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04.11.2016

08:42 Uhr

Deutsche Telekom

Von wegen Ex-Staatskonzern

VonIna Karabasz

Der Bund kann etwa 20 Jahre, nachdem die Deutsche Telekom privatisiert worden ist, noch immer nicht die Finger vom ehemaligen Staatskonzern lassen. Im Gegenteil: Er hat seine Beteiligung noch weiter aufgestockt.

Der Konzern gehört weiterhin zu fast einem Drittel dem Staat. dpa

Zentrale der Deutschen Telekom

Der Konzern gehört weiterhin zu fast einem Drittel dem Staat.

DüsseldorfRund 20 Jahre ist es nun her, dass die Bundesregierung beschlossen hat, die Deutsche Telekom zu privatisieren. So ganz kann der Bund die Finger nicht von dem Bonner Konzern lassen, hält er doch noch immer 32 Prozent Firmenanteile. Dabei wurden in den vergangenen Jahren wiederholt Forderungen laut, diese Anteile zu verkaufen. Das soll den Einfluss des Staates auf den Konzern reduzieren. Der Erlös soll in den Bundeshaushalt fließen und in bessere Infrastruktur investiert werden. Doch der Bund sieht das offenbar bis heute anders: Er hat seinen Anteil an der Telekom sogar leicht erhöht.

Der Konzern bietet seinen Aktionären seit vier Jahren an, sich die Dividende in neuen Aktien auszahlen zu lassen. Das Bundesfinanzministerium hat das Angebot in diesem Jahr angenommen – und zwei Drittel seiner Dividendenansprüche in neue Aktien getauscht. Die staatliche Förderbank KfW nutzte die Hälfte ihrer Papiere dazu.

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Weil der Bund bremst, verzögert sich die vielfach angemahnte Privatisierung deutscher Staatskonzerne. So stockt Finanzminister Schäuble den Vorrat an Telekom-Aktien auf, um mit ihnen an der Börse zu spekulieren.

Dafür verzichtet der Bund auf mehr als die Hälfte seiner Bardividende von rund 805 Millionen Euro, mehr als 463 Millionen Euro. Damit erhöht sich der Staatsanteil an der Telekom leicht von 31,8 auf 32 Prozent.

Wäre es darum gegangen, die Anteile durch die Kapitalerhöhung – die eine solche Aktiendividende im Prinzip ist – nicht verwässern zu lassen, hätte es gereicht, sich nur die Hälfte der Papiere in Aktien auszahlen zu lassen. Die KfW hat das getan und ihr Anteil an der Telekom ist mit rund 17,5 Prozent gleichgeblieben. Hätte der Bund dasselbe getan, hätte er immerhin noch 180 Millionen statt nun 120 Millionen Euro Bardividende bekommen.

Fakten zur Telekom

Spitzenreiter in Europa

Die Deutsche Telekom ist mit einem Jahresumsatz von über 60 Milliarden Euro eines der größten europäische Telekommunikationsunternehmen. Der Konzern beschäftigt rund 220.000 Mitarbeiter. Größte Tochter mit mehr als 22 Milliarden Euro Umsatz ist Telekom Deutschland. Außerdem ist die Deutsche Telekom in 12 weiteren Ländern vertreten.

Ein Erbe der Bundespost

Hervorgegangen ist der Konzern aus der Deutschen Bundespost. Um das Staatsunternehmen wettbewerbsfähig zu machen, wurde es von 1990 an in die Geschäftsbereiche Telekom, Postdienst und Postbank aufgeteilt und schrittweise privatisiert. Seit 1995 ist die Deutsche Telekom eine Aktiengesellschaft.

Ein Global Player ...

Der erste Vorstandsvorsitzende Ron Sommer versuchte, den ehemaligen Staatsbetrieb mit Zukäufen in aller Welt zum „Global Player“ zu machen. Heute ist die Deutsche Telekom in 50 Ländern vertreten und erlöst mehr als die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland.

... mit Hoffnung auf die USA

T-Mobile US tat sich gegen die Marktführer AT&T und Verizon lange schwer. Seit dem Zusammenschluss mit dem Wettbewerber MetroPCS und unter der Führung des CEOs John Legere, ist die Kundenzahl wieder deutlich gewachsen, der Umsatz ebenso. Allerdings stehen auch hohe Investitionen an.

AG mit Staatsbeteiligung

Bei mehreren Börsengängen nahm die Telekom Milliarden ein. Dennoch ist der Staat immer noch beteiligt: Die Staatsbank KfW und der Bund halten zusammen 31,7 Prozent der Anteile. Der Anteil der einst hofierten Privatanleger ist auf unter 15 Prozent gefallen, den Rest halten institutionelle Anleger.

Das Finanzministerium erklärt dem Handelsblatt dazu, die Deutsche Telekom hätte mit der Aktiendividende allen Aktionären „ein interessantes Angebot“ unterbreitet: „Bund und KfW haben dieses Angebot unter Berücksichtigung ihrer spezifischen Interessenlagen sorgfältig geprüft und sich an dem Wahlrecht beteiligt.“ Die Auswirkungen auf den Aktienanteil seien für die Entscheidung nicht leitend gewesen.

So erklärt es auch die KfW: „Insgesamt haben Bund und KfW die Bezugskonditionen als attraktives Angebot betrachtet“, sagte eine Sprecherin. „Weder sollte ein wirtschaftlich günstiges Angebot ausgeschlagen noch ein ungünstiges Angebot angenommen werden.“ Deswegen hätten sich Bund und KfW an dem Angebot beteiligt.

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