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11.12.2013

00:21 Uhr

Deutsche Umwelthilfe

„Smartphones als Wegwerf-Produkte konzipiert“

Die Deutsche Umwelthilfe nimmt sich Smartphone-Hersteller vor: Geräte seien bewusst so gebaut, dass sie nach wenigen Jahren nicht mehr funktionierten. Verbindliche Qualitätsstandards für Billigartikel seien notwendig.

Kurze Lebensdauer: Die Deutsche Umwelthilfe hat Smartphone-Herstellern vorgeworfen, die Geräte bewusst kurzlebig zu konzipieren. dpa

Kurze Lebensdauer: Die Deutsche Umwelthilfe hat Smartphone-Herstellern vorgeworfen, die Geräte bewusst kurzlebig zu konzipieren.

OsnabrückDie Deutsche Umwelthilfe hat Smartphone-Herstellern vorgeworfen, Geräte bewusst so zu bauen, dass sie nach wenigen Jahren nicht mehr funktionieren. Handys würden beispielsweise durch die kurze Lebensdauer der Akkus so konzipiert, dass sie nur wenige Jahre nutzbar seien, sagte Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwochausgabe). Dadurch nähmen Verbraucher Smartphones zunehmend als Wegwerf-Produkte wahr.

Die Umwelthilfe forderte von der Bundesregierung zudem verbindliche Standards für Billigwaren. Es müsse sichergestellt werden, dass angebotene Waren eine "vernünftige Lebensdauer" hätten, sagte Resch.

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Dass Billigartikel nach kurzer Zeit kaputt gingen, sei eine Kostenfalle: "Der Verbraucher wird dazu verleitet, laufend neue Produkte zu kaufen, die dann nur sehr kurz leben. Insgesamt zahlt er dadurch mehr." Freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie reichten nicht aus, um Mindeststandards für Ein-Euro-Artikel zu erreichen, sagte Resch. Daher sei der Gesetzgeber in der Pflicht.

Bereits eine im Frühjahr im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen vorgelegte Studie hatte gezeigt, dass die Wirtschaft bei der Konstruktion und Herstellung ihrer Produkte einen frühen Verschleiß häufig schon mit einplant. Dies wird auch als "geplante Obsoleszenz" bezeichnet.

Von

afp

Kommentare (5)

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kfvk

11.12.2013, 08:56 Uhr

Eine etwas merkwürdige Mischung: Smartphones und ein Euro Artikel in einem Topf.
Von ein Euro Artikeln erwartet wohl kein vernünftiger Mensch, dass sie qualitativ irgendetwas zu bieten haben bzw. er kauft sie erst gar nicht.
Bei Smartphones sieht das etwas anders aus. Aber die kosten im Laden zwischen ca. 200 und 600€. Das Gerücht, dass Geräte so konzipiert werden, dass sie eine "Sollbruchstelle" aufweisen und nach einer vom Hersteller geplanten Zeitspanne irreparabel defekt werden, hält sich nun schon lange, ohne dass der Beweis dafür zu führen wäre. Natürlich kann man sich vorstellen, dass ein Totalausfall gleich nach Ablauf der Gewährleistungsfrist etwas wunderschönes für jeden Lieferanten sein müsste, aber so einfach ist dieses Ziel nicht zu erreichen. Den Akku z. B. kann man doch ersetzen -- das ist kein Hexenwerk.
Es gibt eine viel einfachere Sache mit der die Hersteller ihre Umsätze ankurbeln: mit dem Verbraucherverhalten. Da viele der Meinung sind, nach zwei Jahren müsse ein aktuelles Modell her und dieser Wechsel in vielen Verträgen mitbezahlt wird, deshalb fehlt oft das Bewusstsein dafür, welch teures Spielzeug sie in der Hand halten und geben es eben nach zwei Jahren weg, selbst wenn es noch bestensfunktioniert. Auch großzügige Ratenzahlungsangebote gehen in diese Richtung und verschleiern den wahren Preis.
Und was früher die Grafikkarte bzw. der PC war, wo leistungsfähigere Hardware und anspruchsvollere Software den steten Neukauf von beidem nahelegten, ist diese Funktion heute den Smartphones zugefallen, die mit entsprechender Software auch immer mehr können, dafür aber auch meist das neueste Modell erfordern. Und natürlich wäre es dann für den Hersteller auch verkehrt ein Gerät zu konstruieren und zu bauen, was deutlich länger hält als es der Verbraucher nutzen will. Aber so fünf, sechs Jahre halten sie schon bei normalem Gebrauch (also nicht 24h lang immer auf die selben Tasten drücken, weil man das Handy mit der Spielkonsole verwechselt)

Account gelöscht!

11.12.2013, 10:15 Uhr

Es ist doch schon seit Jahrzehnten so von der Wirtschaft gewollt, dass es sich nicht lohnt Geräte zu reparieren, sondern stattdessen gleich neue zu kaufen, um den Umsatz zu steigern. Natürlich spielt das Verbraucherverhalten hier eine große Rolle. Der Verbraucher läßt sich immer leichter beeinflussen. Und hinzu kommt noch, dass es heutzutage immer wichtiger ist, das neueste und vermeindlich beste Gerät in den Händen zu halten. Neue Modelle und bessere Technik kommen in immer kürzeren Zeitintervallen auf den Markt. Materialistisch verseuchte Gesellschaft halt. Über Ressourcenverschwendung wird hier nicht nachgedacht. Wir leben schlichtweg in einer Wegwerf-Gesellschaft getreu dem Motto "Nach mir die Sintflut". Es ist einfach nur traurig, wenn man sieht wie viele Millionen Menschen diesem Trend Tag für Tag nachahmen...

Der_Technker

11.12.2013, 11:01 Uhr

Natürlich sind die allermeisten Produkte auf eine begrenzte Lebensdauer ausgelegt - kein Hersteller will, daß sein heute verkauftes Mobiltelephon wirklich lange hält.
Ich versuchte immer wieder die Lebenszeit eines etwa 10Jahre alten Mobiltelefons zu verlängern. Das scheitert mittlerweile an der Verfügbarkeit hochwertiger originaler Akkus.

Neben dem Aspekt der Müllvermeidung hatte das alte Mobiltelephon entscheidende Vorteile:
- Es hat keine Kamera. Wenn man sich öfter Mal in Bereichen bewegt, in denen auf erhöhte Vertraulichkeit Wert gegelt wird sind Kameras tabu. Ich will trotzdem telefonieren können.
- Die Sprachqualität ist top, fast mit Festnetz zu vergleichen.
- Das Telefon ist physisch robust, simpelst zu bedienen/abzulesen und hatte da es kein Billigmodell war z.B. auch Bluetooth zur Kopplung an Freisprecheinrichtungen. Das funktioniert auch heute noch völlig problemfrei.

Solche Telefone werde heute neu nur von (billig-) Nischenanbietern angeboten, bei denen man dann auch nach kurzer Zeit keinen Support mehr hat.

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