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07.12.2015

12:40 Uhr

Deutsche Telekom

Wettbewerbswächter fürchten neues Telekom-Monopol

Warnung vor den Plänen der Deutschen Telekom: Die Monopolkommission fürchtet eine zu große Marktmacht auf der sogenannten letzten Meile. Die Telekom wehrt sich gegen Kritik: „Was für ein Unsinn.“

Warnung der Monopolkommission vor zu großer Marktmacht. dpa

Deutsche Telekom

Warnung der Monopolkommission vor zu großer Marktmacht.

BonnDie Monopolkommission befürchtet wegen der umstrittenen Vectoring-Technologie eine zu große Marktmacht der Deutschen Telekom in Teilen des Netzes. Es bestehe die Gefahr, dass es der Bundesnetzagentur nicht gelinge, hier ein Monopol der Telekom im Nahbereich um die Hauptverteiler der sogenannten letzten Meile zu verhindern, sagte Daniel Zimmer, Vorsitzender der Monopolkommission, am Montag bei der Vorstellung eines Sondergutachtens in Bonn.

Vor kurzem hatte die Bundesnetzagentur als Regulierungsbehörde in einem Entwurf empfohlen, der Deutschen Telekom unter bestimmten Bedingungen den Ausschluss von Wettbewerbern zu gestatten, um mit der Vectoring-Technologie schnellere DSL-Internetanschlüsse anbieten zu können.

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Im Streit zwischen der Telekom und ihren Konkurrenten um schnelles Internet für Millionen Haushalte will die Netzagentur den Plan des Ex-Monopolisten weitgehend absegnen. Das bedeutet potenziell weniger Wettbewerb.

Bei einer Umsetzung des Entwurfs drohe eine Zementierung der bestehenden Marktbedingungen, sagte Zimmer. Die Monopolkommission ist ein Beratergremium der Bundesregierung aus Wissenschaftlern. Auch die Wettbewerber der Telekom hatten vor den Plänen des Magenta-Konzerns gewarnt und sich im September in einem Brief an Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) gewandt.

Der Deutschland-Chef der Deutschen Telekom, Niek Jan van Damme, wies am Montag Kritik zurück, sein Unternehmen setze beim Breitband-Ausbau auf die falsche Technologie. Die von der Telekom bevorzugte Vectoring-Technik verhindere auch nicht den Glasfaser-Ausbau, sagte van Damme in einem auf dem Twitter-Streamingdienst Periscope übertragenen Erklärung. „Was für ein Unsinn.“ Die Deutsche Telekom habe im Zuge des Vectoring-Ausbaus 2015 schon 10.000 Kilometer Glasfaser verlegt. „Eine Strecke von Berlin bis nach Rio de Janeiro.“

Beim Vectoring werden für die letzten Meter vom Verteilerkasten am Straßenrand bis zu den Häusern und Wohnungen die herkömmlichen Kupferdrähte verwendet, die in der Regel bereits vorhanden sind. Konkurrenten der Telekom setzen dagegen bislang häufig auf Kabel-TV-Technik und bevorzugen beim Breitbandausbau neu zu verlegende Glasfaser-Verbindungen – auch auf der „letzten Meile“. Damit können deutlich höhere Geschwindigkeiten erzielt werden als über die Kupferleitung, allerdings kostet „Fiber-To-The-Home“ deutlich mehr.

Fördermodelle für ein schnelleres Netz

Breitbandausbau

Die Bundesregierung hat zugesagt, dass jeder Bürger in Deutschland bis zum Jahr 2018 mit einer Geschwindigkeit von 50 Megabit pro Sekunde im Internet surfen kann. In ländlichen Regionen beträgt die Geschwindigkeit heute allerdings oft gerade einmal ein Megabit pro Sekunde. Deswegen ist vor allem der Ausbau im ländlichen Raum nötig, er ist aber wegen der weit auseinander liegenden Ortsteile der Kommunen häufig schwierig - und vor allem teuer. In Deutschland haben sich zwei unterschiedliche Ansätze für den Breitbandausbau im ländlichen Raum etabliert: das Deckungslückenmodell und das Betreibermodell.

Deckungslückenmodell

Dieser Ansatz, für den sich auch die Gemeinde Markt Igensdorf entschieden hat, um an dem Förderprogramm des Freistaates Bayern teilzunehmen, zeichnet sich dadurch aus, dass einem Telekommunikationsanbieter ein Zuschuss gezahlt wird, damit er die Breitbandinfrastruktur in der Kommune aufbaut und betreibt. Das ist das Modell, das Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (Foto) bevorzugt. Nach Auffassung des Deutschen Landkreistages spricht für dieses System, dass der zu zahlende Zuschuss vielfach deutlich geringer ist als die Summe der Investitionen in eine eigene Breitbandinfrastruktur. "Auch wird das wirtschaftliche Risiko auf den Zuschussempfänger verlagert, weil die öffentliche Hand nicht direkt am Netzausbau beteiligt ist", schreibt der Landkreistag in einer Stellungnahme.

Betreibermodell

Bei diesem Ansatz bauen die Kommunen dagegen die Infrastruktur selbst und verpachten diese im Anschluss an einen Betreiber. Für dieses System spreche, dass der öffentlichen Hand "die aus der Verpachtung resultierenden Erträge zufließen", heißt es in der Stellungnahme des Landkreistages. Und diese Mittel könnten nicht nur zur Refinanzierung der getätigten Investitionen, sondern auch "für den künftigen Netzausbau" eingesetzt werden. "Beim Deckungslückenmodell ist demgegenüber damit zu rechnen, dass für jeden weiteren Ausbau des Netzes weitere Finanzmittel der Kommune nötig sind", heißt es in der Stellungnahme weiter.

Ziel der Telekom sei es, möglichst vielen Menschen einen schnellen Internetzugang zu bieten, meinte dagegen van Damme. „Und auch deshalb treiben wir den Vectoring-Ausbau voran. Dieser Ausbau ist um den Faktor 5 schneller und den Faktor 10 günstiger als ein reiner Glasfaser-Ausbau.“ Die Telekom werde noch im Dezember 1,4 Millionen Haushalte in Deutschland Vectoring-fähig machen. Im Jahr 2015 seien insgesamt rund 4,6 Millionen Haushalte für Vectoring-Verbindungen vorbereitet worden.

Die Telekom hatte im Frühjahr bei der Behörde den Antrag gestellt, den Bereich um die Hauptverteiler in ganz Deutschland exklusiv mittels Vectoring auszubauen. Im Gegenzug für die Erlaubnis hat die Telekom angeboten, die Investition in den Ausbau von rund einer Milliarde Euro in einem öffentlich-rechtlichen Vertrag mit der Bundesnetzagentur abzusichern.

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