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06.07.2011

09:03 Uhr

Deutsche Telekom

Frauenquote unter politischer Aufsicht

VonDieter Fockenbrock

Das Postengeschacher in der Führungsetage der Telekom zeigt einmal mehr, wie der Staat als Großaktionär dem Konzern sichtbare Grenzen setzt. EIN KOMMENTAR VON DIETER FOCKENBROCK

Die Frauenquote in der Telekom-Führungsetage droht in einem Streit über die richtige Besetzung zu münden. Quelle: dpa

Die Frauenquote in der Telekom-Führungsetage droht in einem Streit über die richtige Besetzung zu münden.

Bonn.Fataler hätte es für René Obermann nicht kommen können. Sein Bravourstück zur Frauenquote in der Telekom-Führungsetage droht im Streit über die richtige Besetzung unterzugehen. Mehr noch: Der gesamte Konzern droht im politischen Postenschacher großen Schaden zu nehmen. Einmal Bundesbehörde, immer am Gängelband der Politik, lautet die Erkenntnis der Investoren. Daran ändert auch ein Börsengang nichts. Der Staat als Großaktionär mit seinen 32 Prozent Aktien und starke Gewerkschaften setzen Vorstand und Aufsichtsrat sichtbare Grenzen.

Keine Aktiengesellschaft, die sich am Kapitalmarkt bewähren muss, darf sich Kandidaten für Führungsposten von der Politik aufdrücken lassen. Auch wenn Konzernchef Obermann Marion Schick (Ex-Ministerin aus Stuttgart), Brigitte Zypries (Ex-Bundesjustizministerin) und Birgit Grundmann (Staatssekretärin Berlin) höchstselbst ins Rennen geschickt hätte – es wäre das falsche Signal. Bei den Investoren muss der Eindruck entstehen, dass hier aus politischen Gründen nicht erste Wahl getroffen wird. Die Reputation der drei Damen mag einwandfrei sein, aber reicht das für einen Führungsjob bei der Telekom? Zwischen der Leitung eines Ministeriums und dem Vorstandsposten bei einem Konzern mit 250000 Beschäftigten liegen Welten.

Der Weg zu einem ganz normalen Unternehmen mit Eigentümern, die ihren Einsatz mehren wollen, mit Managern, deren wichtigstes Kennzeichen ihre Eignung ist, und mit einem Aufsichtsrat, der das Gesamtwohl des Unternehmens im Auge hat – dieser Weg ist für die Telekom noch sehr weit.

Bedeutungslosigkeit statt große Chancen

Es besteht sogar die Gefahr, dass die Volksaktie mit großen Chancen nun zur volkseigenen Aktie mit Tendenz zur Bedeutungslosigkeit verkommt. Das Schicksal der Telekom nimmt bezeichnenderweise im Fünfjahresrhythmus sozialistischer Planwirtschaften seinen Lauf.

1996 ein spektakulärer Börsengang, zehn Milliarden frisches Kapital, 1,9 Millionen Privatanleger, die T-Aktie als Symbol für eine neue Aktienkultur in Deutschland und für den Abschied von der altehrwürdigen Behördenpost. Der Staat zieht sich selbst aus vermeintlich hoheitlichen Aufgaben zurück, überlässt das Geschäft Privaten.

Fünf Jahre später der große Deal. Für 30 Milliarden Euro kauft die Telekom den US-Mobilfunker Voicestream. Es ist der Befreiungsschlag für die Ex-Behörde, der Aufbruch in die große Welt der Telekommunikation.

Fünf Jahre darauf holt die Bundesregierung ausgerechnet einen der als Heuschrecke beschimpften Finanzinvestoren als Mit-Aktionär an Bord. Eine Revolution und ein Signal an den internationalen Finanzmarkt: Seht her, Deutschland ist reif für die globale Wirtschaft! Die amerikanische Private-Equity-Firma Blackstone übernimmt 4,5 Prozent Bundesaktien der Telekom. Die Regierung setzte damals große Hoffnung darauf, dass Blackstone das durchsetzen würde, was ihr selbst nie gelungen war: Management und Börsenkurs des Unternehmens auf Vordermann zu bringen.

Kommentare (1)

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06.07.2011, 15:17 Uhr

Warum ersetzt man nicht den gesamten Vorstand durch Frauen. Im "Damenfußball" haben wir ja auch die Erfahrung gemacht, daß diese besser und erfolgreicher spielen als die männlichen Kollegen. Somit wäre das eine logische Konsequenz, zumal man bei der Telekom sowieso nichts mehr vermurksen kann.

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