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13.02.2016

17:35 Uhr

Diskriminierung bei Yahoo?

Marissa Mayer und die „Minderleister“

VonAxel Postinett

Yahoo steht vor der Zerreißprobe. Die Gespräche über Massenentlassungen haben begonnen. Marissa Mayer kämpft gleichzeitig gegen den Abstieg, den Aufsichtsrat und gegen möglicherweise kostspielige Klagen vor Gericht.

Auf die Yahoo-Chefin stürzen die Probleme derzeit geradezu ein. dpa

Marissa Mayer

Auf die Yahoo-Chefin stürzen die Probleme derzeit geradezu ein.

San FranciscoDie ersten 107 müssen gehen: Überall in der Zentrale von Yahoo waren am Mittwoch Konferenzräume gebucht. Wer hineingerufen wurde, der wusste, dass es ihn getroffen hat. Kara Swisher von der Silicon-Valley-Insider-Site „Recode“ weiß von „tiefen Einschnitten“ zu berichten, die sich über „weite Bereiche“ des Unternehmens hinzögen.

Es werden bis zu 15 Prozent der Belegschaft sein, hatte Vorstandschefin Marissa Mayer bei der Vorlage der Quartalsergebnissen angekündigt. Die hatten deutlich gemacht, dass ihr versprochener Turnaround bislang nicht eingetreten ist. Im Gegenteil. Der Aufsichtsrat ließ deutlich durchblicken, dass man sich auch nach Alternativen umsehe und sich einen Verkauf von Yahoo, ganz oder in Teilen, vorstellen könnte. Ein offener Affront gegen die einstige Super-Frau Marissa Mayer, einst Star bei Google. Doch Zeit und Geld werden knapp.

Die Vita von Marissa Mayer

Geburt

Marissa Ann Mayer wurde am 30. Mai 1975 in Washington geboren.

Studium

Mayer studierte Informatik an der Stanford University. Nach dem Studium begann sie ihre Karriere beim Research Lab der Großbank UBS in der Schweiz.

Ihre Zeit bei Google

Anfang 1999 fing Mayer bei Google an. Dort wurde sie als Technikerin eingestellt und leitete das für die Webserver verantwortliche Team. Später war Mayer für die Erstellung neuer Google-Produkte zuständig. 2008 wurde sie vom Wirtschaftsmagazin Fortune als jüngste zu den 50 mächtigsten Frauen der Welt gezählt.

Ehrendoktorwürde

2009 erhielt Mayer vom Institute of Technology aus Illinois die Ehrendoktorwürde im Fachbereich Programmierung.

Der Wechsel zu Yahoo

Am 16. Juli 2012 wechselte Mayer von Google zum Konkurrenten Yahoo. Dort wurde sie zur Vorsitzenden der Geschäftsführung ernannt.

Sanierungsprogramm

Beim kriselnden Internetriesen Yahoo startete Mayer sofort ein Sanierungsprogramm. Als erstes wurde im Februar 2013 das Home-Office abgeschafft. „Bei Yahoo zu sein, das ist nicht nur ein Job, den man von Tag zu Tag erledigt. Es geht um eine Zusammenarbeit,
die nur in unseren Büros möglich ist,“ erklärte sie damals.

Einkünfte

Der Job bei Yahoo zahlt sich für Mayer aus. Ihr Gehalt im ersten halben Jahr bei Yahoo betrug fast 37 Millionen US-Dollar. Ihr Privatvermögen wird auf 300 Millionen Dollar geschätzt.

Privatleben

Mayer, die nach einer mehrjährigen Beziehung mit Google-Gründer Larry Page den Investmentbanker Zachary Bogue heiratete, brachte Anfang Oktober 2012 ihr erstes Kind, einen Jungen, zur Welt.

Deshalb nun der peinliche Personalabbau. Den Rausschmiss der erst 107 Angestellten in der Zentrale meldete der Web-Pionier, so wie es die Gesetze in Kalifornien verlangen, ordnungsgemäß beim California Employment Development Departement in einer Pflichtmitteilung an. Die Kündigungen werden zum 11. April wirksam. Die betroffenen Mitarbeiter müssen 60 Tage im Voraus informiert werden. So will es das Gesetz.

Mit dem hat Marissa Mayer es aber nicht immer so genau genommen, behauptet ein Angestellter, der Ende 2014 entlassen wurde. Er wirft der einst als rettender Engel gefeierten Vorstandschefin falsches Spiel mit manipulierten Personalbewertungen vor, um eine Massenentlassung 2014 zu vertuschen. Dafür geht er jetzt bis vor Gericht.

Gregory Anderson hat den Web-Pionier auf Schadenersatz in Millionenhöhe verklagt, weil bei seiner Entlassung, und vielen anderen auch, geschummelt worden sei. Er behauptet, Mitarbeiter seien so wie er absichtlich schlecht bewertet worden, um sie schnell feuern zu können. Das ist alles Unfug, beteuert Yahoo. Das angewandte Personalbeurteilungssystem ermögliche Leistungsträgern im Unternehmen voranzukommen, aber helfe auch, Minderleister herauszubefördern, heißt es in einer Stellungnahme zu der Klageschrift. Aber es bleiben Ungereimtheiten, und am Ende wird das Distriktgericht in San Jose entscheiden müssen. Der finanzielle Schaden dürfte dabei für Marissa Mayer überschaubar bleiben. Aber der Imageschaden für sie und das Unternehmen könnte massiv werden.

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Personalbewertungen sind überall in der Welt üblich und auch im Silicon Valley. Selbst wer an der Weltveränderung programmiert, der muss es sich gefallen lassen, an seiner Leistung gemessen zu werden. Dagegen hat Anderson auch nichts, schließlich hatte er seit seinem Eintritt bei Yahoo gute Noten, Belobigungen und Beförderungen erhalten. Doch dann nahm er 2014, mit ausdrücklicher Genehmigung der Vorgesetzten, den Ruf zu einem renommierten Stipendium an einer Universität in Michigan an und dafür eine Auszeit bei Yahoo. Danach sollte er zurückkommen.

Doch daraus wurde nichts. Obwohl weit weg von Yahoo und Sunnyvale, war er bei der quartalsmäßigen Überprüfung zum Jahresende auf einmal in die fünf Prozent der „Minderleister“ gerutscht und wurde sofort telefonisch und fristlos gekündigt. Nun klagt er dagegen. Seine Begründung: Das Bewertungssystem sei undurchschaubar und werde manipuliert, um gewünschte Ergebnisse zu produzieren. Außerdem würden unter Marissa Mayer ausdrücklich Frauen bei Beförderungen und Einstellungen bevorzugt. Das wäre Diskriminierung und in Kalifornien ein ernstes Problem.

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Suzanne Phillion, Sprecherin bei Yahoo in Sunnyvale, erklärte gegenüber dem Finanzdienst Bloomberg, die Vorwürfe seinen unhaltbar. Außerdem habe Anderson im Januar schriftlich fünf Millionen Dollar gefordert. Das bestreitet Andersons Anwalt Jon Parsons gegenüber Bloomberg auch gar nicht. Das sei die Summe, die sie als Schaden ansetzten. Und er setzt mit Ziel Yahoo noch einen drauf: „Wer nichts Substanzielles zu sagen hat, der ziehst halt den Kläger in den Schmutz.“ Immerhin legte die Yahoo-Chefin einen Tag nach der Klageeinreichung Quartalszahlen vor und diesmal mit der Ankündigung echter Massenentlassungen. 1.500 Mitarbeiter oder mehr sollen gehen. Die Umsätze und Gewinne fallen weiter, eine Trendwende ist nicht in Sicht, während Konkurrent Facebook ein Umsatzplus von 50 Prozent meldet und auch Google fett im Geschäft ist und wächst.

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