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10.03.2004

17:59 Uhr

Download-Dienste weisen der Musikbranche den Weg aus der Krise

Mehr Musik fürs Netz: Phonoline geht online

VonTanja Kewes

Nach einigen Startschwierigkeiten soll Phonoline nun am 18. März starten, wie Handelsblatt.com aus Branchenkreisen erfuhr. Der Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft schafft damit eine nationale Branchenplattform. Zugleich ist es die erste kommerzielle Internet-Plattform, die die fünf großen Musiklabels Universal, Sony, BMG, Warner und EMI vereint.

HB DÜSSELDORF. Und so soll es funktionieren: Alle Plattenfirmen stellen große Teile ihres Repertoires ins Netz und gestatten den legalen, aber kostenpflichtigen Download. Pro Track werden 99 Cent fällig. Zugriff auf Phonoline erhalten die Nutzer über die Homepages bekannter Handelsmarken. Phonoline richtet sich also nicht direkt an den Musikfan, sondern ist eine technische Basis, die von Portalen und Musiksites in die jeweiligen Internetauftritte integriert werden kann. Rund 250 000 Titel werden über Phonoline ab dem 18. März abrufbar sein. Von Woche zu Woche soll sich die Anzahl der Titel durch Neuerscheinungen und back ups älterer Stücke vermehren.



Spätstarter Phonoline

Schon seit einigen Monaten gehen in Deutschland immer mehr legale Angebote für Musik-Downloads ans Netz. Den Anfang machte Media Markt im November 2002. Und auch Phonoline sollte eigentlich schon im vergangenen Jahr dabei sein. Doch technische Probleme verzögerten den Start. Nach einer aktuellen Studie der Computer-Zeitschrift "Digital World" sind derzeit der Musik-Shop von Karstadt, MTVs "Track-Tanke" und der "Tiscali Music Club" die vielfältigsten und informativsten Online-Shops für deutsche Musikliebhaber. Karstadt und MTV verlangen zwischen 0,75 bis 1,99 Euro pro Song, Tiscali 0,75 bis 1,99 Euro. Alle drei Anbieter nutzen die Plattform des englischen Großanbieters OD2 (On Demand Distribution) und bieten jeweils 220.000 Titel.

Vorreiter iTunes

Die legalen Download-Dienste geben der Musikbranche, die in den vergangenen Jahren durch illegale Tauschbörsen und Schwarzbrennen Einbußen in Milliardenhöhe verkraften musste, neue Hoffnung. Vorbild der Branche ist der iTunes Music Store von Apple. In dem virtuellen Musikladen gingen seit Mai vergangenen Jahres 30 Mill. Songs über die Ladentheke - so viele wie auf allen europäischen Plattformen zusammen. Von jedem bei iTunes verkauften 99-Cent-Track gehen 66 US-Cent in die Kasse der Rechteinhaber. Dies entspricht in etwa den Größenverhältnissen im traditionellen CD-Verkauf. Zwar wird mit iTunes noch Angaben von Apple noch kein Geld verdient, doch belegen die Zahlen, das Musikfans durchaus bereit sind, für Musik aus dem Netz zu zahlen.

Die Zukunft liegt im Netz

"Get out of the plastic business", appellierte Josh Bernoff, Analyst bei Forrester Research, denn auch auf der Musikmesse Midem im Januar an die Plattenfirmen. Bereits im Jahr 2007 sei die CD passé, warnte er. Bis dahin würden Kunden nicht nur einzelne Songs aus den zahlreichen Musiktankstellen im Internet zapfen, sondern auch eine monatliche Abogebühr bezahlen, um ihre Sounds aus dem Netz ziehen zu können.

Das Ende des physischen Tonträgers wie Bernoff sehen deutsche Branchenvertreter noch nicht: "Die nächsten zehn Jahre gehören der CD", sagt Hartmut Spiesecke, Sprecher der deutschen Phonoverbände. Aber auch er ist sich sicher, dass die Zukunft des Musikvertriebs im Netz liegt und sich die legalen Musikshops als Alternative zu den illegalen Tauschbörsen durchsetzen werden. Schließlich böten die legalen Angebote handfeste Vorteile: "Über Phonoline kann Musik zeitnah, günstig und sehr flexibel heruntergeladen werden. Das zieht langfristig mehr Kunden als die Umsonst-Strategie". Große Hoffnungen setzt die Branche auch auf Inhalte, die exklusiv über das Internet vertrieben werden. Vorbild ist auch hier Apple. ITunes sorgt regelmäßig mit Live-Mitschnitten für traffic auf den Shop-Seiten. Trotz aller Euphorie ist das Misstrauen gegenüber den Nutzern derzeit noch groß: Songs können bei Phonoline nur in einem speziell vom Fraunhofer-Institut entwickelten kopiergeschützten mp3-Format heruntergeladen werden. Es wird mit dem weniger beliebten Windows-Media-Format (WMA) kompatibel sein.



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