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13.08.2015

13:19 Uhr

Digitale Werbung

Ströer kauft T-Online und Interactive Media

Das Internetportal T-Online und der Digitalvermarkter Interactive Media werden von Ströer übernommen – für rund 300 Millionen Euro. Die Werbefirma bringt damit ihr Digitalgeschäft auf Wachstumskurs.

Das Firmenlogo von T-Online prangt auf dem Dach der Zentrale in Weiterstadt bei Darmstadt: Der Internet-Anbieter soll ab dem vierten Quartal von Stöer übernommen werden. dpa

T-Online

Das Firmenlogo von T-Online prangt auf dem Dach der Zentrale in Weiterstadt bei Darmstadt: Der Internet-Anbieter soll ab dem vierten Quartal von Stöer übernommen werden.

DüsseldorfAm deutschen Online-Werbemarkt werden die Karten neu gemischt. Die Deutsche Telekom verkauft ihre Online-Plattform T-Online und den Digitalvermarkter InteractiveMedia an die mit Reklame auf Plakaten und Litfaßsäulen groß gewordene Werbefirma Ströer. Die Telekom wird dafür Großaktionär von Ströer: Der Bonner Konzern erhält über eine Kapitalerhöhung neue Aktien im Wert von rund 300 Millionen Euro, wie die Unternehmen am Donnerstag mitteilten. Abhängig vom Aktienkurs entspräche dies einer Beteiligung von etwa elf bis 13 Prozent.

„Die Transaktion markiert den Beginn einer neuen Ära für unser Unternehmen“, sagte Ströer-Chef Udo Müller und erhöhte die mittelfristige Prognose. Die Telekom sei überzeugt, dass die beiden Töchter zum Wachstum der Kölner beitragen werden, sagte Telekom-Deutschland-Chef Niek Jan van Damme. „Auch deshalb haben wir uns für den Kaufpreis in Aktien entschieden.“ Anleger feierten den Zukauf. Die Ströer-Aktie gewann zeitweise über 14 Prozent auf ein Rekordhoch von 50,42 Euro und setzte sich damit an die Spitze des Kleinwerteindex SDax. Die Telekom-Aktie notierte gut zwei Prozent im Plus.

Fakten zur Telekom

Spitzenreiter in Europa

Die Deutsche Telekom ist mit einem Jahresumsatz von über 60 Milliarden Euro eines der größten europäische Telekommunikationsunternehmen. Der Konzern beschäftigt rund 220.000 Mitarbeiter. Größte Tochter mit mehr als 22 Milliarden Euro Umsatz ist Telekom Deutschland. Außerdem ist die Deutsche Telekom in 12 weiteren Ländern vertreten.

Ein Erbe der Bundespost

Hervorgegangen ist der Konzern aus der Deutschen Bundespost. Um das Staatsunternehmen wettbewerbsfähig zu machen, wurde es von 1990 an in die Geschäftsbereiche Telekom, Postdienst und Postbank aufgeteilt und schrittweise privatisiert. Seit 1995 ist die Deutsche Telekom eine Aktiengesellschaft.

Ein Global Player ...

Der erste Vorstandsvorsitzende Ron Sommer versuchte, den ehemaligen Staatsbetrieb mit Zukäufen in aller Welt zum „Global Player“ zu machen. Heute ist die Deutsche Telekom in 50 Ländern vertreten und erlöst mehr als die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland.

... mit Hoffnung auf die USA

T-Mobile US tat sich gegen die Marktführer AT&T und Verizon lange schwer. Seit dem Zusammenschluss mit dem Wettbewerber MetroPCS und unter der Führung des CEOs John Legere, ist die Kundenzahl wieder deutlich gewachsen, der Umsatz ebenso. Allerdings stehen auch hohe Investitionen an.

AG mit Staatsbeteiligung

Bei mehreren Börsengängen nahm die Telekom Milliarden ein. Dennoch ist der Staat immer noch beteiligt: Die Staatsbank KfW und der Bund halten zusammen 31,7 Prozent der Anteile. Der Anteil der einst hofierten Privatanleger ist auf unter 15 Prozent gefallen, den Rest halten institutionelle Anleger.

Ströer bringt die Übernahme in seinem neuen Digitalgeschäft einen großen Schritt nach vorne. Mit dem Kauf von InteractiveMedia, dem drittgrößten Online-Vermarkter in Deutschland, stärkt das Unternehmen seine führende Position und ist künftig mit einem Marktanteil von 15 Prozent doppelt so groß wie die Axel-Springer-Tochter Media Impact. Das gibt Ströer auch mehr Kraft, sich gegen US-Größen wie Google oder Facebook zu stemmen. Interactive Media vermarktet Seiten wie „autoscout24.de“, „Bunte.de“ oder „Kicker Online“.

Mit der Übernahme von Deutschlands reichweitenstärksten Online-Angebot T-Online gewinnt Ströer neue Werbeflächen für seine eigenen Inhalte, was die Rendite verbessert. Zudem verstärken die Kölner ihr Angebot an Internetseiten, zu dem etwa „kino.de“ oder „Spieletipps“ zählen. T-Online-Inhalte sollen künftig auch auf Ströer-Bildschirmen flimmern. T-Online bleibe Plattform für Mail-Adressen und das Telekom-Kundencenter.

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