Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.01.2005

09:54 Uhr

Digitalisierung als Hebel zur Reform des Fernsehmarkts

Chancen für öffentliche Sender in Spanien

Im Herbst kommen in Spanien die ersten terrestrischen, digital ausgestrahlten Fernsehprogramme auf den Markt. Insgesamt sollen es nach Ankündigungen des Industrie- und Technikministers José Montilla 22 neue Kanäle werden.

scm MADRID. In diesem neuen Segment wollen die öffentlichen Rundfunkanstalten RTVE Marktführer werden. Insgesamt wollen sie acht Kabelkanäle starten, darunter auch einen Kinderkanal, der bereits im August auf Sendung gehen soll, wie die im vergangenen Jahr neu eingesetzte Generaldirektorin Carmen Caffarel in Madrid bestätigte. Die analoge Ausstrahlung soll nach Wunsch der sozialistischen spanischen Regierung spätestens bis 2010 vom Bildschirm verschwinden, das wäre zwei Jahre früher als geplant.

Für RTVE ist diese Entwicklung eine große Chance, die an die zwei nationalen analogen Privatsender Telecinco und Antena 3 verlorene Marktführerschaft beim Publikum wieder zurückzugewinnen und durch steigende Werbeeinnahmen den in den vergangenen zehn Jahren angesammelten Schuldenstand von rund sieben Milliarden Euro zu reduzieren. Vor allem der von der italienischen Mediaset kontrollierte und an der Börse notierte private Fernsehsender Telecino bricht derzeit auf dem Parkett und beim Publikum alle Rekorde.

Auf Grund der hohen Verluste der zwei öffentlichen TV- und Radiosender fragen sich immer mehr Spanier, ob RTVE überhaupt eine Existenzberechtigung hat, zumal der Inhalt der Programme fast identisch mit dem der Privaten ist. Caffarel unterstrich deshalb noch einmal, dass seit ihrem Amtsantritt „die fast schon komische Manipulation und Instrumentalisierung des öffentlichen Fernsehens“, seitens der konservativen Vorgängerregierung ein Ende gefunden hätte.

Die angesehene Universitätsprofessorin, der eine zu große Nähe zur Regierung nachgesagt wird, sähe gerne, dass die von Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero vor wenigen Monaten eingesetzte Medienreformkommission, die vor allem die Rolle von RTVE neu definieren soll, sich für ein gebührenfinanziertes Modell entscheidet, das auch Werbung erlaubt: „Wir brauchen kommerzielle Einnahmen. Nur so können wir Kulturförderer, Erziehungsinstanz und Sprungbrett für das spanische Kino sein.“ Derzeit finanziert sich RTVE zu 57 Prozent aus Werbeeinnahmen. Zu viel wie die private Konkurrenz findet, die gerne ein größeres Stück des Kuchens für sich beanspruchen würde.

Auch wenn die Ergebnisse der Reformkommission erst in wenigen Monaten auf den Tisch kommen, ist jetzt schon klar, dass Spanien eine unabhängige Instanz für die Medienkontrolle einrichten wird, die unter anderem die Inhalte der Fernsehprogramme prüft. In Spanien beschweren sich Verbraucher- und Elternorganisationen seid Jahren über den wachsenden „Fernsehmüll“ auf den vier offenen, national ausgestrahlten Kanälen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×