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23.08.2013

16:23 Uhr

Die Abschiedsmail von Steve Ballmer

„Ich liebe diese Firma“

Microsoft-Vorstandschef Steve Ballmer hat in einer E-Mail an die Mitarbeiter seinen Rückzug von der Spitze des Unternehmens angekündigt. Einen Nachfolger präsentiert er nicht – hat aber bestimmte Vorstellungen.

In einer E-Mail sichert Steve Ballmer zu, als Aktionär Microsoft treu zu bleiben. Reuters

In einer E-Mail sichert Steve Ballmer zu, als Aktionär Microsoft treu zu bleiben.

Steve Ballmers E-Mail an die Mitarbeiter:

„Ich schreibe euch, um zu mitteilen, dass ich mich innerhalb der kommenden zwölf Monate als CEO von Microsoft zurückziehen werde, nachdem ein Nachfolger ausgewählt wurde. Es gibt niemals den perfekten Zeitpunkt für einen solchen Übergang, aber jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Meine ursprüngliche Idee über den Zeitpunkt hätte meinen Rückzug in der Mitte unseres Umbaus geschehen lassen [auf dem Weg] zu einer Geräte- und Dienstleistungsfirma, die sich darauf konzentriert Kunden Möglichkeiten für die Tätigkeiten zu geben, die sie am meisten schätzen. Wir brauchen einen CEO, der für diese Richtung für eine lange Zeit hier sein wird. (...)

Es ist die Zeit einer wichtigen Transformation für Microsoft. Unser neues Management-Team ist unglaublich. Die Strategie, die wir entwickelt haben, ist erste Klasse. Unsere neue Organisation, die sich um Funktionen und technologische Felder dreht, ist richtig für die künftigen Möglichkeiten und Chancen.

Steve Ballmers Karriere

Geburt und Studium

Steven Anthony („Steve“) Ballmer wurde am 28. März 1956 als Sohn eines Schweizers und einer jüdischen Amerikanerin in Detroit geboren. An der Harvard University studierte er von 1974 bis 1977 Mathematik und Ökonomie. Dort lernte er Bill Gates kennen, der das Studium abbrach und 1975 Microsoft gründete. Fortan ist der Name Ballmer untrennbar mit Microsoft verknüpft.

Einstieg bei Microsoft

Nach einer kurzen Station bei Procter & Gamble begann Ballmer 1980 als erster Manager bei Microsoft in der Funktion des Vice President for Marketing. Schon bald stieg er zum Mann hinter Gründer Bill Gates auf. Im selben Jahr bekam Microsoft den Auftrag für IBM ein Betriebssystem zu entwickeln. So entstand MS-DOS. Der Umsatz stieg innerhalb eines Jahres von 16.000 auf 16 Millionen US-Dollar.

Das Unternehmen wächst rasant

Microsoft profitierte von Aufstieg des Personal Computers – der Konzern machte mit seinen Betriebssystemen von Windows 3.1 bis Windows 7 Milliardenumsätze. Noch immer ist Windows mit einem Marktanteil von über 90 Prozent das meistverbreitete Betriebssystem auf PCs.

Aufstieg zum CEO

Gemeinsam mit Bill Gates arbeitet Ballmer ab 1992 an der Diversifizierung des Konzerns. Unter Ballmers Führung integrierte Microsoft erstmals massiv das Internet in das Betriebssystem Windows. Ab 1998 leitete Ballmer das operative Geschäft, schon zwei Jahre später wurde er zum Geschäftsführer ernannt. Bill Gates blieb leitender Softwareentwickler und Chairman des Verwaltungsrates. Die Doppelspitze aus Ballmer und Gates bewährte sich. Bei der Belegschaft wurde Ballmer durch emotionale Auftritte berühmt. Wachstumsschwerpunkte setzte Ballmer in Konzernumstrukturierungen in der mobilen Kommunikation und mit Firmenkunden-Programmen.

Anschluss bei Smartphones verpasst

Nach Meinungen der Beobachter hat Microsoft jedoch zu lange auf seine monopolistische Stellung und auf das bewährte Softwaregeschäft vertraut. In den folgenden Jahren verschläft Microsoft die Innovationen, die Apple mit iPod und iPhone veröffentlichte und verliert den Status als wertvollste IT-Marke an den Konkurrenten. Das US-Magazin Forbes kürte Ballmer zum schlechtesten CEO einer amerikanischen Firma, da er sein Unternehmen „im Alleingang aus einigen der am schnellsten wachsenden und lukrativsten Märkte – Smartphones, Tablets– heraus gesteuert“ habe.

Innovationen und Kartellstrafen

Microsoft passt sich jedoch an die neue Zeit an. 2012 bringt der Software-Hersteller Windows 8 heraus, das für die Bedienung per Touchscreen optimiert ist und somit auch auf Tablet-Computern läuft. Zudem baut der Konzern mit dem Surface erstmals einen eigenen Computer. Das Handy-Betriebssystem Windows Phone überarbeitet Microsoft bereits in den Vorjahren.

Mehrere Kartellrechtsverfahren in den USA und Europa zwingen Microsoft jedoch zu hohen Geldstrafen. Umsatz und Gewinn von Microsoft schrumpfen, Stellen werden gekürzt.

Rücktrittsankündigung

Am 23. August 2013 kündigt Ballmer nach 33 Jahren bei Microsoft an, in den nächsten zwölf Monaten zurückzutreten. Er hat mittlerweile ein geschätztes Vermögen von 15,2 Milliarden Dollar anhäufen können - und durch den angekündigten Rücktritt stieg sein Vermögen um eine Milliarde Dollar wegen des steigenden Aktienkurses. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

Quelle: Munzinger Personenarchiv

Microsoft ist ein unglaublicher Ort. Ich liebe diese Firma. Ich liebe die Art, wie wir geholfen haben das Computerwesen und den PC zu erfinden und populär zu machen. Ich liebe die Größe und den Mut unserer Wetten. Ich liebe unsere Leute und ihre Fähigkeiten und unsere Bereitschaft, ihre Bandbreite an Begabungen einzubeziehen – einschließlich ihrer Eigenheiten. Ich liebe den Weg, wie wir andere Unternehmen einbeziehen und mit ihnen arbeiten, um die Welt zu ändern und gemeinsam erfolgreich zu sein. Ich liebe die Bandbreite und Verschiedenheit unserer Kunden, von Endverbrauchern bis Firmen, über Branchen, Länder und Menschen aller Hintergründe und Altersgruppen.

Kommentare (5)

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VeitBrassig

23.08.2013, 18:58 Uhr

Das wurde Zeit ! Spätestens seit dem legendären Interview über die Marktchancen eines Telefons von Apple (das iPhone) und seinem Gelächter über das Telefon, war kalr, das er vielleicht nicht der richtige Mann für diesen Job ist und Bill Gates nicht ersetzen kann.
Ich bin gespannt, wer oder was jetzt kommt ... Chancen hat Microsoft immer noch ...

OpenSourcer

23.08.2013, 19:29 Uhr

Der durchgeknallte Scharlatan Ballmer geht, hoffentlich verschwindet auch Microsoft bald!

HJR

23.08.2013, 22:34 Uhr

Man kann halten was man will von Microsoft aber was Steve Ballmer an Leidenschaft für sein Unternehmen leben und zeigt und was für ein Ergebnis während seiner Amtszeit (Umsatz/Gewinn) erreicht wurde werden Unternehmen wie SAP oder Salesforce.com nie erreichen. Mein Respekt für seine Leistung auch wenn die Entscheidung sicherlich richtig ist Platz zu machen für ein jetzt nicht einfach zu findenden Leader für das größte Software Unternehmen aller Zeiten.

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