Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.08.2016

16:29 Uhr

Deutsche Telekom

Ungesunde Preisspirale

VonIna Karabasz

Die Telekom-Tochter T-Mobile US drückt in den Vereinigten Staaten massiv die Preise. Längst macht diese aggressive Strategie auch in Deutschland Schule. Leidtragende ist ausgerechnet die Konzernmutter.

T-Mobile US: Blaupause für die Konkurrenten der Deutschen Telekom. dpa

T-Mobile Chicago

T-Mobile US: Blaupause für die Konkurrenten der Deutschen Telekom.

Bonn„Keiner bietet Daten wie T-Mobile“, so der markante Slogan der US-Tochter der Deutschen Telekom. Mittlerweile ist T-Mobile US bekannt dafür, eher Torten als kleine Brötchen zu backen. Selbstbewusst bringt das Unternehmen eine Neuerung nach der anderen auf den Markt. Dazu gehört etwa der Streaming-Service „Binge on“, bei dem das Datenvolumen nicht belastet wird. Oder die Möglichkeit, ungenutzte Datenpakete in den nächsten Monat mitzunehmen.

Damit ist T-Mobile einer der beiden stärksten Preistreiber im Markt. Wohlgemerkt, nach unten. Der andere ist Sprint. Neben der Telekom-Tochter ist der Ableger des japanischen Konzerns Softbank Angreifer im Telekommunikationsmarkt. Dieser wird von den beiden Konzernen AT&T und Verizon dominiert. Innerhalb von zehn Jahren fiel der durchschnittliche Umsatz pro Mobilfunkkunde in den USA um sechs Dollar auf 44,65 Dollar im Jahr 2015. Gleichzeitig stieg die Zahl der Kunden um rund 170 Millionen auf etwa 380 Millionen, weswegen die Umsätze stiegen, wenn auch unterproportional.

Die größten Mobilfunker der Welt

Platz 12

Deutsche Telekom

Umsatz: 42,8 Milliarden Euro*
Mobilfunkanschlüsse: 146,9 Millionen*

*Quelle: Statista, GSMA Intelligence; Umsätze wurden von Britischem Pfund in Euro umgerechnet (Kurs 1,3899 Euro), Stand: Zweites Quartal 2014

Platz 10

Telenor Group (Norwegen)

Umsatz: 12,1 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 175,6 Millionen

Platz 9

China Telecom (China)
Umsatz: 22,2 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 180,2 Millionen

Platz 8

Orange Group (Frankreich)

Umsatz: 22,4 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 184,6 Millionen

Platz 7

VimpelCom Group (Niederlande)

Umsatz: 15,8 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 218,2 Millionen

Platz 6

Telefónica Group (Spanien)

Umsatz: 42,0 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 249,4 Millionen

Platz 5

América Móvil Group (Mexiko)

Umsatz: 35,5 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 266,9 Millionen

Platz 4

Bharti Airtel Group (Indien)

Umsatz: 11,0 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 287,2 Millionen

Platz 3

China Unicorn

Umsatz: 29,9 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 295,0 Millionen

Platz 2

Vodafone Group (Großbritannien)

Umsatz: 58,5 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 435,9 Millionen

Platz 1

China Mobile

Umsatz: 92,3 Milliarden Euro
Mobilfunkverbindungen: 790,6 Millionen

Für T-Mobile US ist das zunächst kein Problem. Mit jedem neuen Kunden kann sie ihr Netz besser auslasten. Die Aktionäre freut es: In den vergangenen drei Jahren ist der Kurs um mehr als 136 Prozent gestiegen. Am Mittwoch lag er bei rund 41 Euro.

Davon profitiert vor allem auch der deutsche Hauptaktionär, die Deutsche Telekom. Der Konzern hält noch knapp zwei Drittel der Anteile des Unternehmens. Die hohe Bewertung der Tochter war zuletzt meist ausschlaggebend für eine positive Analysten-Einschätzung.

Doch ausgerechnet jene Preistreiberei, die die Tochter in den USA so erfolgreich praktiziert, wird für die Konzernmutter zunehmend zum Problem. Am Dienstag senkte die US-Bank JP Morgan das Kursziel für die Telekom von 17,10 Euro auf 16,20 Euro. Als Erklärung gab Analyst Akhil Dattani die aggressiven Preisangebote im deutschen Mobilfunkmarkt an.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×