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27.12.2011

10:20 Uhr

E-Books

Verleger und Händler zittern vor den Bücherpiraten

VonHans-Peter Siebenhaar

Mit dem Siegeszug der elektronischen Bücher nimmt die Zahl der illegalen Downloads zu. Die Buchbranche fordert die Politik auf, endlich zu handeln - und findet bereits prominente Unterstützer.

Das Kindle Fire von Amazon: Die neue Technik lockt Betrüger. Reuters

Das Kindle Fire von Amazon: Die neue Technik lockt Betrüger.

FrankfurtDie Buchbranche ist verunsichert. Der illegale Download von E-Books jagt Verlegern und Buchhändlern Angst ein. "Durch den Siegeszug des E-Books wächst die Gefahr von Diebstählen im Netz", sagte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, dem Handelsblatt. Denn mit der wachsenden Zahl elektronischer Bücher wird es immer leichter, Romane, Sachbücher und Fachliteratur illegal zu kopieren. Nach Einschätzung des Börsenvereins ist die Piraterie längst zur größten Gefahr für die fast zehn Milliarden Euro schwere Branche geworden. "Schätzungsweise werden zwei Drittel aller E-Books illegal erworben", sagt Skipis, der den Markt seit vielen Jahren kennt. Auch die vor Monaten vorgelegte Pirateriestudie im Auftrag des Bundesverbandes Musikindustrie, des Börsenvereins und der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen kommt zu dem Ergebnis, das von 23 Millionen E-Books rund 60 Prozent illegal aus dem Internet heruntergeladen worden seien.

Schäden in Milliardenhöhe

Verleger und Buchhändler fordern angesichts der dramatischen Situation die Politik jetzt auf, energisch gegen die Bücherpiraten vorzugehen. "Wir sind seit Jahren mit der Politik im Gespräch über geistigen Diebstahl. Nun wird es Zeit, dass der Gesetzgeber endlich handelt, um die Geschäftsgrundlage von Verlagen und Handel nicht zu gefährden", warnt Skipis eindringlich. "Wir mahnen an, endlich einen verlässlichen Rechtsrahmen zu schaffen, um gegen Piraterie effektiver vorgehen zu können."

Der Börsenverein schlägt vor, bei einem illegalen Download automatisch eine Warnung vor der Urheberrechtsverletzung folgen zu lassen. Sie soll Täter künftig abschrecken. Sollte sich der Pirat aber von Warnhinweisen unbeeindruckt zeigen, fordert der Verband schnelle und effektive Sanktionen für die Verletzung von Urheberrechten.

Der Gesamtschaden, der durch Piraterie der Kreativindustrie entsteht, ist nach Einschätzung unabhängiger Marktexperten gewaltig. In einer Studie zur digitalen Wirtschaft prognostizierte die Unternehmensberatung Tera Consultants für die deutsche Kreativwirtschaft bereits vor drei Jahren Umsatzeinbußen von rund 1,2 Milliarden Euro. Durch die wachsende Zahl elektronischer Bücher wächst diese Zahl nach Meinung von Marktteilnehmern nun stark an.

Wie Insider berichten, sei die Bereitschaft in der Politik, zu handeln, groß. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) gilt als der größte Unterstützer der Branche. Der Börsenverein geht davon aus, dass im nächsten Jahr entsprechende gesetzliche Vorkehrungen gegen den Missbrauch von Urheberrechten im Web getroffen werden.

Kommentare (16)

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nanoflo

27.12.2011, 23:30 Uhr

Das ist ja alles recht und schön.Aber es ist nicht Recht einem für einen illegalen Download ein paar hundert(oder tsd.) € an Strafe aufzubrummen.
1. ist das nicht verhältnissmäßig(Wullf oder andere Steuerbetrüger zahlen ja auch nicht das 100 oder Tsd fache an Schadenersatz zurück)
2. hilft es nicht gegen die Wurzel des Bösen
3. sollten e- Book eh für 1-4€ zu haben zus ein!!! en Text kopieren kostet quasi fast nichts!!!!!!
wenn sie mehr dafür verlangen ham sie halt das Risiko mit den Kopien ganz einfach.Da hilft kein Kopierschutz(siehe Blu Ray....)
Das ist Fakt, alles kann umgangen oder ausgehebelt werden irgendwie.

Fred_Kirchheimer

28.12.2011, 00:01 Uhr

Und wieder haben wir die Situation, daß die Industrie zwar auf dem elektronischen Markt auch Umsatz kreiern will, aber ohne die Risken in Kauf nehmen zu wollen.
Muß man eBücher anbieten? Die Frage ist sicherlich nicht mit einem klaren Ja zu beantworten. Großformatige Bücher mit vielen Bildern sicher nicht. Warum Sachbücher und Fachliteratur?
Tja, irgenwie verstörend, wenn man dann sieht, daß doch gerade die Buchhändler die eBook-Reader sehr stark bewerben. Und nun wird geweint?
M.E. ist ein Kindle bei Amazon registriert und Käufe sind fest mit dem Gerät verkoppelt. Irgendwie geht es dann doch mit der Kontrolle?
Kann es sein, daß es sich die Verleger leicht machen wollen und kein Geld in die Sicherheit investieren wollen? Die Kosten dafür sind eben Teil der gesamten Aufwendungen um eBücher verkaufen zu können, so wie die Anschaffung einer Druckmaschine ja bisher auch zum unternehmerischen Risiko gehörte.
Aber vielleicht habe ich ja alles falsch verstanden und warte dementsprechend darauf, daß die Gefahren demnächste in einem weiteren Artikel realistisch beschrieben werden. Hört sich nämlich alles wie vorsorgliches Jammern an.
Tja, letztendlich ist es eine Frage des Preises. Musik für einen Euro pro Titel scheint auf dem Markt voll akzeptiert zu sein. Was muß denn alles bei einem Ladenpreis für ein gedrucktes Buch abgedeckt werden? Handling von der Druckerei zum Großh., zum Einzelh. und dann zum Kunden. Auch fällt einiges an Lagerkosten an. Soll die Branche doch mal die Kalkulation vorlegen. Amazon verkauft die eBooks für rund 20% billiger - aber was bleibt unterm Strich. Das wäre doch mal eine Aufgabe für das Handelsblatt, das zu recherchieren, statt Gejammere ungesehen an die Leser weiterzureichen.

tom

28.12.2011, 01:12 Uhr

Faszinierend wie unfähig zu lernen Verlage und insbesondere Politik doch sind. Das hatten wir doch alles schonmal vor über 10 Jahren bei der Musikbranche.

Der digitale Geist ist längst aus der Flasche zurück bekommt man ihn nicht. Wenn man aber seine Kunden nicht wie Vollidioten oder gar Kriminelle behandelt, dann kann man gut daran verdienen.

Zunächst einmal muss die Buchpreisbindung verschwinden. Es ist doch ein schlechter Scherz, dass ich für einen Download den selben Preis bezahlen soll wie für ein physisches Buch. Die Einsparungen bei Material-, Druck-, Transport- und Vertriebskosten müssen an den Kunden weitergegeben werden, Wettbewerb muss gestärkt werden.

Zweitens muss man dem zahlenden Kunden ein erstrebenswertes Erlebnis bieten, man muss den Einkauf kinderleicht machen, wie es Apple mit iTunes bereits vorgemacht hat. Inzwischen gibt es mit dem Kindle Store und iBooks aber auch vergleichbares im Büchersegment. Darüber hinaus kann man Bonus Content anbieten den es im Buch aus Platzmangel nicht gibt, ähnlich wie auf DVDs.

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