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11.08.2016

09:05 Uhr

Deutsche Telekom

Der steinige Weg des Tim Höttges

VonIna Karabasz

Die Deutsche Telekom kann für das erste Halbjahr Erfolge ausweisen: Die Margen steigen, der Umsatz im Festnetzgeschäft ist erstmals seit rund 20 Jahren nicht gesunken. Doch es zeigt sich: Der Weg wird nicht leichter.

Der Telekom-Chef schafft es, Prozesse zu optimieren und den Konzern profitabler zu machen. dpa

Timotheus Höttges

Der Telekom-Chef schafft es, Prozesse zu optimieren und den Konzern profitabler zu machen.

DüsseldorfEine der Top-Nachricht an diesem Donnerstag für die Deutsche Telekom ist: „...erstmals seit Beginn der Liberalisierung im deutschen Telekommunikationsmarkt (konnten) die Serviceumsätze im deutschen Festnetz in einem Quartal stabilisiert werden“, heißt es in der Mitteilung zu den Halbjahreszahlen. Laut dem Konzern liegt dies vor allem daran, dass die Telekom stark in den Ausbau ihres Netzes investiert. Dieses sei ein „Kundenmagnet“. Dabei ist zwar der Umsatz im Festnetzgeschäft in Deutschland, nicht jedoch die Kundenzahl gestiegen. Sie fiel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,4 Prozent auf 28,6 Millionen Kunden.

Nichtdestotrotz zeigt diese Entwicklung die Stärke des Vorstandvorsitzenden Timotheus Höttges: Er schafft es, Prozesse zu optimieren und den Konzern profitabler zu machen. Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) stieg um 10,6 Prozent auf nun 10,6 Milliarden Euro. Die Ebitda-Marge stieg ebenfalls von 28 Prozent im ersten Halbjahr 2015 auf 30 Prozent in den ersten sechs Monaten dieses Jahres. Dennoch verbuchte die Telekom einen leichten Rückgang von 0,6 Prozent beim Gewinn, der nun bei 2,1 Milliarden Euro liegt.

DTCP-Chef Vicente Vento : Der Renditejäger der Deutschen Telekom

DTCP-Chef Vicente Vento

Premium Der Renditejäger der Deutschen Telekom

500 Millionen Euro hat Vicente Vento, dem Chef der Beteiligungsgesellschaft der Telekom, zur Verfügung, die er möglichst gewinnbringend einsetzen soll. Einmal gelang ihm bereits eine Rendite von über 100 Prozent.

Noch immer zahlt die erfolgreiche US-Tochter stark bei der Mutter ein. Ihr bereinigtes Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen stieg im zweiten Quartal um rund ein Drittel auf 2,5 Milliarden Dollar. 1,9 Millionen Neukunden akquirierte T-Mobile-US-Chef John Legere mit seiner aggressiven Marketingstrategie. Damit haben sich auch die Schwerpunkte deutlich verschoben: Während das Deutschlandgeschäft nur noch 28,8 Prozent zum Konzernumsatz von 35,4 Milliarden Euro beiträgt, steuert die US-Tochter 45,5 Prozent bei.

Schulden müssen abgebaut werden

Gerade in Deutschland wird es für die Telekom zunehmend schwieriger. Der Konkurrenzdruck nimmt zu. Seit Vodafone 2013 den Kabelkonzern Kabel Deutschland gekauft hat, kann das Unternehmen ebenfalls Festnetz- und Internetangebote machen. Durch die Beschaffenheit der Kabel kann der Konzern zudem deutlich höhere Bandbreiten anbieten, als die Telekom. Und das, ohne Milliarden investieren zu müssen, wie die Telekom. Mehr als vier Milliarden Euro planen die Bonner in diesem Jahr in den Ausbau ihrer Infrastruktur zu investieren. Eine Milliarde davon soll nach der EU-Erlaubnis für den umstrittenen Internet-Ausbau Mitte Juli dürfte bald der offizielle Startschuss für das Projekt folgen. Dank der Aufrüstung sollen 1,4 Millionen Haushalte in Deutschland erstmals von einer Datengeschwindigkeit von 50 Megabit pro Sekunde (MBit/s) profitieren.

Fakten zur Telekom

Spitzenreiter in Europa

Die Deutsche Telekom ist mit einem Jahresumsatz von über 60 Milliarden Euro eines der größten europäische Telekommunikationsunternehmen. Der Konzern beschäftigt rund 220.000 Mitarbeiter. Größte Tochter mit mehr als 22 Milliarden Euro Umsatz ist Telekom Deutschland. Außerdem ist die Deutsche Telekom in 12 weiteren Ländern vertreten.

Ein Erbe der Bundespost

Hervorgegangen ist der Konzern aus der Deutschen Bundespost. Um das Staatsunternehmen wettbewerbsfähig zu machen, wurde es von 1990 an in die Geschäftsbereiche Telekom, Postdienst und Postbank aufgeteilt und schrittweise privatisiert. Seit 1995 ist die Deutsche Telekom eine Aktiengesellschaft.

Ein Global Player ...

Der erste Vorstandsvorsitzende Ron Sommer versuchte, den ehemaligen Staatsbetrieb mit Zukäufen in aller Welt zum „Global Player“ zu machen. Heute ist die Deutsche Telekom in 50 Ländern vertreten und erlöst mehr als die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland.

... mit Hoffnung auf die USA

T-Mobile US tat sich gegen die Marktführer AT&T und Verizon lange schwer. Seit dem Zusammenschluss mit dem Wettbewerber MetroPCS und unter der Führung des CEOs John Legere, ist die Kundenzahl wieder deutlich gewachsen, der Umsatz ebenso. Allerdings stehen auch hohe Investitionen an.

AG mit Staatsbeteiligung

Bei mehreren Börsengängen nahm die Telekom Milliarden ein. Dennoch ist der Staat immer noch beteiligt: Die Staatsbank KfW und der Bund halten zusammen 31,7 Prozent der Anteile. Der Anteil der einst hofierten Privatanleger ist auf unter 15 Prozent gefallen, den Rest halten institutionelle Anleger.

Diese Ausgaben kann sich die Telekom noch leisten. Sie erwartet für das laufende Jahr eine Steigerung des Free Cash Flow um acht Prozent auf 4,9 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis soll bei konstanten Wechselkursen 21,2 Milliarden Euro betragen. Allerdings warnen Experten davor, dass sich die Telekom noch stärker als bisher verschuldet. „Die Telekom sollte Einnahmen aus Verkäufen erst einmal nutzen, um Schulden abzubauen“, sagt Wolfgang Specht, Analyst beim Bankhaus Lampe, vor Veröffentlichung der Bilanz des zweiten Quartals.

Die Schulden seien in den letzten Quartalen deutlich gestiegen, was langfristig vielleicht das derzeitige Rating riskiere. „Bevor die Schulden nicht abgebaut sind, wird es schwer für die Telekom, stärker zu investieren“, erklärt er. Die Nettofinanzverbindlichkeiten legten 2015 um rund fünf Milliarden auf 47,6 Milliarden Euro zu. Die Nettoverschuldung lag damit beim 2,4-Fachen des Betriebsgewinns (Ebitda). Den eigenen Zielkorridor hat die Telekom mit dem Faktor 2,0 bis 2,5 vorgegeben.

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