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02.02.2007

13:26 Uhr

Durchwachsene Zwischenbilanz

Handys sorgen für gute Laune bei Ericsson

VonHelmut Steuer

Einst waren die Handys das Sorgenkind des Ericssons-Konzerns. Doch mittlerweile bereitet der als Joint Venture mit Sony ausgelagerte Handy-Bereich dem schwedischen Telekommunikationsriesen Freude.

HB STOCKHOLM. Ericsson-Chef Carl-Henric Svanberg hob am Freitag bei der Vorlage der Zahlen für das vierte Quartal 2006 den Erfolg der Sony Ericsson-Handys mehr als einmal hervor. Kein Wunder: Das vor fünf Jahren von der japanischen Sony und der schwedischen Ericsson gegründete Gemeinschaftsunternehmen gab vor zwei Wochen die Verdreifachung seines Gewinns gegenüber dem Vorjahr bekannt. Für Svanberg bedeutet das einen Barscheck in Höhe von rund zwei Mrd. Kronen, also fast 221 Mill. Euro.

Das ist immerhin rund ein Sechstel des gesamten Ericsson-Gewinns. Der Weltmarktführer bei Mobilfunknetzen verbuchte im vierten Quartal 2006 einen Vorsteuergewinn von 12,2 Mrd. Kronen. Vor einem Jahr waren es nur 10,21 Mrd. Kronen. Auch der Umsatz zog deutlich von 45,7 Mrd. auf 53,7 Mrd. Kronen im vierten Quartal an. Dennoch zeigten sich Analysten und Anleger enttäuscht: Die Ericsson-Aktie fiel zwischenzeitlich an der Börse in Stockholm um sechs Prozent. „Das ist eine Überreaktion, ein Minus von zwei oder drei Prozent wäre angemessen“, sagte Helena Nordman-Knutsson, Analystin beim Börsenmakler Öhman Equities.

Der Grund für die starke Reaktion am Aktienmarkt liegt in den Prognosen, die Ericsson-Chef Svanberg für das laufende Jahr gab. Ging er bislang von einem Wachstum des Marktes für Mobilfunknetze von fünf bis neun Prozent aus, revidierte er die Aussichten auf ein Plus von etwa vier bis sechs Prozent.

Ericsson leidet wie seine Konkurrenten Nokia, Siemens, Alcatel/Lucent und anderen unter dem Preisdruck bei Mobilfunknetzen. Es sind vor allem chinesische Mitbewerber wie Huawei, die immer stärker in die von europäischen und amerikanischen Herstellern beherrschten Märkte drängen. Dennoch ist Ericsson weiterhin unangefochten der größte Netz-Ausrüster: Der Marktanteil bei GSM-Netzen liegt bei über 40 Prozent, bei den Netzen der dritten Mobilfunkgeneration bei etwa 35 Prozent. „Wir haben die Vorraussetzungen, um weitere Marktanteile hinzuzugewinnen“, gab sich Svanberg optimistisch und betonte, dass sein Konzern schneller wachsen werde, als die Konkurrenz.

Nach Ansicht von Analysten stehen die Chancen dafür nicht schlecht, denn die wichtigsten Mitbewerber sind derzeit mit komplizierten Fusions- und Integrationsprozessen vollauf: Alcatel und Lucent gaben im vergangenen Jahr ihre Fusion bekannt, und Nokia und Siemens wollen ihre Mobilfunksparten bis zum Ende dieses Quartals zusammenlegen. „Diese Integration kostet Kraft, und davon wird Ericsson profitieren“, sagte ein Experte. Ericsson hat die Integration des Ende 2005 übernommenen britischen Festnetz-Spezialisten Marconi bereits abgeschlossen, der Kauf des amerikanischen Router-Experten Redback vor zwei Monaten ist dagegen relativ einfach, da es sich um ein kleines Unternehmen handelt.

Zunächst profitierte Ericsson jedoch von dem späten Erfolg seiner 50 Prozent-Beteiligung an dem Joint Venture Sony Ericsson. Das Gemeinschaftsunternehmen war vor fünf Jahren gegründet worden, nachdem weder Sony- noch Ericsson Mittel fanden, der davoneilenden Konkurrenz von Nokia, Motorola, Samsung und LG Paroli zu bieten. Nach anfänglichen Schwierigkeiten haben sich Sony Ericsson-Handys am Markt durchgesetzt. Mittlerweile kommt das japanisch-schwedische Unternehmen auf einen Weltmarktanteil von knapp neun Prozent und liegt damit auf Platz vier hinter Branchenführer Nokia, Motorola und Samsung. Und damit ist Svanberg noch nicht zufrieden, er hat für das Joint Venture Platz drei angepeilt.

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