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24.05.2012

07:52 Uhr

Deutsche Telekom

Obermanns schwierige Mission

VonSusanne Schier, Martin Wocher

René Obermann steht ein anstrengender Tag bevor: Der Telekom-Chef muss auf der Hauptversammlung überzeugend darlegen, wie er mit neuen Internetdiensten Geld verdienen will und was aus dem schwierigen US-Geschäft wird.

Obermann auf einer Pressekonferenz: keine berauschende Bilanz. dpa

Obermann auf einer Pressekonferenz: keine berauschende Bilanz.

BonnWer die Zukunft der Deutschen Telekom entdecken möchte, muss nur einen unscheinbaren Aufzug nehmen. Hier im streng abgeschirmten zweiten Stock der Bonner Konzernzentrale zeigt der Telekomriese in seiner „T-Gallery“ eine bunte und vernetzte Welt. Elektronische Geräte aller Art kommunizieren via Internet miteinander und versprechen ihren Nutzern Hilfestellung in allen Lebenslagen: Das Auto übermittelt seine Servicedaten an die nächste Werkstatt, das Blutdruckgerät die jüngsten Ergebnisse an den Hausarzt und das Messgerät im Heizungskeller die verbrauchten Kilowattstunden an die Stadtwerke.

In dieser neuen Welt will die Deutsche Telekom künftig ihr Geld verdienen: Mit Programmen (Apps), Rechenzentren, Internetfernsehen und natürlich mit schnellen Breitbandleitungen, über die diese digitalen Serviceangebote blitzschnell transportiert werden.

Die Ausschüttungsquoten im Vergleich

Telecom Italia

Die Ausschüttungsquote (Dividendensumme/Free-Cash-Flow) liegt bei der Telecom Italia bei 34 Prozent.

Deutsche Telekom

Die Deutsche Telekom schütter 43 Prozent ihres Free-Cash-Flows an ihre Aktionäre aus.

France Télécom

Bei der France Télécom liegt die Ausschüttungsquote bei 66 Prozent.

Telefónica

Die spanische O2-Mutter Telefónica hat die Ausschüttungsquote dieses Jahr auf 91 Prozent festgelegt.

KPN

KPN schüttet seinen gesamten Free-Cash-Flow an die Aktionäre aus, die Quote liegt bei 100 Prozent.

Vodafone

Vodafone schlägt alle in der Branche. Die Engländer haben eine Ausschüttungsquote von 180 Prozent.

Doch so schillernd sich der Kommunikationskonzern die Zukunft ausmalt, die Gegenwart ist alles andere als rosarot. Zwar ist die Telekom nach der spanischen Telefónica der zweitgrößte Telekommunikationskonzern Europas. Schließlich zählt sie auf ihrem Heimatmarkt Deutschland 35 Millionen Mobilfunkkunden und 23 Millionen Festnetzanschlüsse. Aber es fehlt eine überzeugende Wachstumsstrategie. Denn das Kerngeschäft rund um Telefonanschlüsse bröckelt, die Zahl der Kunden sinkt.

Selbst der lange Zeit boomende Mobilfunk zeigte Anfang des Jahres erstmals Zeichen von Schwäche - trotz rasant steigender Datenmengen, die über die wachsende Zahl von Smartphones heruntergeladen wurden. "Nur vom Netzgeschäft kann man auf Dauer nicht leben", bringt es Konzernchef René Obermann auf den Punkt. Für die Telekom ist es dabei kein Trost, dass Wettbewerber wie Telefónica oder France Télécom auf ihren Inlandsmärkten mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben.

Telekom: Obermann lenkt von seinen Fehlern ab

Telekom

Obermann lenkt von seinen Fehlern ab

Nach einem schlechten Jahr muss sich Telekom-Chef Obermann den Aktionären erklären.

Die finden aber einen Ausgleich auf lukrativen Auslandsmärkten wie beispielsweise Telefónica in Lateinamerika. Nur dank der starken Konjunktur in Deutschland konnte die Telekom im ersten Quartal zumindest den Kundenexodus im Festnetzgeschäft verlangsamen und den Umsatz mit breitbandigen Anschlüssen und TV-Angeboten steigern.

Eine Trendwende ist das aber nicht: Im Gesamtjahr 2012 rechnet Obermann mit einem weiteren Rückgang des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf 18 Milliarden Euro; 2011 waren es noch 18,7 Milliarden Euro. Der freie Cash-Flow soll von 6,4 Milliarden auf sechs Milliarden Euro zurückgehen. Auch in den kommenden Jahren müssen sich Europas Telekomkonzerne laut einer Studie der Strategieberatung Arthur D. Little auf schrumpfende Geschäfte um bis zu zwei Prozent pro Jahr einstellen. Zwar werden die über Breitband- und Mobilfunknetze abgerufenen Datenmengen stark steigen und auch einige neue Geschäftsbereiche zulegen - das alles wird aber nicht ausreichen, um den Einbruch im angestammten Geschäft mit Sprachtelefonie und SMS-Diensten auszugleichen.

Telekom-Chef ärgert sich über Kurs der T-Aktie

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