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13.11.2015

17:35 Uhr

Diversity-Debatte in der Tech-Industrie

Weiß, männlich, Silicon Valley

VonBritta Weddeling

Google, Apple & Facebook wollen die Zukunft der Menschheit konstruieren. Ihre Macher stammen aus einer erstaunlich homogenen Mittelschicht. Frauen und Afro-Amerikaner sind in den Tech-Firmen unterrepräsentiert. Warum?

Hadiyah Mujhid ist Gründerin der Softwarefirma „Playpen Labs“. Die 36-Jährige erwartet ihr erstes Kind und will nach der Geburt so schnell wie möglich wieder arbeiten. „Natürlich wollen Frauen Unternehmen leiten“, sagt sie selbstbewusst. Jeff Singer für Handelsblatt Magazin

Hadiyah Mujhid

Hadiyah Mujhid ist Gründerin der Softwarefirma „Playpen Labs“. Die 36-Jährige erwartet ihr erstes Kind und will nach der Geburt so schnell wie möglich wieder arbeiten. „Natürlich wollen Frauen Unternehmen leiten“, sagt sie selbstbewusst.

San FranciscoWenn sie wütend werden will, muss sich Nnena Ukuku nur an die Geschichte in dieser Bar erinnern. Wie die weiße Frau ihr den letzten Hocker wegschnappen wollte und sie, die schwarze Kontrahentin, reflexartig zugriff. Wie die andere verärgert auf sie einredete. Das habe sie ja noch nie erlebt, so eine Frechheit, Ukuku solle jetzt endlich den verdammten Stuhl loslassen. Und wie sie selbst immer verbissener wurde und so lange um ihren Platz kämpfte, bis sie den blöden Hocker am Ende behalten durfte.

Es gab im Leben der Jurastudentin aus Atlanta viele solcher kleinen und größeren Diskriminierungen. Aber im Silicon Valley, dem Tal der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten, hätte sie damit nicht mehr gerechnet. Die digitale Industrie war für die junge Frau, deren Eltern aus Nigeria stammen, die Neuauflage des amerikanischen Traums. Dort wird fröhlich an der Welt von übermorgen experimentiert, dachte sie.

Dort sind Karrieren vom Tellerwäscher zum Tech-Millionär noch immer möglich. Eine multikulturelle Spielwiese. Wer sich richtig anstrengt, so das Versprechen der US-Westküste, der schmiedet innerhalb von ein paar Jahren aus der Garagenfirma einen globalen Konzern. Die Nerds von heute sind die Stars von morgen. Alle starten mit den gleichen Chancen.

Aber ausgerechnet hier, wo doch die Zukunft erfunden werden soll, herrscht eine erstaunlich homogene Truppe: weiß, männlich, Mittelklasse. Farbige haben es dagegen ebenso schwer wie Frauen. Das Urteil der jungen Juristin Ukuku: „Das Einzige, was schlimmer ist, als eine Frau in der Technologiewelt zu sein, ist es, dort eine schwarze Frau zu sein.“

Die Atmosphäre in vielen Start-ups sei frauenfeindlich, schwarze Gründer würden von Investoren oft gar nicht ernst genommen. „Und wenn ich mich wehre, stecken sie mich in die Schublade ‚wütende schwarze Frau‘.“ Ukuku gewann den Kampf. Heute berät die Juristin und Investorin Firmen im Start-up-Bezirk „South of Market“. Aber an den geradezu mittelalterlichen Verhältnissen an der Wiege der Menschheit 2.0 ändert das nichts.

Frauen bilden eine krasse Minderheit, Afroamerikaner sind vor allem beim Abwasch in der Restaurantküche anzutreffen. Kaum ein Drittel der Belegschaft in den Firmen ist weiblich, bei den Programmierer-Jobs halbiert sich diese Summe erneut. Noch weit geringer ist mit nur einem Prozent der Anteil schwarzer Tech-Mitarbeiter.

Kommentare (7)

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Frau Annette Bollmohr

13.11.2015, 18:10 Uhr

Nach echtem Bemühen um Chancengleichheit sieht das jedenfalls nicht aus.

Dafür umso mehr nach Humanressourcenverschwendung, verpassten Weiterentwicklungschancen und Tunnelblick.

Herr Tom Schmidt

13.11.2015, 18:22 Uhr

Ganz ehrlich: aber die Thematik krankt etwas an der eigenen Political Correctness.

2 Frauen streiten um einen Stuhl im Restaurant, das passiert wahrscheinlich 1000 mal am Tag auf der ganzen Welt. Ist eine aber schwarz und die andere weiß, dann ist es Rassismus! :-) Wir sind alle gleich! Zicken auch! Die Frau macht keine Karriere im Silicon Valley... hm... schon wieder eine Diskriminierung, das ist halt jetzt nicht wirklich eine Juristen-Ecke! Und das obwohl die sonst immer überrepräsentiert sind... (was aber ok ist), also muss es schon wieder eine Art von Diskriminierung sein.

Asiaten kommen eher voran als Schwarze.... liegt am Netzwerk. Also auch dann, wenn es kaum Schwarze gibt, die sich das Nerd-Studium angetan haben.

Um das Ganze abzurunden: Das Silicon Valley ist wie es ist, und es gibt Millionen von Orten auf der Welt wo die weißen keine Weltkonzerne hervorbringen.

Unterm Strich: das Silicon Valley ist eine lokale kulturelle Leistung, die sich aus den lokalen Bedingungen ergibt. Wie überall auf der Welt! Dann gibt es Erfolg und Misserfolg. Der Erfolg erzeugt Neider und viele Erfolglosere, die den Erfolgreichen aber gerne erklären wie es geht und an was sie sich zu halten haben.

Wenn man das Thema aber sich verselbständigen läßt, dann erzeugt es nur wirkliche Diskriminierung, je nach Interessensgruppe kann man sich dann Vorteile in der Karriere unfair erschleichen. Diskriminierung ist dann abgeschafft, wenn die einzelne Person nicht mehr nach Hautfarbe, Geschlecht, etc beurteilt wird. Dann muss man aber auch aushalten, wenn da mal rauskommt, das die Verteilungen abweichen!

Herr Captain Acap

13.11.2015, 18:51 Uhr

ahhhja... deshalb sitzen dort auch die erfolgreichsten Firmen der Welt, mit den größten Umsätzen und Gewinnen, weltweitem Einfluss...Tendenz: steigend.
Wenn ich von "verpassten Weiterentwicklungschancen und Tunnelblick..." höre, dann denke ich eher an unsere europäischen quotendurchseuchten Parteien-, Beamten-, und Politiklandschaften und da wird mir auch Angst und Bange anhand der von dort kommenden Genderisierungsvorgaben an unsere Industrie. Nun ja, solange man die Finanzierung der eigenen gesellschaftlichen Unfähigkeit durch die Notenpresse kompensieren kann, kann man sich so einiges erlauben.
Bis dahin lachen sich die Amerikaner über uns tot.

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