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29.07.2015

13:59 Uhr

E-Plus-Kauf macht sich bezahlt

Telefónica gewinnt in Deutschland Kunden hinzu

Mehr als 400.000 neue Handykunden hat Telefónica Deutschland im vergangenen Quartal gewonnen. Der „o2“-Konzern steigert nach der Übernahme von E-Plus seinen Betriebsgewinn – unter dem Strich bleibt das Ergebnis tief rot.

Die Übernahme von E-Plus soll die Kosten in diesem Jahr um 250 Millionen Euro drücken. dpa

Telefónica Deutschland

Die Übernahme von E-Plus soll die Kosten in diesem Jahr um 250 Millionen Euro drücken.

FrankfurtTelefónica Deutschland fährt die Ernte der Milliarden-Übernahme von E-Plus ein. Vor allem dank Einsparungen aus der Zusammenlegungen von Geschäften mit dem einstigen Konkurrenten und neuer Handykunden sei der Betriebsgewinn im zweiten Quartal um 13 Prozent auf 450 Millionen Euro gestiegen, teilte die unter der Marke „o2“ bekannte Telefónica Deutschland am Mittwoch mit. In den drei Monaten zuvor war der Betriebsgewinn lediglich um sechs Prozent gestiegen.

„Die raschen Fortschritte bei der Integration wirken sich bereits heute positiv auf unsere Profitabilität aus“, sagte Vorstandschef Thorsten Dirks. Anleger honorierten die Geschäftsentwicklung: Die im Technologieindex TecDax gelisteten Titel stiegen zeitweise um über drei Prozent.

Zudem nahmen die Münchner den Rivalen auf dem hart umkämpften Mobilfunkmarkt Kunden ab. Die Zahl der o2-Handynutzer stieg im vorigen Quartal um 440.000 auf 42,6 Millionen. Zum Vergleich: Vodafone verlor gleichzeitig in Deutschland 630.000 Kunden. Platzhirsch Deutsche Telekom will nächste Woche seine Zwischenbilanz vorstellen. Üblicherweise führen die Bonner den hiesigen Markt nach Umsatz an - o2 hingegen zählt die meisten Kunden.

Was die Fusion von E-Plus und O2 für den Kunden bedeutet

Worum geht es?

Die niederländische KPN verkauft ihre Tochter E-Plus an Telefónica Deutschland. Das wurde bereits im Juli 2013 angekündigt. Telefónica Deutschland gehört seinerseits zum spanischen Telefónica-Konzern und bietet vor allem die Mobilfunk-Marke O2 an. „Das neue Unternehmen wird erhebliche Größen- und Effizienzvorteile erzielen“, erklärte Telefónica Deutschland am Mittwoch. Abgeschlossen sein soll der Kauf voraussichtlich bis Ende September.

Wie viele Mobilfunkanbieter gibt es jetzt noch?

Von den großen Anbietern, die ein eigenes Mobilfunknetz besitzen, gibt es in Deutschland künftig nur drei statt vier. Neben Telefónica Deutschland sind dies die Deutsche Telekom und Vodafone. Allerdings gibt es noch viele weitere Mobilfunkmarken. Sie gehören entweder auch zu diesen großen Konzernen oder zu anderen Anbietern. Diese Anbieter leihen sich sozusagen das Netz von den Großen und bieten dann den Endkunden eigene Verträge an. Außerdem könnte sich künftig nach Einschätzung der EU-Kommission auch wieder ein weiterer Anbieter mit eigenem Netz etablieren.

Was bedeutet der Wegfall eines so großen Unternehmens?

Die EU-Kommission hatte bei der Fusion zunächst Bedenken. Sie befürchtete, die Konzentration könne dazu führen, dass sich die verbleibenden Firmen nicht mehr so hart bekriegen - was für die Kunden schlecht wäre, die gerade vom Wettbewerb Vorteile haben. Deshalb hat die EU-Behörde eine ganze Reihe Auflagen für die Fusion gemacht. Dazu gehört zum Beispiel, dass Telefónica 30 Prozent der Netzkapazitäten des neuen Unternehmens verkaufen muss.

Reichen die Auflagen aus?

Die EU-Kommission sagt Ja: „Verbraucher werden weiterhin in den Genuss der Vorteile eines wettbewerbsorientierten Marktes kommen“, kündigte Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia an. Der auf die Branche spezialisierte Professor Torsten J. Gerpott von der Universität Duisburg-Essen hält die Auflagen dagegen für ungenügend. Sie dienten als „Deckmäntelchen“ für eine industriefreundliche und verbraucherfeindliche Politik der Kommission, sagte er AFP. Auch Ilja Braun von der Verbraucherzentrale Bundesverband warnt: „Eine Konzentration im Markt birgt für Verbraucher immer Gefahren.“

Steigen jetzt die Preise?

Das ist nicht ausgeschlossen. Zwar seien kurzfristig keine Preissteigerungen zu befürchten, glaubt Gerpott. Er verweist aber zugleich auf Österreich, wo es vor 18 Monaten eine vergleichbare Übernahme gab. Dort seien „die Preise nicht mehr so schnell gefallen und zum Teil sogar gestiegen“. Das könnte mittelfristig auch in Deutschland passieren, meint der Wirtschaftsprofessor. Telefónica äußert sich nicht konkret zu Preisen. In einer Erklärung versichert das Unternehmen aber, „den Markt mit innovativen Produkten und Services (...) noch stärker herauszufordern.“

Ändern sich die bestehenden Mobilfunk-Verträge?

Bei bereits abgeschlossene Verträgen besteht kein Grund zur Sorge. „Bestehende Verträge ändern sich nicht“, sagte ein Sprecher von Telefónica Deutschland.

Verschwindet E-Plus jetzt ganz?

Ob die Marke E-Plus bestehen bleibt oder verschwindet, das lässt sich laut Telefónica Deutschland noch nicht sagen. Dafür müsse erst der Abschluss der Übernahme abgewartet werden.

Was kann noch passieren?

Denkbar sind laut Verbraucherschützer Braun, dass einige Billigmarken wegfallen, die bisher unter dem Dach von E-Plus und Telefónica angeboten werden. Ferner könnten auch Läden geschlossen werden. „Es macht keinen Sinn, dann einen O2-Laden neben einem E-Plus-Laden zu haben“, sagte Braun.

Unter dem Strich drückte der E-Plus-Deal den Konzern abermals in die roten Zahlen. Wegen Wertminderungen infolge des Zusammenschlusses belief sich der Fehlbetrag auf 100 Millionen Euro nach einem Verlust von 24 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Für dieses Jahr erwartet der Vorstand wie gehabt einen Anstieg des Betriebsgewinns um mehr als zehn Prozent. 2014 lag die Kennzahl bei 679 Millionen Euro - das waren 45 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

Für Telefónica Deutschland markiert der voriges Jahr abgeschlossene Kauf des Rivalen E-Plus für 8,6 Milliarden Euro eine neue Ära. Seit der Gründung unter dem Namen Viag Interkom Mitte der neunziger Jahre dümpelte das Unternehmen unter den deutschen Mobilfunkern abgeschlagen auf dem vierten Platz. Auch der spätere Komplettverkauf an die spanische Telefónica änderte daran nicht viel. Der ewige Rivale E-Plus war zwar ein wenig größer und dank eines geschickten Marketings und niedriger Kosten auch profitabler, doch scheute die niederländische Konzernmutter KPN große Investitionen.

Andererseits war E-Plus ein Goldesel für KPN, weshalb der immer wieder diskutierte Verkauf an Telefónica lange nicht zustande kam. Als vor zwei Jahren die Planungen für eine neue Versteigerung von Mobilfunkfrequenzen begannen, bekam KPN es wegen der potenziellen Milliardenkosten mit der Angst zu tun und schlug E-Plus doch noch los. Die Fusion mit E-Plus soll die Kosten bei Telefónica wie bekannt in diesem Jahr um 250 Millionen Euro drücken, langfristig sogar um 800 Millionen Euro.

Die Geschichte gibt KPN recht: Bei der Frequenzauktion im Mai und Juni diesen Jahres fiel der Hammer erst bei gut fünf Milliarden Euro. Allein Telefónica musste 1,2 Milliarden Euro für das begehrte Spektrum, ohne das kein Handy oder Tablet funktioniert, auf den Tisch legen.

Von

rtr

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