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12.06.2015

01:21 Uhr

Dick Costolo

Twitter wechselt Vorstandschef aus

VonAxel Postinett

Stühlerücken bei Twitter: Vorstandschef Dick Costolo tritt zum 1. Juli ab. Mitgründer Dorsey springt ein, bis der Posten neu besetzt ist. Spekulationen um eine Übernahme durch Google oder Facebook bekommen neue Nahrung.

Dick Costolo

Twitter-Chef schmeißt hin und verkündet Nachfolger per Tweet

Dick Costolo: Twitter-Chef schmeißt hin und verkündet Nachfolger per Tweet

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San FranciscoTwitter ist die Drama-Queen des Silicon Valley. Vorstände werden verschlissen, die Zerstrittenheit der Gründer ist Legende. Beim mittleren Management wäre es gut eine Drehtür auf der Etage einzubauen, die dann gleich noch als Ventilator dienen könnte. Da passt es geradezu theatralisch gut, dass nun auch der Vorstandschef selbst, Dick Costolo, geht.

Gründe wurden nicht genannt, aber Spekulationen über seine Person kursieren schon länger. Jetzt muss es zum endgültigen Zerwürfnis gekommen sein. Mitgründer Jack Dorsey wird als Interims-Chef einspringen, weil es noch keinen Nachfolger gibt. Die Suche soll sofort beginnen. Doch der Posten ist ein Schleudersitz.

Der Investor und Mitgründer von PayPal, Peter Thiel, bezeichnete Twitter einmal öffentlich auf CNBC als „schrecklich schlecht geführt“ und da würde wohl irgendwie zu viel Hasch geraucht. Costolo wechselte in schneller Folge wichtige Mitarbeiter aus. Noch vor zwei Wochen auf der Konferenz „Recode“ nach der eigenen Zukunft befragt antwortete er lässig: „Der Aufsichtsrat und ich sind auf einer Linie. Da mache ich mir keine Sorgen.“ Doch so schnell kann sich das ändern.

Die Twitter-Aktie gewann nachbörslich bis zu sieben Prozent. Von der Wall Street kamen immer die lautesten Stimmen, die seinen Rücktritt forderten. Dann fiel sie wieder auf plus zwei Prozent. Offenbar ist den Anlegern klar geworden, dass die Probleme vielleicht gerade jetzt erst anfangen.
„Unglücklicherweise ist das keine überraschende Meldung“, kommentiert Forrester-Analyst Nate Elliott. „Unter dem Strich bedient Twitter weder seine Nutzer noch seine Werbekunden optimal.“ Plattformen wie Facebook, Google oder LinkedIn haben sich in den vergangenen Jahren konstant verändert und heute praktisch nur noch im Kern das, was sie bei der Gründung einmal waren. Twitter dagegen ist immer noch derselbe Kurzmitteilungsdienst mit 140 Zeichen. Videodienste wie Periskop wurden angegliedert, leben aber isoliert vom Hauptprodukt.
Twitter ist auch einfach zu schwierig zu verstehen. Selbst der Finanzchef, Anthony Noto, langte im November 2014 medienwirksam daneben, als er eine eigentlich als privat gedachte Mitteilung über eine anstehende Akquisition ungewollt in die ganze Welt hinaus posaunte. Wenn das eigene Management den Dienst nicht im Schlaf beherrscht, wer dann?

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