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13.04.2017

12:36 Uhr

Diabetes-Therapie

Wie Apple den Medizin-Markt erobern will

VonBert Fröndhoff

Die Tech-Größen aus dem Silicon Valley erobern den Medizin-Markt. Apple und Google wollen mit modernen Sensoren die Diabetes-Therapie revolutionieren. Warum ein Durchbruch aber noch nicht in Sicht ist.

Auf dem Apple-Campus forschen Wissenschaftler an einer neuen Diabetes-Therapie. Reuters, Sascha Rheker

Silicon Valley

Auf dem Apple-Campus forschen Wissenschaftler an einer neuen Diabetes-Therapie.

DüsseldorfEs ist die Volkskrankheit Nummer eins und ein riesiger Markt für die Gesundheitsbranche: Mehr als 400 Millionen Menschen sind weltweit an Diabetes erkrankt, als einer chronischen Erhöhung des Blutzuckerwertes. Die Zahl der Patienten hat sich seit 1980 vervierfacht, allein in Deutschland erkranken Schätzungen zufolge jedes Jahr 300.000 Menschen neu.

Wer Diabetes hat, muss regelmäßig seinen Blutzucker messen und sich das Hormon Insulin spritzen – ein einträgliches Geschäft für Medizintechnikhersteller und Pharmafirmen. Doch die sind längst nicht mehr allein: Die Technologiekonzerne aus dem Silicon Valley haben sich die Behandlung von Diabetes zum neuen Mega-Markt erklärt.

Das jüngste Signal dafür kommt von Apple. Laut dem US-Sender CNBC hat der iPhone-Konzern ein Team von rund 30 Wissenschaftlern zusammengestellt, die außerhalb der Zentrale in Palo Alto an einer neuen Messtechnologie arbeiten: Es geht um Sensoren, die kontinuierlich den Blutzuckerwert überwachen. Der Clou: Die Apple-Technologie soll ermöglichen, dass die Werte ohne Durchstechen der Haut ermittelt werden können.

Zucker – der süße Energielieferant

Kohlenhydrat

Zucker ist ein Kohlenhydrat und hat einen hohen Kaloriengehalt. Der Energielieferant kommt in der Natur in verschiedenen Formen vor.

Quelle: dpa/zentrum-der-gesundheit.de

Haushaltszucker

Der Haushaltszucker (Saccarose) wird hauptsächlich aus Zuckerrohr und wie in Deutschland aus Zuckerrüben gewonnen.

Zucker hat viele Namen (1)

Es gibt verschiedene Sorten wie Kristallzucker, Puderzucker, Würfelzucker oder Kandis. In westlichen Gesellschaften ist der Konsum von raffiniertem Zucker zur täglichen Sucht geworden.

Zucker hat viele Namen (2)

Der Zuckergehalt eines Produktes wird häufig absichtlich vor dem Konsumenten „versteckt“. In der Zutatenliste des Etiketts wird der Zucker nämlich nicht unbedingt auch als solcher deklariert. Da steht vielleicht Saccharose oder Glukosesirup (als billiger Ersatz für Haushaltszucker, der nicht minder gefährlich ist).

Zucker hat viele Namen (3)

Oft enthalten Produkte auch reinen Traubenzucker (Glucose), Fruchtzucker (Fructose), Milchzucker (Laktose) oder Malzzucker (Maltose). Bei all diesen Zuckerarten handelt es sich um raffinierte Industriezucker – ganz egal, ob sie nun aus der Milch oder aus Früchten gewonnen wurden.

Fruchtzucker

Fruchtzucker, auch Fruktose genannt, klingt gesünder, hat aber keinen geringeren Energiegehalt als Kristallzucker. So müssen Diabetiker den Fruchtzucker wie normalen Zucker berechnen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist darauf hin, dass ein Übermaß an Fruktose in der Ernährung die Entwicklung von Fettleibigkeit begünstigt.

Künstliche Süßstoffe

Aspartam ist ein bekannter Süßstoff, der synthetisch hergestellt wird. Er ist in Softdrinks und Kaugummi weit verbreitet. Es gibt immer wieder Debatten, ob künstliche Süßstoffe gesundheitsgefährdend sind. Aspartam wurde in Deutschland 1990 zugelassen, die erlaubte Tagesdosis beträgt 40 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Natürliche Süßstoffe (Stevia)

Das zerkleinerte Stevia-Blatt ist 30-mal süßer als Kristallzucker. Wird der Süßstoff aus dem Blatt isoliert, erhält man den Süßstoff Steviosid, der 250- bis 300-mal süßer als Zucker ist. Ein weiterer Stoff, der aus der Pflanze gewonnen werden kann, ist das Rebaudiosid-A – 300- bis 450-mal süßer als Zucker.

Gesundheitsrisiko

Heute wird darüber diskutiert, ob Zucker ein Gesundheitsrisiko ist. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker ist in Deutschland und den USA mit mehr als 30 Kilogramm jährlich ähnlich hoch.

Maissirup

Die Amerikaner konsumieren aber mehr Maissirup, der häufig in Softdrinks verwendet wird. Er trägt möglicherweise zu Fettleibigkeit und einigen Erkrankungen bei.

Das würde für Betroffene die unangenehme Messung per Stich und Messgerät deutlich erleichtern. Die jüngste Form der Überwachungstechnik kommt bislang vom US-Medizintechnikkonzern Abbott. Es ist ein Sensor, der am Oberarm befestigt wird und in die Haut eindringt. Die Patienten können mit einem Lesegerät über den Sensor streichen und auf diese Weise ständig ihren Blutzuckerspiegel messen. Alle 14 Tage muss der Sensor ausgetauscht werden.

Wie genau die Apple-Technologie aussehen könnte, ist nicht bekannt. Doch Projekte anderer Technologiekonzerne geben Hinweise: So arbeitet Google seit zwei Jahren gemeinsam mit dem Schweizer Pharmakonzern Novartis an einer Kontaktlinse, mit der Blutzucker-Werte bestimmt werden können. Das geschieht über die Tränenflüssigkeit. Bisher haben die Unternehmen aber noch keinen Prototypen hergestellt, die für Ende 2016 geplante Testphase wurde nach hinten verschoben.

Das zeigt, wie komplex eine solche Technologie zur Blutzuckermessung ist, bei der nicht in die Haut gepikst wird. Auch von Apple ist dabei kurzfristig kein Durchbruch zu erwarten. Dass der Konzern die Diabetes-Behandlung als neues Geschäft auserkoren hat, zeichnete sich bereits im Sommer 2016 ab, als Apple den renommierten Diabetes-Arzt Rajiv Kumar von der Stanford Clinic verpflichtete.

Apple und Google investieren seit einigen Jahren stark in die Medizintechnik. Denn auch hier geht es um das Kerngeschäft mit Daten: Apples Diabetes-Sensor könnte den Blutzuckerspiegel permanent ans iPhone oder an die Apple-Watch übertragen, wo er mit Hilfe von Apps analysiert wird.

Verbunden mit Daten über die Bewegung und Ernährung des Patienten könnte die Erkrankung so besser verstanden und therapiert werden. Apple stellt bereits mehrere Apps bereit, mit denen Patienten sich mit ihrem Arzt vernetzen können oder an klinischen Studien teilnehmen können. 

Versorgung in Gefahr?: Diabetes-Gesellschaft schlägt Alarm

Versorgung in Gefahr?

Diabetes-Gesellschaft schlägt Alarm

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft sieht die Versorgung von Diabetikern in Gefahr und wünscht sich Änderungen im Gesundheitssystem. Würden diese umgesetzt, wären aber nicht unbedingt die Patienten die größten Profiteure.

Die Tech-Szene im Valley hat die sogenannte Bioelektronik zum nächsten heißen Markt erklärt. Google-Mutter Alphabet hat im Herbst 2016 die gemeinsamen Pläne mit dem französischen Arzneispezialisten Sanofi vorgestellt. Ein Joint-Venture soll Geräte entwickeln, die den Patienten automatisch die korrekte Menge an Insulin verabreichen. Mit dem britischen Pharmakonzern Glaxo Smithkline betreibt Alphabet ebenfalls ein Gemeinschaftsunternehmen. Dabei geht es um die Entwicklung von winzigen, bioelektronisch gesteuerten Geräten, mit denen die Nervensignale im Körper beeinflusst werden können. Damit sollen chronische Erkrankungen wie Diabetes und Asthma besser behandelt werden.  

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