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25.01.2010

17:06 Uhr

Digitalisierung

Deutsche Buchverlage erhöhen Druck auf Google

VonHans-Peter Siebenhaar, Axel Postinett

Der Börsenverein fordert einen Verzicht, alle vergriffenen deutschen Bücher in den USA einzuscannen. Auch die Fernsehkonzerne RTL und Pro Sieben Sat 1 sowie zwei deutsche Verlagshäuser greifen das Unternehmen mit einer gemeinsamen Werbevermarktung im Internet an. Derweil verdient Google prächtig.

Diese Ausgabe der Prophezeiungen des Nostradamus aus dem 16. Jahrhundert will Google digitalisieren - wie alle vergriffenen deutschen Bücher. Dagegen wehren sich die deutschen Buchverlage. Reuters

Diese Ausgabe der Prophezeiungen des Nostradamus aus dem 16. Jahrhundert will Google digitalisieren - wie alle vergriffenen deutschen Bücher. Dagegen wehren sich die deutschen Buchverlage.

BERLIN/DÜSSELDORF/SAN FRANCISCO. Google bläst im monatelangen Streit um eine kostenlose Internetbibliothek der Wind ins Gesicht. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels will die Digitalisierung sämtlicher vergriffener deutschen Bücher durch den Internetkonzern in den USA verhindern. "Wir wollen, dass alle deutschen Bücher aus dem Vergleich zwischen Google und den Branchenverbänden in den USA herausgenommen werden", sagt Christian Sprang, Justiziar des Börsenvereins.

Auch die Verwertungsgesellschaft (VG) Wort verstärkt den Druck auf Google. In einem Schreiben an das zuständige New Yorker Gericht, das dem Handelsblatt vorliegt, spricht die Organisation von einer "fortgesetzten Diskriminierung der deutschen Rechteinhaber".

Deutsche Verlage sehen sich bei Verhandlungen vor US-Gericht ausgesperrt

Die Zeit drängt. Am nächsten Donnerstag läuft die Frist für die Anhörung bei einem wegweisenden Vergleich ab. Derzeit verhandelt ein Gericht in New York unter dem Vorsitz des Richters Denny Chin über einen neuerlichen Vergleich zwischen Google und den US-Verlegern. Bislang haben die deutschen Verlage und Autoren nur eine Zuschauerrolle. Die VG Wort, die über 9 000 Verlage vertritt, kritisiert die "systematische Aussperrung" der deutschen Vertreter bei den Verhandlungen über den Vergleich vor einem US-Gericht. Die deutschen Kritiker wollen einen Schutz der Urheber durchsetzen und ein Monopol von Google auf dem digitalen Büchermarkt abwehren.

Bei dem New Yorker Gericht geht es um die Frage, inwieweit das Internetunternehmen vergriffene Bücher digitalisieren und im Internet anbieten darf, ohne dabei Urheberrechte von Autoren und Verlagen zu verletzen. Google hatte zusammen mit dem US-Autoren- und Verlegerverband im Oktober einen Kompromiss vorgeschlagen. Google soll demnach nur noch in den USA, Großbritannien, Australien und Kanada registrierte Bücher einscannen dürfen. "Der Kompromiss ist ein Fortschritt. Denn damit sind 90 Prozent der deutschen Bücher ausgenommen", sagt Rainer Just, Geschäftsführer der VG Wort.

Kommentare (1)

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Stefan Lorenz

26.01.2010, 16:36 Uhr

Welches kommerzielle interesse haben die deutschen buchverlage an vergriffenen, nicht mehr aufgelegten büchern? Mit denen verdienen sie doch ohnehin kein Geld, und was ihnen Google als Entschädigung zahlt (und sei es nur ein kläglicher Anteil dessen Google verdient) ist "windfall profit", und damit besser als nichts.

Man kann sich zudem fragen, wann das interesse der Allgemeinheit auf freien Zugang zu Kultur und Wissen höher wiegt als kommerziellen interessen einiger Verlage.

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