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02.09.2016

13:58 Uhr

Deutsche Telekom

Grünes Licht für deutlichen Vectoring-Ausbau

In Dauerstreit um die Vectoring-Technologie verzeichnet die Deutsche Telekom einen weiteren Etappensieg. Auf der IFA verkündete der Magenta-Riese Anschlüsse für zahlreiche Haushalte - mit Segen der Bundesnetzagentur.

Weitere sechs Millionen Kunden in Deutschland können mit Bandbreiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde versorgt werden. Reuters

Telekom-Stand auf der IFA

Weitere sechs Millionen Kunden in Deutschland können mit Bandbreiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde versorgt werden.

BerlinDie Deutsche Telekom hat von der Bundesnetzagentur grünes Licht für den weiteren Ausbau der umstrittenen Vectoring-Breitbandtechnologie erhalten. Im Gegenzug habe sich die Telekom zu einer flächendeckenden Erschließung aller Haushalte in den Nahbereichen mit schnellen Breitbandanschlüssen verpflichtet und eine verbindliche Investitionszusage gegeben, teilte Telekom-Deutschlandchef Niek Jan van Damme am Freitag auf der Elektronikmesse IFA in Berlin mit. Damit könnten weitere sechs Millionen Kunden in Deutschland mit Bandbreiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde versorgt werden. „Das ist ein Supertag für Deutschland.“

Beim Vectoring werden die Daten über herkömmliche Kupferdrahtleitungen transportiert, ohne dass die bestehenden Kabel beispielsweise durch Glasfaser ersetzt werden müssen. Vectoring kann allerdings an den Kabelverzweigern prinzipiell nur von einem Anbieter durchgeführt werden. Deshalb wenden sich Telekom-Wettbewerber gegen den Einsatz dieser Technologie. Kritiker betonen außerdem, dass Vectoring nicht wirklich zukunftsträchtig sei und dass der Einsatz dieser Technologie den Glasfaser-Ausbau verzögere.

„Heute ist ein schwarzer Tag für den zukunftsfähigen, nachhaltigen Glasfaserausbau in Deutschland“, erklärten die Branchenverbände Breko, Buglas und VATM in einer gemeinsamen Stellungnahme. Der Beschluss der Regulierungsbehörde ermögliche der Telekom ein weitgehendes Vectoring-Ausbaumonopol in den knapp 8000 Nahbereichen. „Der Nutzen für die Bürger ist denkbar gering, weniger als vier Prozent aller Festnetzanschlüsse werden neu mit 50 Megabit pro Sekunde versorgt“, erklärten die Verbände. Deutlich mehr und qualitativ besser wäre beispielsweise mit gezielter Förderung erreichbar gewesen.

Damme betonte hingegen, wenn man ausschließlich auf Glasfaser setze, dauere es viel zu lange, um Deutschland flächendeckend mit Breitbandzugängen zu versorgen. Die Telekom betreibe mit einer Streckenlänge von mehr als 400 000 Kilometern das größte Glasfasernetz in Deutschland. Allein in den vergangenen fünf Jahren habe sie 120 000 Kilometer neu verlegt.

Fragen zum Vectoring

Welche Möglichkeiten hat der Endkunde beim Zugriff auf das schnelle Internet?

Es gibt mehrere Wege: Zum Beispiel mobil über Smartphone und das LTE-Netz, über einen drahtlosen Anschluss an einem Hotspot oder auch über Festnetz-Leitung. Eine weitere Möglichkeit ist der Zugang ins Internet über das Kabelnetz, das in Deutschland durch Vodafone und Unitymedia dominiert wird. Welches Surftempo erreichbar ist, hängt ab vom Grad des Netzausbaus und der von den Betreibern eingesetzten Technik. Seit kurzem bietet die Bundesnetzagentur einen Test, mit dem Geschwindigkeiten im Netz gemessen werden können.

Nach den Breitbandzielen der Bundesregierung soll jeder Verbraucher bis Ende 2018 mit einem Tempo von mindestens 50 Megabit pro Sekunde (MBit/s) im Internet surfen können. Über den Zugang zu einem solchen Anschluss, und zwar über alle Technologien hinweg, verfügten nach Angaben des Bundesministeriums für Verkehr und Infrastruktur Ende 2015 rund 70 Prozent aller Privathaushalte. In ländlichen Regionen aber auch in einigen Stadtgebieten gibt es jedoch weiterhin Schwachstellen und zum Teil auch weiße Flecken.

Was ist Vectoring und warum wird diese Technik eingesetzt?

Beim Vectoring werden die herkömmlichen Kupferkabelnetze kostenschonend für höhere Geschwindigkeiten nachgerüstet. So sollen die Bandbreiten auf 100 MBit pro Sekunde steigen. Mit der Weiterentwicklung Super-Vectoring würden sogar theoretisch 250 MBit/s möglich. Die Telekom muss sich aber sputen, denn die Kabelnetzbetreiber um Vodafone und Co. sind ihr ein Stück voraus und bieten bereits 400 MBit/s.

Es gibt nicht wenige Experten, die beim Vectoring von einer veralteten Technologie sprechen, andere nennen sie eine Brückentechnologie auf dem Weg in die Gigabit-Gesellschaft. Um die Ziele der Bundesregierung beim Breitbandausbau schnell zu erreichen, gilt Vectoring als unverzichtbar. Die Telekom setzt voll auf diese Technik und kombiniert sie mit einem Glasfaserausbau. Ihr Plan: Glasfaser bis zum Kabelverzweiger (graue Schaltkästen am Straßenrand) und dann auf kurzer Strecke über Kupferkabel in die Häuser.

Warum ist Vectoring so umstritten?

Die Telekom hat ihr Netz im Nahbereich an viele Wettbewerber vermietet, die dort ebenfalls schnelle Internetanschlüsse betreiben. An den entscheidenden Hebeln im Netz wie den Kabelverzweigern und Hauptverteilern kann aus technischen Gründen aktuell aber nur ein Unternehmen mit Vectoring andocken und Tempo ins Kupferkabel bringen. Im gegenwärtigen Streit geht es um die Hauptverteiler, deren Nahbereiche mit 5,9 Millionen Endkunden die Telekom beschleunigen will.

Die Bundesnetzagentur hatte geplant, dem Marktführer den Einbau der umstrittenen Technik zu gestatten. Konkurrenten müsse ein Vorleistungsprodukt angeboten werden. Das hatte zu einem Aufschrei der Wettbewerber geführt; das böse Wort von der Re-Monopolisierung machte die Runde. Am Ende wurden die Pläne wieder kassiert. Die Wettbewerber sehen zudem mit dem Vectoring der Telekom ihre Investitionen in den Glasfaserausbau gefährdet.

Ist das Verlegen von Glasfasernetzen eine Alternative?

Eindeutig ja. Auf lange Sicht können nur Glasfasernetze, die ins Gebäude und Wohnungen der Endkunden reichen, das gewaltige Wachstum der Datenströme bewältigen. Die Breitbandziele der Bundesregierung reichten nicht aus, sagen die Wettbewerber, schon heute sollten die Rahmendaten für Gigabit-Netze geschaffen werden. Diese Supernetze werden benötigt, wenn Landwirte in der Cloud mähen und über ein modernes Farmmanagement ihre Höfe steuern, wenn Autos autonom fahren und Fernsehen nur noch in Ultra HD-8k gesehen wird.

Zufrieden zeigte sich van Damme mit dem Ausbau des Mobilfunknetzes. Die Telekom habe im fünften Jahr in Folge die Auszeichnung „Bestes Netz“ erhalten. 91,4 Prozent der Bevölkerung in Deutschland könne die vierte Mobilfunkgeneration LTE von der Telekom nutzen. Rund zehn Millionen Kunden nutzten bereits bei der Telekom LTE mit Geschwindigkeiten bis zu 300 Megabit pro Sekunde.

Bei Musikstreaming setzt die Telekom nicht mehr alleine auf den Marktführer Spotify. Auf der IFA kündigte die Telekom eine Kooperation mit Apple an. Kunden der Telekom können künftig den Dienst Apple Music ein halbes Jahr kostenlos ausprobieren. Danach kann der Dienst für knapp zehn Euro gebucht und über die Mobilfunkrechnung bezahlt werden. In den Streaming-Angeboten ist das Datenvolumen nicht inklusive. Man habe deshalb das Gesamtvolumen in den verschiedenen Datentarifen signifikant erhöht.

Von

dpa

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