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28.02.2013

14:29 Uhr

Deutsche Telekom

Das Prinzip rosarote Hoffnung

VonChristof Kerkmann

Der scheidende Telekom-Chef René Obermann hinterlässt ein Milliardenminus. Er hatte Pech – und es kam noch kein Glück hinzu. Was seine Bilanz wirklich trübt, sind aber die Aussichten: Wo ist die Zukunft der Telekom?

Der eine geht, der andere kommt: René Obermann (r.) gibt den Chefposten bei der Telekom zum Jahresende auf, Timotheus Höttges übernimmt. dpa

Der eine geht, der andere kommt: René Obermann (r.) gibt den Chefposten bei der Telekom zum Jahresende auf, Timotheus Höttges übernimmt.

DüsseldorfEs ist kein Abschied nach Maß: In der letzten Jahresbilanz, die der scheidende Telekom-Chef René Obermann vorlegt, steht ein Minus von 5,3 Milliarden Euro. Damit verantwortet der Manager, der zum Jahresende nach mehr als sieben Jahren an der Spitze das Unternehmen verlassen wird, das zweitschlechteste Ergebnis der Firmengeschichte.

„Der Milliarden-Fehlbetrag ist nicht das, was er im Namen trägt“, betonte der Manager jedoch am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz. „Uns fehlen keine Mittel, um die Entwicklung des Konzerns voranzutreiben.“ Denn das Minus geht fast ausschließlich auf eine Abschreibung auf die schwächelnde US-Tochter zurück. Ohne diesen Einmal-Effekt betrug der Überschuss 2,5 Milliarden Euro.

Und so präsentiert die Deutsche Telekom die Bilanz als Dokument der rosaroten Hoffnung. Hoffnung darauf, dass es endlich eine Lösung fürs schwierige US-Geschäft gibt. Aber auch darauf, dass sich die hohen Investitionen – etwa in schnelle Netze und intelligente Dienste – bald auszahlen und damit Umsatz und Gewinn wieder steigen. Spätestens wenn die Konjunktur in Europa wieder anzieht.

Die größten Mobilfunker in Deutschland

Ein großer Markt

In Deutschland gibt es mehr als 113 Millionen Handyanschlüsse. Welche Marktanteile die Anbieter haben, hat das Statistikportal Statista auf Grundlage von Erhebungen der Marktforschungsinstitute Enigma, Ipsos, Ifak und Marplan ermittelt (Stand: Ende 2012).

T-Mobile

Jeder fünfte Handynutzer geht mit T-Mobile ins Netz (20,9 Prozent). Bei den Vertragskunden hält die Telekom-Tochter sogar einen Marktanteil von 24,3 Prozent.

Vodafone

Der britische Konzern kommt in Deutschland ebenfalls auf einen Marktanteil von 20,9 Prozent. Allerdings hat das Unternehmen weniger Vertragskunden als der Rivale aus Bonn (22,4 Prozent Marktanteil).

O2

Die Tochter des spanischen Telefónica-Konzerns – seit kurzem an der Börse notiert – ist in Deutschland die Nummer drei, sie hat einen Marktanteil von 13,5 Prozent.

E-Plus

Jeder zehnte Handynutzer (9,5 Prozent) ist Kunde bei E-Plus, einer Tochter des niederländischen KPN-Konzerns.

Aldi Talk

Der Discounter Aldi betreibt kein eigenes Netz, hat aber eine beachtliche Kundenbasis. 8,5 Prozent der Kunden telefonieren mit SIM-Karten des Einzelhändlers.

Base

Base ist die Billigmarke von E-Plus. 5,5 Prozent der Handynutzer telefonieren damit.

Sonstige

Jeweils weniger als 5 Prozent Marktanteil haben 1&1 (3,3 Prozent), Mobilcom-Debitel (2,8 Prozent), Tchibo (1,8 Prozent) und die Telekom-Marke Congstar (1,7 Prozent).

Die US-Tochter schreibt rote Zahlen, und seit Jahren sucht die Telekom nach einem Ausweg. Der Verkauf von T-Mobile USA an den Branchenriesen AT&T scheiterte jedoch an den Kartellbehörden. Daraufhin fand der Bonner Konzern eine kleine Lösung: Im Oktober gab er bekannt, dass seine Tochterfirma mit dem kleinen Anbieter MetroPCS zusammengeht.

Dabei wird die T-Mobile USA allerdings niedriger bewertet als beim Einstieg im Jahr 2000. Der damalige Telekom-Chef Ron Sommer machte für den Kauf von Voicestream 40 Milliarden Euro locker – aus heutiger Sicht ein überzogener Preis. Ein Trost: Die Liquidität beeinflusst diese Korrektur nicht.

Die hohe Abschreibung nimmt der Bonner Konzern gerne in Kauf, falls er damit endlich die Probleme im US-Geschäft lösen kann. Gegen die großen Wettbewerber AT&T und Verizon Wireless kommt die Telekom-Tochter nur schwer an, sie verliert Kunden und schreibt aktuell Verluste. Die Hoffnung: Sollten US-Behörden und MetroPCS-Aktionäre der Fusion von Nummer 4 und Nummer 5 zustimmen, entsteht ein schlagkräftigerer Anbieter.

„Aufgrund einer verbesserten Position für Mobilfunkfrequenzen und eines erweiterten Kundenstamms werden wir mit der gemeinsamen Gesellschaft in den USA offensiver mit den anderen nationalen Mobilfunkbetreiber konkurrieren können“, heißt es im Geschäftsbericht der Telekom. Der Konzern erwartet Synergien von 6 bis 7 Milliarden US-Dollar.

Kommentare (9)

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Nachwuchs

28.02.2013, 12:51 Uhr

Pech? Nein, das ist das Ergebnis eines erfolgreichen Jungmanagers, der ein horrendes Einkommen hat. Warum nahm er nicht sein Einkommen, um seine vorsätzlichen Fehler(Verluste) aus zu gleichen?

Account gelöscht!

28.02.2013, 13:22 Uhr

Pleiten, Pech und Pannen, gepaart mit politischer Fehlregulierung und Unfähigkeit. Die Rechnung wird von gutgläubigen Volksaktienbesitzern beglichen.

Super-Angie

28.02.2013, 13:30 Uhr

mit der bald beginnenden Staatspleite der BRD wird auch die Telekom verschwinden, dann nach dem Neustart mit einer Belegschaft von unter 50 % wieder beginnen.

alles andere ist eh nur bla und Zeitverschwendung

Obermann soll froh sein mit viel Cash noch den Absprung geschafft zu haben.

Die Rettereien gehen jetzt in eine Kritische Phase über die sie vor oder nach Sept. 2013 erreichen wird.

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