Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.01.2014

07:43 Uhr

Deutschland-Geschäft

Twitter startet Werbe-Offensive

VonChristof Kerkmann

ExklusivTwitter will endlich profitabel werden: Der Kurznachrichtendienst baut auch in Deutschland einen Vertrieb auf. Er soll große Unternehmen überzeugen, Werbung zu schalten. Es geht aber nicht nur ums Verkaufen.

Twitter ist seit November an der Börse – und muss jetzt beweisen, dass das Geschäftsmodell trägt. ap

Twitter ist seit November an der Börse – und muss jetzt beweisen, dass das Geschäftsmodell trägt.

DüsseldorfWenn irgendwo auf der Welt etwas passiert, dauert es nicht lange, bis man bei Twitter etwas darüber erfahren kann. Politiker, Promis, der Papst und 230 Millionen weitere Menschen nutzen den Internet-Dienst. Doch trotz dieser riesigen Reichweite fährt das US-Unternehmen Verluste ein. Das will das Management ändern – und Deutschland spielt dabei eine bedeutende Rolle: Twitter baut einen Vertrieb auf, der große deutsche Unternehmen als Werbekunden gewinnen soll.

„Wir rekrutieren gerade einen Geschäftsführer, der die Aufgabe hat, ein Sales-Team zusammenzustellen“, sagte Twitter-Manager Ali Jafari im Gespräch mit dem Handelsblatt. Dieses werde anfangs aus einer „Handvoll Mitarbeitern“ bestehen, aber wachsen, sobald sich das Potenzial des Marktes einschätzen lasse. Deutschland sei für Twitter wichtig, betonte der Chef des europäischen Vertriebs. „Wir müssen investieren, um erfolgreich zu sein.“

Das neue Team soll die Beziehungen zu großen Markenunternehmen pflegen. Dabei gehe es nicht nur um den Verkauf von Werbung, betonte Jafari: „Deutschland ist ein junger Markt. Wir wollen zunächst möglichst viele Unternehmen dazu bringen, Twitter zu nutzen.“ Der entscheidende Wert sei zunächst, wie viele der Top-Marken auf der Plattform aktiv werden. Nur wenn ein Unternehmen Twitter schon nutze, ergebe eine Marketingkampagne Sinn. Der Vertrieb soll zudem Kontakte zu den großen Media-Agenturen knüpfen, die im Auftrag anderer Firmen Werbeetats verteilen.

Daten und Fakten zu Twitter

Nutzerzahl wächst rasant

Twitter hat – Stand: November 2013 – gut 230 Millionen aktive Nutzer im Monat. Im März 2012 – die früheste Zahl, die der Dienst im Börsenprospekt nennt – waren es erst knapp 140 Millionen. Pro Tag werden rund 500 Millionen der Tweets genannten Kurznachrichten abgesetzt.

Werbegeschäft in den Anfängen

Twitter ist gerade erst dabei, sein Werbegeschäft mit Anzeigen im Nachrichtenstrom der Nutzer auf die Beine zu stellen. Von 2011 auf 2012 verdreifachte sich der Umsatz auf knapp 317 Millionen Dollar. Von Januar bis September 2013 übertraf Twitter diesen Wert bereits mit 422,2 Millionen Dollar.

Immer noch in den Miesen

Dem Unternehmen gelingt es bisher nicht, das Wachstum in Gewinne umzumünzen. Denn die Kosten für Betrieb und Entwicklung steigen ebenfalls. In den ersten neun Monaten 2013 fiel ein Verlust von 133,8 Millionen Dollar an. Seit dem Start türmte sich bereits ein Minus von 483,2 Millionen Dollar auf.

Kurz, schnell, mobil

Der Dienst ist fest auf Smartphones und Tablets verwurzelt: Drei Viertel der Nutzer griffen von mobilen Geräten auf Twitter zu und dort wurden auch 70 Prozent der Umsätze erwirtschaftet.

Abhängig vom US-Geschäft

Die USA sind für das Twitter-Geschäft überdurchschnittlich wichtig: Im Heimatmarkt werden drei Viertel der Umsätze erwirtschaftet, während dort weniger als ein Viertel der Nutzer lebt. Das internationale Geschäft in Gang zu bringen, gilt als Herausforderung und Chance für die Zukunft.

Mehr wert als Adidas

Schon zum Ausgabepreis von 26 Dollar je Aktie war Twitter 14,2 Milliarden Dollar wert (etwa 10,5 Mrd Euro). Mit dem ersten Kurs von 45,10 Dollar lag der Unternehmenswert bereits bei rund 25 Milliarden Dollar, derzeit notiert die Aktie noch höher. Damit ist Twitter teurer als etwa der Sportartikel-Hersteller Adidas oder der Energieversorger RWE.

Das Soziale Netzwerk vermarktet keine klassischen Anzeigen. Kunden können stattdessen eigene Inhalte gegen Gebühr prominent anzeigen lassen. Wenn etwa ein Handyhersteller mit den 140 Zeichen kurzen Nachrichten seine Produkte anpreist, erhöht er mit sogenannten „promoted tweets“ die Reichweite. Zuletzt hatte etwa Microsoft-Gründer Tweets beworben, in denen er auf den Jahresbrief der Bill & Melinda Gates Foundation hinwies. Werbekunden können sich auch einen Platz in der Liste der populären Themen erkaufen oder über die Vorschlagsfunktion des Netzwerks beim Aufbau einer Fangemeinde helfen lassen.

Twitter hat bislang in Deutschland ein vierköpfiges Team unter der Leitung von Rowan Barnett, das Verlage und TV-Sender, Sportler, Politiker und Prominente für den Dienst gewinnen und betreuen soll. An dessen Rolle verändere sich nichts, betonte Jafari.

Für das börsennotierte Unternehmen ist der Ausbau des internationalen Geschäfts ein wichtiger Schritt, um profitabel zu werden. Bislang steht und fällt der Erfolg mit dem US-Geschäft: Auf dem Heimatmarkt erwirtschaftet Twitter drei Viertel der Umsätze, obwohl dort nur ein Viertel der Nutzer lebt.

Das Unternehmen baut gerade erst sein Anzeigengeschäft auf. In den ersten neun Monaten 2013 wuchs der Umsatz auf 422 Millionen Dollar, wegen der hohen Kosten stand unterm Strich jedoch ein Minus. Aktuelle Zahlen legt Twitter in der kommenden Woche vor.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×