meint

Thomas Schreiber, ARD-Unterhaltungskoordinator: „Xavier Naidoo ist ein Ausnahmekünstler, der seit knapp 20 Jahren seinen Platz im deutschen Musikleben hat. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, ihn direkt zu nominieren.“ Nur kurz danach zog der Sender seine Nominierung zurück - wegen starker Kritik an dem Sänger.

Die Posse um den ohnehin wenig populären Eurovision Song Contest löst nun in der ARD einen Machtkampf aus. Volker Herres, Programmdirektor des Ersten und früher selbst NDR-Fernsehchef, macht aus seinem Herzen mittlerweile keine Mördergrube mehr. Für seine Verhältnisse überraschend offen kritisierte er in der „Welt am Sonntag“ das Vorgehen seines früheren Arbeitgebers. Die ARD hätte vorher intern diskutieren müssen, ob Naidoo sich „für eine Teilnahme am ESC disqualifiziert“ habe. Welche Meinung der langjährige ARD-Programmchef in München zu dem Mannheimer hat, teilte er auf diesem Weg auch gleich mit: „Xavier Naidoo hat mehrfach Äußerungen getätigt, die man nicht gutheißen kann und missbilligen muss.“

Kommentare (5)

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Matt Anderson

23.11.2015, 08:01 Uhr

Ich habe das Ganze irgendwie nicht mitbekommen. Ich meine, dieser ESC ist ja ohnehin nur eine Unterschichten-Belustigungsshow. Intelligente Menschen lassen sich von sowas nicht einfangen. Aber worum geht es bei diesem Herrn Naidoo? Ist er straffällig geworden? Hat er jemanden vergewaltigt oder umgebracht? Ist er wegen irgendeiner Straftat verurteilt worden? Erkläre mir mal bitte einer, warum dieser Unterschichten-Belustiger die Unterschicht nicht belustigen darf?

Herr Alex Lehmann

23.11.2015, 09:17 Uhr

Ist ein Nazi! Er kennt unser Grundgesetz sowie die 2+4-Verträge und Besatzungsverträge und hat folgerichtig festgestellt, dass wir noch besetzt sind bzw. nicht voll souverän. Dann hat man bei dem die Nazikeule/Rechtenkeule ausgepackt. Bin echt kein Rassist, aber schaut Ihn doch an mit seinen südafrikanischen Wurzeln, er ist kein Nazi sondern einfach nur ein logisch denkender Mensch, der aufgrund seiner dunklen Hautfarbe sogar gehänselt wurde! Und sowas kann heute gefährlich werden! Lol, die Eliten müssen echt am Boden sein, wenns schon soweit ist. Wann kommt der Absturz dieser? Morgen oder Übermorgen? *kleines Spässele

Herr Walter Schimpf

23.11.2015, 09:45 Uhr

Der Naidoo ist aber sowas von einem pösen, pösen Dunkel-Mensch-Dunkel-Deutschland Ober-Nazi, schlimmer geht es schon gar nicht mehr.....! Die ARD/NDR-Rundfunk-Kommissare haben daher vollkommen richtig entschieden...!

Also, ich wenn dieser Naidoo wäre, ich würde diesem faschistoiden, geisteskranken Land Deutschland so rasch als möglich den Rücken kehren.

Der Mann ist gut, der macht wo anders genauso Karriere.!

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