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03.12.2012

11:14 Uhr

Der traurige Geburtstag der SMS

Herzlichen Glückwunsch :-(

VonChristof Kerkmann

Die SMS wird 20 – und bereitet der Mobilfunk-Branche Kummer: Die Umsätze sinken, Chat-Dienste wie WhatsApp machen ihr Konkurrenz. Vodafone und Telekom haben eine eigene Alternative, doch die kämpft mit Problemen.

Der SMS-Nachfolger Joyn soll bald auf allen Smartphones laufen – ob Apple- oder Android-Gerät.

Der SMS-Nachfolger Joyn soll bald auf allen Smartphones laufen – ob Apple- oder Android-Gerät.

Wer eines der größten Probleme der Mobilfunk-Branche auf den Punkt bringen will, braucht dafür nur ein Schlagwort: WhatsApp. Millionen von Nutzern tauschen über den Dienst Nachrichten, Fotos und Videos aus – für weniger als ein Euro pro Jahr. Zehn Milliarden Nachrichten liefert das Startup inzwischen pro Tag aus, wie es im August stolz per Twitter mitteilte.

Vodafone, Telekom und Co geht durch die Konkurrenz ein lukratives Geschäft verloren. Mit dem multimedialen SMS-Nachfolger Joyn wollen sie sich wehren. Doch der neue Kommunikationsdienst kommt nur langsam in die Gänge. Zu langsam, um die Konkurrenz abzuwehren?

Auf den ersten Blick sieht die Lage für die Mobilfunkanbieter gar nicht so bedrohlich aus. Denn die Deutschen verschicken so viele SMS wie noch nie, nach einer Schätzung des IT-Branchenverbandes Bitkom werden es in diesem Jahr voraussichtlich 58 Milliarden Kurznachrichten sein. Das sind im Schnitt zwei pro Tag und Person. Zum Vergleich: 1999 waren es lediglich 44 SMS im ganzen Jahr. Doch das rapide Wachstum trügt.

Denn dank Pauschaltarifen zahlen die Nutzer immer weniger für den Textversand. Das macht sich in der Bilanz bemerkbar: 2009 trugen SMS und MMS laut Branchenverband Bitkom noch mehr als 50 Prozent zum Umsatz mit mobilen Datendiensten der deutschen Mobilfunker bei, in diesem Jahr werden es wohl nur noch 37 Prozent sein, wie der Bitkom schätzt. Das sind immer noch Milliarden-Summen. Aber die Cashcow SMS magert ab.

SMS-Abkürzungen

4U

Abkürzung für “For you” – für Dich. Ähnlich funktioniert „4ever“ (für immer).

AFAIK

„As far as I know“ – so weit ich weiß.

ASAP

„As soon as possible“ – so bald wie möglich.

BB

Bis bald.

FYI

„For your information“ – zu Deiner Information.

*g*

Ersatz für den Smiley: Das g steht für Grinsen.

HADULUAUEIBI?

Es soll Menschen geben, die damit tatsächlich die Frage „Hast du Lust auf ein Bier?“ abkürzen.

HDGDL

Abkürzung für „Hab' dich ganz doll lieb“

mom

Einen Moment

N8

Der Buchstabe N und die Zahl acht ergeben die Abkürzung für „Nacht“ oder „gute Nacht“

OMG

Oh mein Gott – Ausruf des Erstaunens

ROFL

Rolling on floor, laughing – ich liege lachend auf dem Boden

WTF?

What the fuck – jugendfrei übersetzt: Was soll das?

XOXO

Hugs and kisses – das O steht für Umarmung, das X für Kuss.

Weitere Einbußen drohen. Denn immer mehr Nutzer rüsten ihr Smartphone zum Kostenlos-Kommunikator um. Dabei helfen dutzende Apps, von WhatsApp über Pinger bis zu Diensten wie Skype, iMessage von Apple oder Facebook samt dem separaten Messenger. Damit können die Nutzer meist zum Nulltarif chatten, wenn sie eine Flatrate haben oder eine WLAN-Verbindung haben; oft auch Dateien verschicken oder sogar Videotelefonate führen.

Vor allem ein Dienst läuft der SMS den Rang ab: „WhatsApp hat sich auf ganzer Linie durchgesetzt und ist der De-Facto-Standard“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Jens Gutsche von der Hochschule Merseburg. Auch die teils gravierenden Sicherheitspannen der vergangenen Wochen hätten daran nichts geändert. „Mit jedem Smartphone steigt die Marktdurchdringung“, betont Gutsche, der auch für die Technologieberatung Mücke, Sturm & Company tätig ist.

Da wundert es nicht, dass Facebook ein Auge auf das Startup geworfen haben soll: Es gebe Gespräche über eine Übernahme, berichtete das amerikanische Technologie-Blog Techcrunch am Montag unter Berufung auf informierte Kreise. Das soziale Netzwerk könnte so sein mobiles Geschäft stärken.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

03.12.2012, 11:38 Uhr

War doch abzusehen... ich habe mit bereits nach 3-4 Wochen nach Einführung der SMS damals gefragt, wie blöd ein Mensch eigentlich sein muss, um jemand anderem für Centbeträge "Hallo" zusagen oder "Wo bist du?".

Dass sich dieses Konzept zu den PReisen bis heute gehalten hat, grenzt an einem Wunder oder wie gesagt an der Blödheit.

anonym

03.12.2012, 11:40 Uhr

Der Artikel faegt ja gut an:

>> Wer eines der größten Problem der Mobilfunk-Branche auf den Punkt will, braucht dafür nur ein Schlagwort: WhatsApp.

Deutsche Sprache, schwere Sprache... Generation SMS tut sich wohl schwer mit vollstaendigen Saetzen.

Rentner

03.12.2012, 11:58 Uhr

Zu Ihrer Zeit gab es doch schon Postkarten, Lochstreifen (Fernschreiber) und Telegramme. Haben Sie die nie genutzt??

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