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23.07.2015

20:13 Uhr

Digitale Abstinenz

Herr Marrenbach schaltet das Internet aus

VonLin Freitag
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Die ständige Erreichbarkeit über das Smartphone und macht unzufrieden und unproduktiv. In einem Baden-Badener Luxushotel lässt sich deshalb nicht nur das Licht ausknipsen – sondern auch das Internet.

Die meisten Smartphone-Besitzer können ihr Gerät kaum aus der Hand geben. Ob Zuhause, am Arbeitsplatz oder im Urlaub. imago

Ständige Erreichbarkeit im Urlaub

Die meisten Smartphone-Besitzer können ihr Gerät kaum aus der Hand geben. Ob Zuhause, am Arbeitsplatz oder im Urlaub.

Im Großen und im Ganzen neigen die Deutschen nicht unbedingt zu Dekadenz. Doch dieses Gesetz verliert offenbar seine Gültigkeit, sobald es ums Internet geht. Dann blättern Gutbetuchte gerne auch mal bis zu 3200 Euro pro Nacht hin, um in ihrem Hotelzimmer die Verbindung ins World Wide Web zu kappen „Das gönne ich mir jetzt“, hört man die gestressten Manager seufzen, wenn sie mit Wonne auf den Knopf neben dem Bett drücken.

Alle 15 Suiten des Baden-Badener Luxusspas Villa Stephanie, Teil des Brenners Park-Hotels, verfügen über einen solchen Schalter. Ein in die Wände eingearbeitetes Kupfernetz fängt nahezu sämtliche WLAN-Signale ab – auch dann, wenn der Zimmernachbar sein Internet angeknipst lässt.

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Echter Urlaub findet nicht am überfüllten Strand statt, sondern im Kopf. Zwischen Freizeithektik und Stillstands-Terror liegt die Muße, und die macht kreativ. Fünf Schritte helfen – die auch Führungskräfte beherzigen.

Mehr noch: Jedes einzelne Kabel des Hotels wurde dreifach mit Kupferdraht ummantelt. Legt ein Gast den Schalter um, verzichtet er nicht nur aufs Surfen, sondern „relaxt in komplett elektrosmogfreier Umgebung“, sagt Hoteldirektor Frank Marrenbach.

Klingt skurril, ist aber weltweit längst Trend. Der Ursprung der „Digital Detox“-Bewegung befindet sich ausgerechnet im Start-up-Mekka Silicon Valley. Was auf den ersten Blick paradox erscheint, ergibt auf den zweiten Sinn. Levi Felix war einer der Ersten, der technikfreie Wochenenden für gestresste Großstädter anbot.

Was tun gegen die E-Mail-Flut?

Feste Zeiten für E-Mails

E-Mails lenken von der Arbeit ab. Daher ist es ratsam, sich feste Zeiten für die Bearbeitung der elektronischen Post einzurichten und die Benachrichtigungen in der Zwischenzeit auszuschalten. Zumindest wenn es der Job erlaubt.

Jede Nachricht nur einmal lesen

Erst überfliegen, später antworten: Viele Nutzer bearbeiten E-Mails mindestens zwei Mal. Das ist jedoch eine Zeitverschwendung. Sinnvoll ist, sofort zu entscheiden, was zu tun ist.

Eindeutige Absprachen

Je prägnanter, desto besser: Eindeutige Absprachen helfen, die Zahl der E-Mails einzudämmen. Daher sollte man seine Erwartungen klarmachen – das kann auch mit Formeln wie „Zur Information“ oder „Aktivität nötig“ tun.

Abkürzungen im Betreff

Mit einigen Kollegen steht man täglich im Austausch – mit ihnen kann man sich auf eine sehr knappe Sprache verständigen. In einigen Fällen reicht die Betreffzeile aus, so dass man nicht jede Mail öffnen muss. Bestimmte Abkürzungen helfen: EOM (End of message) oder EDN (Ende der Nachricht) etwa signalisiert, dass alles gesagt ist.

Mails in CC vermeiden

Es kann zwar sinnvoll sein, E-Mails an Kollegen oder den Chef in Kopie weiterzuleiten, diese Funktion wird aber oft genutzt, um Verantwortung zu teilen oder weiterzugeben. Insofern ist es sinnvoll, sich über die Nutzung des CC-Feldes zu verständigen. Wer muss was wissen? Im besten Fall kann man alle CC-Mails in einen separaten Ordner laufen lassen und separat bearbeiten.

Suchen statt sortieren

Je mehr Ordner, desto unübersichtlicher wird es. Experten raten daher von einer komplexen Struktur mit dutzenden Fächern ab – die Suchfunktion fördert auch so wichtige Informationen wieder zu Tage.

Im Zweifelsfall anrufen

Wie genau ist das gemeint? In E-Mails gehen Zwischentöne oft verloren. Deswegen eignet sich das Medium nicht für Diskussionen. Im Zweifelsfall greift man besser zum Hörer (oder geht direkt zum Kollegen).

Vor seiner zweiten Karriere als Prophet der Digital-Abstinenzler arbeitete er nämlich selbst als Vizechef eines erfolgreichen Start-ups, arbeitete rund um die Uhr und schlief im Büro. Kurz vor dem Burn-out nahm er eine Auszeit und dachte nach. Dabei kam er zum Schluss, dass sein inflationärer Gebrauch von Smartphone und Tablet schuld am Fast-Zusammenbruch sein müssen.

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