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25.11.2014

16:02 Uhr

E-Mail-Dienst von Yahoo fällt aus

„Armutszeugnis für einen Internetkonzern“

VonChristof Kerkmann

Briefe wären vermutlich schneller: Bei Yahoo können zahlreiche Nutzer seit Tagen nicht auf ihr E-Mail-Postfach zugreifen. Ein Glasfaserkabel fällt aus – das Internet ist für Haibisse und Schiffsanker anfällig.

Firmenzentrale von Yahoo: Dem Konzern bereitet der Ausfall eines Glasfaserkabels arge Probleme. ap

Firmenzentrale von Yahoo: Dem Konzern bereitet der Ausfall eines Glasfaserkabels arge Probleme.

DüsseldorfZahlreiche Yahoo-Nutzer werden derzeit auf eine Geduldsprobe gestellt: Seit nunmehr fünf Tagen können sie nicht auf ihre E-Mails zugreifen, bei anderen sind die Ladezeiten quälend lang. Die Probleme seien die Folge eines durchgetrennten Unterseekabels, teilt das Unternehmen in einem Blogeintrag mit. Die beschädigte Stelle werde nun repariert. Dass es so lange dauert, verwundert Experten. Der Vorfall macht aber einmal mehr deutlich, dass die virtuelle Welt auf einer physischen Infrastruktur aufbaut – und damit auch vor Schiffsankern und Haibissen nicht gefeit ist.

„Wir sind uns bewusst, dass Yahoo Mail für einige unserer Nutzer langsam oder nicht erreichbar ist“, schreibt das Unternehmen. Wie viele betroffen sind, schlüsselt es nicht auf. Zahlreiche verärgerte Reaktionen lassen vermuten, dass es sich nicht nur um Einzelfälle handelt. „Weißt du, Yahoo, ab einem bestimmten Zeitpunkt kannst du es nicht mehr einen ‚temporären Fehler‘ nennen“, schreibt ein Nutzer bei Facebook. „Keine Panik, Yahoo ist zuversichtlich, dass sie das Problem bis Weihnachten behoben haben“, twittert ein anderer sarkastisch.

Yahoo - Einmal Star und zurück

Ein Katalog fürs Internet

Als immer mehr Menschen online gingen, sorgt Yahoo für Orientierung: Das Unternehmen, 1994 von den Stanford-Doktoranden Jerry Yang und David Filo gegründet, führte in seinen Anfangsjahren einen Katalog mit interessanten Webseiten. Die Einträge erstellten zunächst nicht Suchroboter, wie es heute üblich ist, sondern Menschen. Um die Suche baute Yahoo bald ein Portal mit weiteren Diensten auf.

Profiteur des Dotcom-Booms

Bereits 1996, zwei Jahre nach der Gründung, ging Yahoo an die Börse. In den folgenden Jahren gehörte die Firma zu den Lieblingen der Anleger, der Aktienkurs stieg auf dem Höhepunkt des Dotcom-Booms auf den Höchstkurs von 119 Dollar. Als die Blase platzte, brachen jedoch auch die Werbeeinahmen ein – und der Kurs stürzte auf gut 8 Dollar ab.

Zu zweit gegen Google

Allein kamen Yahoo und Microsoft nicht gegen den Suchmaschinen-Riesen Google an – also taten sie sich 2009 zusammen. Seitdem nutzt Yahoo etwa die Suchmaschinen-Technologie von Microsoft („Bing“). Die Werbeumsätze teilen sich die Unternehmen. Echte Konkurrenz machen die beiden dem Primus aber auch gemeinsam nicht. Zuvor hatte Microsoft versucht, Yahoo komplett zu übernehmen, allerdings vergeblich.

Profitables Engagement in China

2005 beteiligte sich Yahoo am chinesischen Web-Portal Alibaba. Von dieser Partnerschaft profitiert das US-Unternehmen bis heute: Mit dem Verkauf von Anteilen nahm es 2012 4,3 Milliarden Dollar ein. Sollte Alibaba wie erwartet an die Börse gehen, könnte Yahoo weitere Milliarden erlösen.

Konzern ohne Führung

2007 stieg Yahoo-Mitgründer Jerry Yang zum CEO auf. Doch er hatte kein glückliches Händchen und übergab die Geschäfte bereits ein Jahr später an Carol Bartz. Die Saniererin eckte jedoch mit ihrer burschikosen Art so an, dass der Verwaltungsrat sie feuerte. Es folgten drei Kurzzeit- oder Interims-Chefs bis 2012 die langjährigere Google-Managerin Marissa Mayer die Geschäfte übernahm.

Marissa Mayer übernimmt

Es war ein Coup: Im Juli 2012 vermeldete Yahoo, dass die prominente Google-Managerin Marissa Mayer neue Chefin wird. Die wirbelte das Unternehmen in den ersten Monaten kräftig durcheinander, übernahm diverse Startups und sorgte auch sonst für Schlagzeilen. Die Schwäche im Kerngeschäft mit Anzeigen – vor allem Bannern – konnte sie aber nicht abstellen.

Mail, Suche, Nachrichten

Yahoo hat monatlich mehr als 700 Millionen Nutzer. Zu den beliebtesten Angeboten des Konzerns gehören Nachrichten, Suchmaschine und der E-Mail-Dienst. Eine treue Fangemeinde hat auch der Fotodienst Flickr. Zudem übernahm Yahoo 2013 für 1,1 Milliarden Dollar die Blogging-Plattform Tumblr, deren Community rasant wächst.

Altavista, Delicious, Alltheweb

Viele Dienste stellte Yahoo über die Jahre wieder ein, etwa die Suchmaschinen Altavista und Alltheweb. Den Social-Bookmarking-Dienst Delicious verkaufte das Unternehmen 2011 wieder.

Glasfaserkabel sind Hochgeschwindigkeitsstrecken für Datenpakete, Bündel aus Tausenden hauchdünnen Fasern übertragen Informationen in Lichtgeschwindigkeit. Dutzende solcher Stränge verbinden die Kontinente: Die Firma Telegeography zählt allein zwischen Europa und Nordamerika ein gutes Dutzend große Leitungen, die eine Kapazität von mindestens fünf Gigabit pro Sekunde haben.

Doch im Meer sind die Kabel hohen Belastungen ausgesetzt, gerade in flachen Gewässern. Regelmäßig durchtrennen Fischernetze und Anker die dicken Stränge, auch Haie verbeißen sich immer wieder daran – womöglich, weil sie die magnetischen Felder, die von den eingebauten Stromleitungen ausgehen, für Fische halten. Der Internetkonzern Google, der sich an mehreren Unterseekabeln beteiligt, will die Leitungen daher mit Kevlar verstärken. Den Ausfall bei Yahoo hat ein nicht näher benannter Dienstleister verursacht, Hintergründe sind nicht bekannt.

Die Reparatur der Kabel auf hoher See ist aufwendig. Dafür müssen speziell ausgerüstete Schiffe auslaufen. All das dauert – wie das Beispiel Yahoo zeigt. Wie lange sich die Nutzer noch gedulden müssen, ist unklar: Über die Dauer der Reparatur gibt der Internetkonzern keine Prognose ab.

Experten verwundert indes, dass Yahoo die Daten nicht über andere Kabel leitet. „Jedes Rechenzentrum hat mehrere Glasfasereinführungen“, sagt ein Brancheninsider. Dank dieser Redundanz lasse es sich in der Regel innerhalb weniger Stunden wieder ans Netz anschließen, auch wenn einmal ein Bagger zuschlägt. Auch für Unterseekabel gebe es Absicherungen: Sie seien ringförmig angelegt, so dass es Reserveleitungen gebe. „Für einen Diensteanbieter ist es ein Armutszeugnis, wenn es mehrere Tage dauert, den Nutzern wieder Zugriff auf die Daten zu geben – auch für diese Fälle sollte er vorsorgen.“

Der Insider vermutet aber, dass die gestörte Leitung nicht die eigentliche Ursache für den Ausfall ist. So sei ungewöhnlich, dass es zu Ausfällen auf beiden Seiten des Atlantiks komme. Zudem seien offenbar andere Anbieter nicht betroffen. Fazit: „Das klingt für mich nach einer Ausrede für ein anderes Problem.“

Kommentare (3)

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Herr Biermann Ulf

25.11.2014, 16:35 Uhr

Verehrter Autor, es wäre sicherlich der Sache dienlicher, mit mehr Objektivität und näher an der Realität zu berichten: Fakt ist, der eMail Service hat Probleme; Nicht-Verfügbarkeit seit 5 Tagen ist schlicht eine Autoren-Mär.
Ich selbst bin Yahoo-Anwender.

Frau Marie Schöneburg

25.11.2014, 16:47 Uhr

Lieber Herr Biermann, nur weil Sie Zugriff haben, bedeutet das aber nicht, dass es bei allen anderen auch so ist. Und tatsächlich gibt es viele Nutzer, bei denen nichts geht - und die sich deswegen öffentlich bei Yahoo beschweren.

Christof Kerkmann, Handelsblatt Online

Herr Biermann Ulf

25.11.2014, 18:49 Uhr

Guten Abend Herr Kerkmann,danke für Ihre Rückmeldung, aber wer lesen kann, ist offensichtlich im Vorteil.
Ich habe nicht gesagt, daß ich Zugriff habe, ich habe nur festgestellt, daß Nicht-Verfügbarkeit seit 5 Tagen nicht korrekt ist. Einen schönen Abend.

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