Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.02.2012

11:50 Uhr

Deutsche Telekom

Obermanns riskante Wette in den USA

VonSebastian Schaal

Probleme in Griechenland und der geplatzte Verkauf des US-Geschäfts haben der Deutschen Telekom das Jahr 2011 verhagelt. Nun will Konzernchef Obermann ausgerechnet in den USA massiv investieren. Ein riskanter Plan.

Telekom riskiert Milliardeninvestitionen

Video: Telekom riskiert Milliardeninvestitionen

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Bonn"2011 war ein schwieriges Jahr." Mit diesen Worten beginnt Telekom-Chef René Obermann die Präsentation seiner Jahresbilanz. Noch bevor er überhaupt eine Zahl genannt hat, versucht Obermann das Ergebnis zu erklären. 

Milliarden-Abschreibungen auf ihre Krisen-Töchter in den USA und Griechenland haben der Deutschen Telekom im vergangenen Jahr die Bilanz verhagelt. Der Überschuss sank 2011 auf 557 Millionen Euro von 1,7 Milliarden vor einem Jahr. Analysten hatten etwa sechs Mal so viel Überschuss erwartet, nämlich 2,95 Milliarden Euro. Im vierten Quartal schrieb die Telekom sogar rote Zahlen: Für Oktober bis Dezember stand ein Verlust von 1,34 Milliarden Euro in den Büchern. Analysten hatten im Schnitt gut eine Milliarde Gewinn im Quartal erwartet.

Die größten Probleme der Telekom liegen abseits des Heimatmarktes. Negativ schlugen vor allem die schlechte Geschäftsentwicklung der griechischen Tochter OTE und von T-Mobile USA zu Buche - letztere verlor 1,7 Millionen der lukrativen Vertragskunden, davon allein 800.000 im vierten Quartal. 

Obermann steckt im Dilemma: Der gescheiterte Verkauf von T-Mobile USA an AT&T hat das Ergebnis des vierten Quartals stark belastet. Und der Telekom-Chef macht kein Geheimnis daraus, dass er die Tochter am liebsten losgeworden wäre: "Ich bin nach wie vor der Meinung, dass dieser Verkauf im Interesse aller Beteiligten gewesen wäre - und damit beziehe ich die Mobilfunkkunden in den USA ausdrücklich mit ein." 

Da er keinen alternativen Käufer vorweisen kann, tut Obermann jetzt erst einmal das Gegenteil - und investiert Milliarden in die US-Mobilfunktochter. In der Entschädigung von AT&T ist auch ein zusätzliches Funk-Spektrum enthalten, mit der die Telekom ab 2013 auf den neuen Mobilfunk-Standard LTE in den USA anbieten will. "Das bedeutet zusätzliche Investitionen über die kommenden zwei Jahre von rund 1,4 Milliarden Dollar", so Obermann. Insgesamt will die Telekom in den USA damit vier Milliarden Dollar investieren.

Szenarien für die Telekom in den USA

Ohne Partner in der Sackgasse

Nach dem Scheitern des Verkaufs von T-Mobile USA an AT&T muss sich die Konzernmutter Deutsche Telekom Alternativen für ihre schwächelnde Tochter überlegen. Der Konzern selbst betonte, unmittelbar keinen Handlungsdruck zu haben, doch längerfristig wegen eines teuren Netzausbaus nach Lösungen zu suchen.

Schwerer Alleingang

Ohne AT&T befindet sich die T-Mobile USA in einer schwierigen Marktposition. Mit 33,7 Millionen Kunden rangiert das Unternehmen auf dem heiß umkämpften US-Markt nur an vierter Stelle. Anschluss an die Marktführer Verizon Wireless und AT&T, die Kunden mit exklusiven Handys wie dem iPhone locken, konnte T-Mobile nie finden.

Neue Konkurrenz

Gleichzeitig greifen kleinere Anbieter mit Discount-Preisen neue Kunden ab. In den ersten neun Monaten kündigten 850.000 lukrative Vertragskunden, der operative Gewinn (Ebitda) schrumpfte um 14 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Nach dem Aus der Fusionspläne mit AT&T dürften noch weitere verunsicherte Kunden abspringen, erwarten Analysten.

Netz aufrüsten

Bislang hat T-Mobile USA keinen Plan, um sein Mobilfunknetz auf den neuen Datenübertragungsstandard LTE aufzurüsten. Das ist wichtig, da Amerikaner sehr viel mit ihrem Handys ins Internet gehen - Netzzusammenbrüche sind schon heute keine Seltenheit. Der Ausbau in den Riesenland wird allerdings teuer.

Kritik: zu teuer

Die Möglichkeit, hier alles allein zu machen, hatte die Telekom-Führung bis zum AT&T-Deal immer wieder diskutiert, war damit aber bei ihren Aktionären auf wenig Begeisterung gestoßen. Großaktionär DWS, eine Fondstochter der Deutschen Bank, hatte die Ausbaupläne bereits 2010 als zu riskant und teuer kritisiert.

Ein Ausweg

Die Telekom könnte ihre Tochter zerschlagen und die wertvollen Funkfrequenzen und die Technik einzeln verkaufen, sagte Commerzbank-Analystin Heike Pauls.

Fusion mit Clearwire?

Die Suche nach einem anderen Fusionspartner dürfte zeitaufwendig werden hieß es noch Ende 2011, da kaum ein anderer Konzern noch einmal 39 Milliarden Dollar für T-Mobile USA zahlen werde, erklärte LBBW-Experte Stefan Borscheid. „Eine denkbare Option wäre unseres Erachtens eine Netzwerkpartnerschaft mit Clearwire, aber auch eine Zusammenarbeit mit Sprint Nextel erscheint uns denkbar.“

Probleme bei einer Fusion

Allerdings nutzen der Markt-Dritte Sprint und T-Mobile USA unterschiedliche Mobilfunkstandards, die nicht miteinander vereinbar seien. Bei einer solchen Lösungen bliebe die Deutsche Telekom zudem in den USA engagiert - gerade das wollte sie vermeiden. Andere mögliche Partner für T-Mobile USA wären das Mobilfunk-Startup Lightsquared oder Kabelnetzbetreiber, schätzt Commerzbank-Analystin Pauls.

Komplettverkauf

Angesichts der wenigen Alternativen scheine ein Komplettverkauf etwa an einen Finanzinvestor nicht ausgeschlossen, sagte Borscheid weiter. Egal für welche Lösung sich Telekom-Chef Rene Obermann nach einem Platzen des AT&T-Geschäfts entscheidet, es würde schwer für ihn, sie zu verkaufen. Denn alle Optionen hatte die Telekom noch im März als untauglich bezeichnet, um den Verkauf des US-Geschäfts an AT&T zu rechtfertigen.

Das ist eine riskante Wette auf zukünftige Erträge in einem hart umkämpften Markt. "Das sind ambitionierte Ziele und natürlich hoffen wir, dass die Bemühungen von Politik und FCC (Federal Communications Commission, Anm. d. Red.), zusätzliches Spektrum zur Verfügung zu stellen, bald Früchte tragen", räumt Obermann ein. Doch ohne den Zugang zu Breitband-Internet könnte der Kundenschwund bei T-Mobile USA anhalten.

Die Frage, ob man sich mit den Milliardeninvestitionen für einen anderen Partner aufhübschen will, verneinte Obermann eher halbherzig: Zu AT&T gebe es derzeit keine Alternative. "Dennoch kommen wir langfristig um Kooperationen nicht herum. Wir suchen weiterhin nach geeigneten Partnerschaften, um unsere Skaleneffekte zu verbessern. Wir brauchen bessere Geschäfte, wie auch immer die dann aussehen. Da bitten wir um etwas Geduld", so Obermann.

Das Hauptproblem in den USA liege in zwei Punkten: "Wir haben gegenüber Verizon und AT&T geringe Skalenvorteile. Und wir sind mit dem iPhone nicht am Markt - wenn überhaupt als Nummer vier." Den Verkaufsschub der Konkurrenz in den USA erklärt sich der Telekom-Vorstand unter anderem mit dem iPhone. Die Telekom ist der einzige große Anbieter, der Apples Kult-Smartphone nicht im Programm hat.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Radek

23.02.2012, 13:08 Uhr

Herr Obermann sollte Eines bedenken. Große Investitionen in den USA sind immer mit hohen Risiken verbunden, Daimler Crysler, Deutsche Post und andere können ein Lied davon singen. In anderen Länder ist dieses Risiko nicht annähernd so groß.
Im Zweifelsfall sind die Amerikaner der Auffassung nicht sie müssen bei auftetenden Schwierigkeiten die Zeche zahlen sondern andere, die sich leichtsinnigerweise auf Gschäfte einlassen, die sie nicht richtig einzuschätzen vermögen.

Rheinschwimmer

23.02.2012, 14:06 Uhr

Wäre mal interessant zu beziffern wieviele Milliarden deutsche Dax-Konzerne schon in den USA verbrannt haben, sicherlich ein erkleckliches Sümmchen.

Account gelöscht!

23.02.2012, 15:24 Uhr

Das sind lediglich Reparationszahlungen. Schließlich hat der amerikaner keine Möglichkeit, über die eu auf Deutsches Geld zuzugreifen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×