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02.02.2009

10:18 Uhr

Deutsche Telekom

Höttges, der Spagatbegabte

VonSandra Louven

Telekom-Festnetzchef Timotheus Höttges winkt der prestigeträchtige Posten des Finanzvorstands. Eine umstrittene Personalie - denn Höttges fehle die notwendige Nähe zu seinem Freund und Telekomchef Rene Obermann, sagen viele.

Timotheus Höttges, Festnetzchef der Deutschen Telekom. dpa

Timotheus Höttges, Festnetzchef der Deutschen Telekom.

HANNOVER. Eigentlich liebt Timotheus Höttges das Elitäre. Der selbstbewusste Festnetzchef der Deutschen Telekom trägt maßgeschneiderte Anzüge und sorgsam rasierte Glatze. Seine Initialen lässt er sich gut sichtbar auf die Hemdmanschetten sticken. Aber er kann auch anders: Im Intranet präsentierte sich der Manager auch schon mal im Blaumann: passend zu seinem „Tagebuch der T-Tour“, in dem der 46-Jährige seine Besuche in den T-Punkten, Vermittlungsstellen und Technikzentralen beschreibt.

Wochenlang tourte er durch das Telekom-Reich, arbeitete sich als Mobilfunker akribisch in die Logik des Festnetzes ein. Das sorgte für Eindruck bei den leidgeprüften Mitarbeitern der Krisensparte. „Inzwischen kann er selbst einen DSL-Anschluss legen“, unkt ein Weggefährte. Den Drang zum Detail loben auch diejenigen, die den hageren Ausdauerläufer nur im feinen Zwirn erleben: Investoren und Analysten. Ihre Fragen pariere Höttges aus dem Effeff, heißt es in der Branche.

Künftig wird er dazu womöglich öfter Gelegenheit haben: Konzernchef René Obermann will ihn zum Finanzchef des Bonner Dickschiffs ernennen, erfuhr das Handelsblatt aus dem Management des Konzerns. Der 46-Jährige soll dort Karl-Gerhard Eick ersetzen, der Anfang März den Vorstandssessel beim Handelsriesen Arcandor übernimmt. Noch ist die Personalie nicht entschieden. Am Mittwoch tagt der Präsidialausschuss des Telekom-Aufsichtsrats, da will Obermann seinen Plan präsentieren. Die nächste turnusmäßige Sitzung der Kontrolleure findet Ende Februar statt. Die Telekom wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern.

Auch wenn Höttges als CFO keinen Blaumann mehr bräuchte – ein Spagat wäre der Posten trotzdem für ihn. Der Hühne wäre dann zusammen mit Obermann für die Geschicke des gesamten Konzerns verantwortlich. Doch dieses T-Duo halten viele für unglücklich: Die beiden sind nicht nur Ex-Nachbarn, sondern immer noch privat befreundet. Höttges verdankt Obermann seinen Aufstieg bei der Telekom: Der gelernte Betriebswirt wechselte im Jahr 2000 zunächst als Finanzchef zu T-Mobile Deutschland, die Obermann damals leitete. Der machte ihn später zum Europachef der Mobilfunktochter und Ende 2006 zum Chef des Festnetzes, der größten Sparte im Konzern.

Wegen dieser Nähe trauen viele Höttges nicht zu, ein kritisches Gegengewicht zu Obermann zu bilden – so wie Eick das getan hat. Gerade auf einen so wichtigen Posten könne man nicht jemanden aus der „Boygroup“ setzen, heißt es. So werden Obermann und seine Vertrauten im Vorstand hinter vorgehaltener Hand genannt. Obermann holte neben seinem Freund Höttges auch den ehemaligen Weggefährten Hamid Akhavan als T-Mobile-Chef in den Konzernvorstand. Alle drei sind Mitte 40 und damit als Vorstände eines Dax-Konzerns vergleichsweise jung.

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